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    "nr": "1",
    "titel": "Ursprung der Stadt Stendal",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
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    "lng": null,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Sagen der Altmark.\n\n1. Ursprung der Stadt Stendal. Beckmann Th. V. Kap. II. p. 149.\n\nDie Stadt Stendal soll vordem nur ein kleines Dorf gewesen sein, weshalb auch bis auf den heutigen Tag ein Theil derselben den Namen des alten Dorfes führt, und soll der berühmte Kaiser Heinrich der Finkler dasselbe zuerst zu einer Stadt erhoben haben. Derselbe hat auch öfter hier seine Wohnung gehabt, und zeigt man in dem alten Dorfe unfern der S. Jakobskirche noch ein Haus, das ihm zugehörig gewesen, und hinten an demselben ein altes Gemäuer, welches die kaiserliche Hofkapelle gewesen sein soll. Alte Wandgemälde innerhalb dieses Gemäuers, sowie der an dem Vorderhause angebrachte Adler sind noch vor hundert Jahren sichtbar gewesen, und erzählt man noch bis auf den heutigen Tag, daß dies Haus ehedem eine Freistatt war, so daß sogar einer Vater und Mutter todtschlagen können und, wenn er nur diese Zufluchtstätte erreicht, aller Strafe frei und ledig gewesen. Jetzt zeichnet sich das Haus vor den andern nicht weiter aus, außer daß an dem breiten Giebel desselben zum Andenken ein schwarzer Mohrenkopf eingemauert ist.",
    "kurztext": "Die Stadt Stendal soll vordem nur ein kleines Dorf gewesen sein, weshalb auch bis auf den heutigen Tag ein Theil derselben den Namen des alten Dorfes führt, und soll der berühmte Kaiser Heinrich der Finkler dasselbe zuerst zu einer Stadt erhoben haben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "2",
    "titel": "Der verschwundene Tambour",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So hatte man einst einen schweren Verbrecher im Thurm sitzen, der war zum Tode verurtheilt, deshalb machte man ihm den Vorschlag, ob er den Gang untersuchen wolle, und fände er sein Ende, so solle ihm das Leben geschenkt sein. Das nahm er denn auch gern an, man gab ihm eine Trommel und er stieg in den Gang hinab und trommelte, wie verabredet war, immer zu, so daß man erfahren konnte, welche Richtung der Gang nähme. Das ging so eine Weile fort, doch nicht lange, so verstummte der Ton der Trommel und der Tambour ist nicht wieder zum Vorschein gekommen.",
    "kurztext": "So hatte man einst einen schweren Verbrecher im Thurm sitzen, der war zum Tode verurtheilt, deshalb machte man ihm den Vorschlag, ob er den Gang untersuchen wolle, und fände er sein Ende, so solle ihm das Leben geschenkt sein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "3",
    "titel": "Der Aufruhr zu Stendal",
    "ort": "Stendal",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6047,
    "lng": 11.8589,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "So wird namentlich berichtet, daß er verheirathet, und der, welcher zu Buch steht, seine Frau sei. Andere sagen auch, wenn er es um Mitternacht zwölfe schlagen höre, so drehe er sich dreimal um. – Wegen dieses Rolands wäre es fast einmal zwischen dem Rath und den Bürgern zu blutigem Streit gekommen. Das kam so:\n\nIn Stendal erschien ein Bildhauer, der meinte, der Roland sei für das große Rathhaus nicht ansehnlich genug, ging daher zum versammelten Rath und bot sich an, er wolle ihn länger machen. Die Rathsherren meinten aber, sie wollten ihn nicht länger haben, worüber sich jener gekränkt fühlte, zu den Bürgern umher ging und das Gerücht aussprengte, der Rath wolle den Roland nicht länger haben. Dadurch brachte er denn natürlich die gesammte Bürgerschaft in Aufruhr, sie kamen wild daher gestürmt, belagerten das Rathhaus und schrieen unaufhörlich, sie wollten den Roland noch länger haben. Da klärte denn der Rath das Mißverständniß auf, und alles ging lachend und zufrieden, daß der Roland bleiben sollte, nach Hause.",
