Über das Projekt
Eine digitale Heimat für das Volkssagenerbe der Mark Brandenburg.
Adalbert Kuhn (1812–1881)
Franz Felix Adalbert Kuhn wurde am 19. November 1812 in Königsberg in der Neumark (heute Chojna, Polen) geboren. Er war Gymnasiallehrer in Berlin und zählt zu den Begründern der vergleichenden Mythologie und Volkskunde im deutschsprachigen Raum.
Neben seiner Lehrtätigkeit an Berliner Gymnasien betrieb Kuhn intensive Feldforschung: Er reiste durch die Mark Brandenburg, die Altmark und die Prignitz, sprach mit alten Bauern und Dorfbewohnern und notierte ihre mündlich überlieferten Geschichten.
Kuhn war ein Schüler der Grimm'schen Schule und stand in engem Austausch mit Jacob und Wilhelm Grimm. Sein wissenschaftliches Hauptwerk, die Vergleichende Mythologie, erschien 1859. Er starb am 5. Mai 1881 in Berlin.
Das Buch und seine Entstehung
Im Jahr 1843 veröffentlichte Adalbert Kuhn sein grundlegendes Werk Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben im Verlag G. Reimer in Berlin. Es ist das erste systematisch angelegte Sagenwerk für die Mark Brandenburg.
Kuhn bereiste zwischen den 1830er und 1840er Jahren alle Landschaften der preußischen Provinz Brandenburg: die Altmark im Westen, die Prignitz im Nordwesten, die Ruppiner und Havelländer Gebiete, den Barnim, die Uckermark und das Oderland im Osten, die Mittelmark um Berlin und die Niederlausitz im Süden.
Seine Methode war für die Zeit fortschrittlich: Er gab die Sagen in der Sprache seiner Gewährsleute wieder, notierte regionale Varianten und versuchte, auch die älteren Schichten der Überlieferung – heidnische Gottheiten, Naturgeister, vorchristliche Rituale – sichtbar zu machen, die sich unter dem Deckmantel des Christentums erhalten hatten.
Methode der Feldforschung: Kuhn befragte nicht nur einzelne Gewährsleute, sondern versuchte stets, Geschichten aus mehreren unabhängigen Quellen zu belegen. Wo er Unsicherheiten hatte, vermerkte er diese im Text. Diese wissenschaftliche Sorgfalt macht sein Werk bis heute zu einer wertvollen Primärquelle.
Der Band enthält neben den Sagen und Märchen einen ausführlichen Anhang über Volksgebräuche, Aberglauben, Heilpraktiken, magische Formeln und die übernatürlichen Wesen, die die Vorstellungswelt der märkischen Landbevölkerung bevölkerten – von Frau Harke über den Nachtmahr bis zum Wassermann.
Gemeinfreiheit und digitale Nutzung
Das Werk von Adalbert Kuhn ist seit langem gemeinfrei (Public Domain). Nach europäischem Recht erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Da Kuhn 1881 starb, ist sein gesamtes Werk seit 1952 frei von Urheberrechtsansprüchen.
Die Texte auf dieser Website sind inhaltlich an Kuhns Originalwerk angelehnt und teilweise paraphrasiert, um sie für ein modernes Publikum zugänglich zu machen. Der Originaltext ist in seiner vollen Länge kostenlos einsehbar:
Über dieses Digitalprojekt
Sagenhaftes Brandenburg ist ein nicht-kommerzielles Kulturprojekt mit dem Ziel, das volkskundliche Erbe der Mark Brandenburg einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die interaktive Karte verortet 244 Sagen aus Kuhns Werk auf einer modernen Kartenbasis und ermöglicht es, die geografische Verteilung der Sagentypen zu erkunden.
Der Jahreskreis der Volksgebräuche zeigt, wie das bäuerliche Leben in der Mark Brandenburg durch Jahresfeste, Ernterituale und den Glauben an übernatürliche Wesen strukturiert war. Viele dieser Gebräuche sind bis heute lebendig – in veränderter Form, aber mit denselben Wurzeln.
Technologie: Die Website ist bewusst einfach gehalten – kein Server, kein Backend, keine Datenbank. Sie funktioniert mit reinem HTML, CSS und JavaScript und kann auf jedem einfachen Webhosting oder GitHub Pages betrieben werden. Die Karte nutzt Leaflet.js mit OpenStreetMap-Daten – beides kostenlos und ohne API-Schlüssel.
Dieses Projekt versteht sich als Einladung: zur Neugier auf die Geschichte der eigenen Region, zur Auseinandersetzung mit volkstümlichen Weltbildern, und zur Wertschätzung des volkskundlichen Erbes, das Adalbert Kuhn mit großer Sorgfalt für uns bewahrt hat.
Quellen und Weiterführendes
Primärquelle:
Adalbert Kuhn: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Reimer, Berlin 1843.
Digitalisate:
Zeno.org – Volltext →
Weiterführende Literatur:
Richard M. Dorson: The British Folklorists. A History. University of Chicago Press 1968.
Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Herder, Freiburg 1992.