Der Tempel der Morgenröthe zu Jüterbogk
Jüterbog · Mittelmark
Die Thür oder Eingang von abendwärts ist niedrig gewesen, also daß man im Eingehen sich etwas bücken müssen. Es hat auch keine Fenster gehabt, sondern nur ein rundes Loch, mit einem starken eisernen Gitter verwahrt, gegen Morgen, und zwar genau gegen Sonnenaufgang zur Nachtgleiche, so groß, als der Boden von einer Tonne, daß das Licht hat hineingehn können. Also hab ichs von mehreren Personen, die noch am Leben sind, beschreiben hören.«
Frühzeitig schon hat man ein Kreuz aus Granit, das jetzt nur noch etwa anderthalb Fuß aus der Erde hervorragt, ehemals aber mehrere Ellen Länge gehabt haben soll, neben diesem Tempel aufgerichtet, und es steht jetzt noch dicht vor dem Hause des Schmieds. Als man es von da zu der Zeit des Großvaters des jetzigen Schmiedes, weil es abgebrochen, oder wie Andere sagen, von einem weißen Bullen umgerannt war, weggenommen, da hat sich des Nachts ein fürchterliches Lärmen und Poltern hören lassen, und ein weißer Hund hat unausgesetzt an der Stelle gelegen, wo das Kreuz gestanden, und ist auch nicht eher gewichen, als bis man dasselbe wieder an die alte Stelle gebracht hat.
Zur linken Seite der Schmiede liegt auch eine kleine runde Anhöhe, auf der man in neuern Zeiten einen Kreis von Linden, und mitten hinein einen eben solchen Baum gepflanzt hat; diese kleine Höhe heißt der Tanzberg und hat, wie man sagt, davon ihren Namen, daß die alten Wenden hier ihre heidnischen Tänze gehalten haben.