    "kurztext": "Als ein Bildhauer dem Rat zu Stendal anbot, den Roland länger zu machen, verdrehte er das Wort und verbreitete: der Rat wolle den Roland nicht länger haben. Es kam beinahe zum blutigen Bürgeraufruhr – bis das Missverständnis aufgeklärt wurde.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "4",
    "titel": "Der Fisch in der Marienkirche zu Stendal",
    "ort": "Stendal",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6047,
    "lng": 11.8589,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Die Höhlung, wo er gesessen, ist jetzt noch etwa drei Fuß vom Boden zu sehen, der eiserne Fisch hängt aber höher, damit die Kinder nicht mehr ihr Spiel mit ihm treiben.",
    "kurztext": "Als die Elbe 1425 bis in die Marienkirche zu Stendal flutete, trieb das Wasser einen Fisch hinein, der an einem Haken hängenblieb. Zum Andenken wurde er in Eisen nachgegossen und am Pfeiler in genau der Höhe befestigt, die das Wasser damals erreicht hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "5",
    "titel": "Feuer bannen",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das ist aber so gekommen: Als nämlich auch einmal eben eine Feuersbrunst ausbrach, kam ein kleines Männchen zu ihm, brachte ihm einen Schimmel und sagte, auf dem solle er um das Feuer reiten, da werde es sogleich stille stehn. Das hat er denn auch gethan, und augenblicklich war dem Feuer Einhalt gethan. So hat er es jedesmal, sobald irgendwo ein Feuer aufschlug, wiederholt, und nie ist mehr als ein Haus von demselben verzehrt worden. Aber der Schimmel ist alt geworden und endlich gestorben; da war nun der Bürgermeister in großer Noth, denn er sah augenscheinlich, als wieder ein Feuer ausbrach, daß es weiter und weiter um sich griff; doch faßte er sich endlich und lief nun um das Feuer herum, wie er früher herum geritten war, und siehe da! das hatte dieselbe Wirkung; das Feuer stand still. Das thut er nun jedesmal und nie brennt mehr als ein Haus ab.",
    "kurztext": "Das ist aber so gekommen: Als nämlich auch einmal eben eine Feuersbrunst ausbrach, kam ein kleines Männchen zu ihm, brachte ihm einen Schimmel und sagte, auf dem solle er um das Feuer reiten, da werde es sogleich stille stehn.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "6",
    "titel": "Der verwünschte Mönch im Thurm",
    "ort": "Thurm",
    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Das war vor Zeiten ein Mönch. Als nämlich Stendal noch halb katholisch, halb lutherisch war, hatte man an der Domkirche einen katholischen Pfaffen, dem dieser Mönch diente. Der war aber in seinem Herzen gar zornig über die neue Lehre, und schickte deshalb jenen Mönch immer auf den Thurm, um nachzusehen, ob Lutheraner zur Kirche kämen. War das nun der Fall, so mußte er schnell herabsteigen und die Kirchthüren schließen. Das hat er denn auf diese Weise lange Jahre gethan, ist aber dafür verwünscht worden und muß nun dort oben im Thurme umgehn.",
    "kurztext": "Das war vor Zeiten ein Mönch. Als nämlich Stendal noch halb katholisch, halb lutherisch war, hatte man an der Domkirche einen katholischen Pfaffen, dem dieser Mönch diente.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "titel": "Junfer Lorenz",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dort ist er dann bis an sein Lebensende gepflegt worden, und als er todt war, hat man sein Geweih in der Nicolaikirche aufgehängt, und auf demselben zum Andenken an die wunderbare Errettung das Bild der Junfer Lorenz, aus Holz geschnitzt, angebracht. Der Wald aber, in dem dies geschehen, ist jetzt verschwunden, jedoch führen die an seiner Stelle gelegenen Aecker noch den Namen des Lorenzfeldes.\n\nDas Geweih mit dem Bilde hat lange, lange Jahre in der Nicolaikirche gehangen, denn man erzählte, daß Junfer Lorenz verordnet habe, es solle darin bleiben, so lange noch ein Stein auf dem andern sitze. Deshalb nahm man es auch, sobald in der Kirche gebaut wurde, nicht aus derselben, da es jedesmal einen gewaltigen Lärm erregte, wenn es angerührt wurde, und ließ es auch in derselben, als sie zu einem Lazareth umgewandelt ward. Seit dem Jahre 1831 jedoch ist es nach der Stephanskirche gebracht worden, wo es nun ruhig in der Nähe des Altars hängt.",
