Natursage 📍 Werbellinsee Nr. 207

Die versunkene Stadt im Werbellinsee

Werbellinsee · Ukermark

Das that sie auch, sagte aber zu gleicher Zeit: »Ich will zurückgehn, aber du sollst untergehn!« Und das hat sie wohl wahr gemacht, denn sie wußte noch stärkeren Zauber als der Herr selber. Nun befand sich zu dieser Zeit aber ein Fremder in der Stadt, der war ein gar gottesfürchtiger Mann, weshalb sie seinen Untergang nicht auch herbeiführen wollte; sie ging daher zu ihm und sagte, er solle eilig die Stadt verlassen, denn sie würde binnen kurzer Frist untergehen. Da packte er schnell seine Sachen zusammen und ging mit sei nem Bedienten, den er bei sich hatte, davon. Als sie so eine Strecke fort waren und auf dem Berge ankamen, der unweit der Stadt lag, bemerkte er, daß sie in der Eile sein Felleisen mitzunehmen vergessen hätten. Da schickt er seinen Diener zurück, aber der kehrte nach kurzer Zeit zurück, und sagte, die Stadt und das Schloß seien spurlos verschwunden, und an ihrer Stelle sei ein großer See entstanden.

Im Werbellinsee, sagt man auch, müsse alle Jahr einer ertrinken, und zwar geschehen vorher allerhand Wahrzeichen, namentlich hört es sich dann oft so an, als wenn einer laut in die Hände klatsche, und da währt's denn immer nur kurze Zeit, so ertrinkt auch einer im See.