Kirchensage 📍 Nr. 79

Der Hut und der Hirsch auf dem Klostersee

· Mittelmark

So war auch einmal ein Fischer im Orte, der hieß Lietzmann, und sah einst, als er seine Netze warf, den Hut; sogleich riß es ihn fort, ihn herauszuziehen, aber die Kette war gar zu schwer, so daß er sich lange vergeblich abmühte; endlich ward er unmuthig und begann zu fluchen; da erhob sich augenblicklich ein fürchterliches Unwetter, der Kahn schlug um und der Fischer ertrank.

Zur Winterzeit, wenn der See zugefroren ist, erblickt man oft auf demselben statt des Hutes einen Hirsch; das geschah auch einmal, und wie er mitten auf dem Eise war, brach es und das Thier konnte nicht wieder herauskommen; das sahen nun Leute, die am Ufer beschäftigt waren, und wollten sich der unverhofften Beute bemächtigen, sie eilten schnell an die Stelle, wo der Hirsch eingebrochen war, aber als sie dahin kamen, war durchaus nichts mehr zu sehen, und sie flohen daher eiligst, denn nun war es ihnen klar, daß Alles nur ein Blendwerk gewesen und der See wieder sein Opfer verlange, was er sich denn auch bald geholt hat.