    "kurztext": "Dort ist er dann bis an sein Lebensende gepflegt worden, und als er todt war, hat man sein Geweih in der Nicolaikirche aufgehängt, und auf demselben zum Andenken an die wunderbare Errettung das Bild der Junfer Lorenz, aus Holz geschnitzt, angebracht.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "8",
    "titel": "Kaiser Karl zu Tangermünde",
    "ort": "Tangermünde",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.5431,
    "lng": 11.9723,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier hat er allerhand Kurzweil getrieben und erzählte man noch vor vielen Jahren sich von dem Rehagen, den er dort eingerichtet, so wie von dem fahlen Pferde, der Speise, die nichts kostet und niemand schadet und anderem mehr. Daher hat man auch noch einen Trinkreim aus dieser Zeit, der also lautet:\n\nKaiser Karolus siin bestet Peerd\n\ndat wås ene fålige Stute,\n\ndat eene ooge wås nist werth,\n\ndat aennere wås reen ute,\n\nreen ute, reen ute, reen ute\n\nnu wisch hee sik de Schnute.",
    "kurztext": "Hier hat er allerhand Kurzweil getrieben und erzählte man noch vor vielen Jahren sich von dem Rehagen, den er dort eingerichtet, so wie von dem fahlen Pferde, der Speise, die nichts kostet und niemand schadet und anderem mehr.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "9",
    "titel": "Die Glockenwiese bei Grieben",
    "ort": "Grieben",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das hat seinen Namen daher, daß die Einwohner von Bittkau an diejenigen des Dorfes Grieben vor langen, langen Jahren eine der großen Glocken überließen, die noch im Griebenschen Thurme hängt, und ehmals zu der nun schon lange verwüsteten Kirche zu Polke bei Bittkau gehörte. Sie thaten es jedoch nur unter der Bedingung, daß ihnen die Griebenschen auf ewige Zeiten eine ihrer Wiesen abträten. Das ist nun die sogenannte Glockenwiese, die, ungeachtet sie auf der Griebenschen Feldmark liegt, noch jetzt zum Dorfe Bittkau gehört.",
    "kurztext": "Das hat seinen Namen daher, daß die Einwohner von Bittkau an diejenigen des Dorfes Grieben vor langen, langen Jahren eine der großen Glocken überließen, die noch im Griebenschen Thurme hängt, und ehmals zu der nun schon lange verwüsteten Kirche zu Polke bei Bittkau gehörte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "10",
    "titel": "Der Backenstein",
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    "region": "Altmark",
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    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ein Riese wollte ihn einst, da er mit der Stadt Magdeburg in Kampf lag, dorthin schleudern, was ihm aber mißlang. Da hat er ihn im Aerger auf den Landsberg geworfen, wo er noch liegt.",
    "kurztext": "Ein Riese wollte ihn einst, da er mit der Stadt Magdeburg in Kampf lag, dorthin schleudern, was ihm aber mißlang. Da hat er ihn im Aerger auf den Landsberg geworfen, wo er noch liegt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 11,
    "nr": "11",
    "titel": "Die Glocken zu Großen-Möhringen",
    "ort": "Großen-Möhringen",
    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In dieser Gegend hütete einmal der Schweinehirt sein Vieh, und fand eine Sau seiner Heerde in einem tiefen Kessel liegend, in welchem sie Jungen geworfen hatte. Als er nun diese heraus nahm, erkannte er, daß es eine schöne Glocke war, in welcher sie lagen, und das Gerücht davon verbreitete sich schnell in der ganzen Gegend und kam auch nach Stendal. Da machte nun die dortige Domgemeine Ansprüche darauf, und schickte einen eigen dazu verfertigten Wagen mit sechszehn Pferden bespannt, aber sie konnten sie nicht von der Stelle rücken. Ein Bauer aus Großen-Möhringen spannte nun seine acht Pferde davor, und jagte triumphirend damit zum Dorfe; aber es entstand darüber bald ein lebhafter Streit mit der Domgemeine, denn sie behauptete, der Schall dieser Glocke sei so stark, daß sie davon getäuscht würde, und vermeine, es läute in S. Nicolai; gleichwohl ist Großen-Möhringen eine starke Meile von der Stadt entfernt, aber die Galmlöcher nach Stendal zu mußten doch deshalb fast ganz zugemauert werden, und sind es auch jetzt noch geblieben. Als aber die Glocke einige Zeit dort gehangen hatte, zeigte sich, daß sie für den Thurm zu schwer sei, denn er bekam einen großen Riß, und da ist sie denn nach Magdeburg gekommen.\n\nAndere erzählen auch, die Glocke sei nicht in der Koblå, wie jene wüste Feldmark nach dem Dorfe genannt wird, sondern auf dem Dollberge bei Burgstall gefunden worden, weshalb man, wenn sie geläutet wurde, auch deutlich hören können, daß sie gerufen:\n\nDoll in, Doll uut,\n\nOll Säu wool (wühlte) uut.\n\nDicht vor Großen-Möhringen steht auch am Wege nach Stendal bei der Windmühle ein steinernes Kreuz, welches zum Andenken an den Mord, den ein Glockengießer dort beging, gesetzt ist. Dieser wollte nämlich an der genannten Stelle eine Glocke gießen, und da ihm der Guß nicht recht von Statten ging, meinte er, es musse noch etwas an den Zuthaten fehlen, lief daher eiligst nach Stendal um noch solche zu holen, und ließ den Lehrburschen allein zurück. Der aber konnte dem Gelüst nicht widerstehen, und vollzog den Guß, ehe der Meister zurückgekehrt war, und es gelang ihm das Werk auch so gut, daß er voll Freude jenem entgegen lief, ihm die Nachricht zu bringen. Der ward aber gar zornig, und erschlug den Burschen in rasendem Neide. Da hat man denn zum Andenken das steinerne Kreuz aufgerichtet.",
    "kurztext": "In dieser Gegend hütete einmal der Schweinehirt sein Vieh, und fand eine Sau seiner Heerde in einem tiefen Kessel liegend, in welchem sie Jungen geworfen hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 12,
    "nr": "12",
    "titel": "Die Schlacht an der Deetzer Warte und das Pumpelgrab",
    "ort": "Deetz bei Tangermünde",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.0589,
    "lng": 12.1702,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Von hier aus erstrecken sich nach Norden zu zwei neben einander laufende hohe Erdwälle mit tiefen Gräben wohl eine Achtelmeile, und auch südwärts finden sich noch Spuren von solchen nach der Gegend von Käthen zu. Hier soll einst eine große Schlacht mit den Wenden gekämpft sein, weshalb die Länder da herum noch die Kriegländer geheißen werden, und sollen die Wenden in jenen Gräben ihre Zuflucht gesucht haben.\n\nAndere erzählen, diese Schlacht sei in dem Kriege vorgefallen, den Willebrand, Erzbischof von Magdeburg, mit dem Markgrafen Otto mit dem Pfeile geführt. In diesem hat sich der Erzbischof mit den Harzgrafen unter der Anführung des Busso von Erxleben verbunden, ist in die alte Mark eingefallen und hat die Kühe fortgetrieben. Die von Stendal wurden aber deß inne, fielen aus und trafen die Feinde bei der Deetzischen Warte, und blieben in einem harten Kampfe, in dem Busso von Erxleben und Werner Kalbe, Bürgermeister zu Stendal, fielen, Sieger, bekamen auch den Raub wieder. Die Schlacht ist aber so blutig gewesen, daß die Erde davon noch lange geröthet blieb, und die alten Bauern noch lange von dem Herrn von Falckenstein, der auch wohl dabei gewesen sein mag, und von Busso von Erxleben sangen. Die Warte aber sowohl als den Landgraben sollen die von Stendal von dem Sieger wegen der ihm erwiesenen Treue zum Geschenk erhalten haben, weshalb der Magistrat zu Stendal noch die Gerichte dort hat.\n\nEndlich wird noch erzählt, es sei hier eine große Schlacht mit den Schweden vorgefallen, und man zeigt auch noch unweit des Weges, der von der Warte nach Klinke führt, einen gewaltigen Stein, welcher dat Pumpelgraft heißt, um den mehrere andere auf dem beackerten Felde herumliegen, andere sind auch schon fortgeführt. Die Schweden sollen auch jene Schanzen aufgeführt haben, und einer ihrer Führer, dessen Name Pumpel gewesen, in jener Schlacht gefallen sein, und unter dem Steine begraben liegen.",
    "kurztext": "Die Glocken des Doms zu Tangermünde wurden von Feinden geraubt und in die Elbe geworfen. In stillen Nächten soll man sie noch im Fluss läuten hören – und die Sage verspricht, sie werden von selbst aus dem Wasser steigen, wenn die Zeit gekommen ist.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 13,
    "nr": "13",
    "titel": "Das alte Dorf Gäskau und der Thu-umstein",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Etwa eine Meile von Gardelegen soll hier vor langen Jahren, da, wo jetzt das Försterhaus Gäskau liegt, ein Dorf gleiches Namens gelegen haben, das soll verwünscht worden und von der Erde verschwunden sein. Man zeigt dort noch zur Rechten und Linken des Weges die Stellen, wo einst die Kirche und der Kirchhof gelegen.\n\nUnweit von hier, nach Trüstedt zu, liegt auch ein großer Stein, welcher der Thu-umstein heißt, von dem erzählt man, daß, wenn er den Hahn krähen höre, so drehe er sich dreimal um.",
    "kurztext": "Etwa eine Meile von Gardelegen soll hier vor langen Jahren, da, wo jetzt das Försterhaus Gäskau liegt, ein Dorf gleiches Namens gelegen haben, das soll verwünscht worden und von der Erde verschwunden sein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 14,
    "nr": "14",
    "titel": "Der Ursprung von Gardelegen",
    "ort": "Gardelegen",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.5269,
    "lng": 11.3927,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Als aber die neue Stadt gebaut war, hat man diese Stelle Olden Gardelef genannt, und ein großes steinernes Kreuz mit einer Inschrift an derselben aufgerichtet, wohin man ehedem alljährlich am Sonntag Exaudi eine feierliche Procession unternahm.\n\nDer Ort, wo jetzt die Stadt liegt, ist aber vor Zeiten ein großer Sumpf und dichtes Gebüsch gewesen, durch welches die Milde und Lausebeck geflossen und haben darin Buschklepper und Räuber ihre Schlupfwinkel gehabt, die dem Lande großen Schaden zufügten. Wie nun die alten Gardeleber kühne Männer waren und sich besonders den Räubern furchtbar machten, weshalb es auch noch in einem alten Liede heißt:\n\nGardelef du leyst dort an der Heyde\n\nDu achtest deine Feinde gar klein u.s.w.\n\nso geschah es einst, daß sie einen dieser Räuber gefangen bekamen, und von ihm die Nachricht erhielten, wo jene ihr Raubnest hätten, zugleich erfuhren, daß es ein bequemer und gar guter Ort wäre, eine Stadt dahin zu bauen. Da hat man sich denn aufgemacht, den Ort untersucht und alles angezeigter Maaßen befunden, und den Entschluß gefaßt, dort eine neue Stadt anzulegen. An der Stelle des jetzigen Marktes hat man dann den Anfang gemacht und von da herunter nach dem alten Gardelef zuerst die Stendalische Straße gebaut. Darauf hat man vom Markte an die Straße, die nach S. Nicolas Kirche führt, dann die lange Magdeburgische Straße und die Burgstraße, auch die Rittergasse gebaut, welche so tief gelegen, daß man, um nicht im Kothe stecken zu bleiben, große Steine dahin geworfen, auf denen man vom einen zum andern hat springen müssen. Die Sandstraße ist zuletzt gebaut worden und hat ihren Namen daher bekommen, daß man den auch hier gar sumpfigen Grund mit Sand erhöhte. Natürlich ist dies erst im Laufe mehrerer Jahre geschehen und die Stadt erst allmählig zu einer solchen geworden.\n\nAndere erzählen noch, vor dem Soltischen Thore an der oben angegebenen Stelle habe sich jener Räuber aufgehalten und dort seine Höhle gehabt. Da thaten sich die Dörfer Sassendorf und Neseritz mit Gardelegen zusammen und entdeckten endlich seinen Aufenthalt mittelst der dahingehenden Pferdespuren; dort belagerten sie ihn so eng, daß er sich endlich entschloß, sich ihnen zu ergeben, wobei er jedoch die Bedingung machte, daß man ihn nicht auf eine schmähliche Weise zu Tode bringen möchte, wohingegen er fortan einen besseren Lebenswandel zu führen versprach. Das ist ihm denn auch bewilligt worden, doch hat er zu Ehren des H. Georg eine Kapelle vor dem Salzwedeler Thore bauen müssen, die noch steht. An diesem Orte ist daher noch in späterer Zeit das Volk alljährlich einmal zusammen gekommen, und man hat zum Andenken der Befreiung von gedachtem Räuber eine Beisteuer für die Armen gesammelt, woraus endlich das Hospital zu S. Georg entstanden.",
    "kurztext": "Als aber die neue Stadt gebaut war, hat man diese Stelle Olden Gardelef genannt, und ein großes steinernes Kreuz mit einer Inschrift an derselben aufgerichtet, wohin man ehedem alljährlich am Sonntag Exaudi eine feierliche Procession unternahm.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 15,
    "nr": "15",
    "titel": "Der Brautstein bei Wernitz",
    "ort": "Wernitz",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieser Stein ist jetzt zwar zersprengt und weggeführt, aber die sechs Pferde, welche den Wagen zogen, so wie die ganze Schaar der Begleiter liegen noch an der alten Stelle.",
    "kurztext": "Dieser Stein ist jetzt zwar zersprengt und weggeführt, aber die sechs Pferde, welche den Wagen zogen, so wie die ganze Schaar der Begleiter liegen noch an der alten Stelle.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 16,
    "nr": "16",
    "titel": "Die Pipplockenburg",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Walther: Magdeburgische Merkwürdigkeiten Th. VII. S. 25 u. 127.\n\nBei dem Dorfe Mannhausen am Drömmling, einem weiten Bruchlande, das sich von dem Hannöverschen Amte Brome bis gegen Calvörde erstreckt und von den Wassern der Ohra durchflossen wird, liegt eine große Schanze, welche den Namen der Pipplockenburg führt. Diesen hat sie davon erhalten, daß die Tempelherren, welche aus Flechtingen, Hilgensdorf und anderen Orten vertrieben worden waren, sich hierher geflüchtet, und, wenn sich nun ein Feind nahte, mit Pfeifen von grünen Weidenzweigen schnell einander von der Gefahr benachrichtigten, sich also gleichsam mit »Pipen lockten.« – Es fanden sich dort auch vor Alters die Rudera einer Burg, von denen die Mannhäuser erzählten, daß ihre Vorfahren sie das rothe Haus genannt hätten.",
    "kurztext": "Walther: Magdeburgische Merkwürdigkeiten Th.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 17,
    "nr": "17",
    "titel": "Hackenberg",
    "ort": "Hackenberg (Altmark)",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.75,
    "lng": 11.4,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Es war nämlich einmal ein gewisser Hackenberg, der sagte, wenn er immer jagen könnte, so wollte er Gott seinen Himmel wohl lassen. Dafür muß er nun des Nachts vom Harz herunter in den Drömling zu Pferde mit den Hunden jagen, und schon vielen ist er so begegnet.\n\nIn der Gegend des alten Klosters Diesdorf, namentlich in dem an der Hannöverschen Gränze gelegenen Dorfe Wadekath, erzählt man von diesem Jäger also:\n\nDer Hackelberg war ein reicher Edelmann, welcher die Jagd über Alles liebte, so daß er sogar einmal des Sonntags hinaus in den Wald zog, und alle Bauern seiner Gemeine zwang mit ihm zu jagen, so sehr sie sich auch dagegen wehrten, da sie lieber zur Kirche gegangen wären. Aber das ist ihm übel bekommen, denn wie er nun so draußen umhertobt, kommen plötzlich zwei Reiter ihm an die Seite gesprengt, die jagen gewaltig mit ihm fort, und jeder von beiden fordert ihn auf, mit ihm zu ziehen. Der Reiter zur Rechten aber sah wild und grimmig aus, und seinem Pferde sprühten Feuer und Flammen aus Nase und Maul, dagegen sah der zur Linken ruhiger und milder aus; da war denn der Hackelberg schnell gefaßt und wandte sich zu dem Reiter zur Rechten; darauf sprengten sie fort, und so muß er nun mit ihm bis zum jüngsten Tage jagen.",
    "kurztext": "In der Gegend des alten Klosters Diesdorf, namentlich in dem an der Hannöverschen Gränze gelegenen Dorfe Wadekath, erzählt man von diesem Jäger also:\n\nDer Hackelberg war ein reicher Edelmann, welcher die Jagd über Alles liebte, so daß er sogar einmal des.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 18,
    "nr": "18",
    "titel": "Der Teufel und der Schulze zu Dannefeld",
    "ort": "Dannefeld",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.5048,
    "lng": 11.0886,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "In den mannichfachen Kriegen, welche die Altmark verwüstet, haben sie sich nun ganz besonders wacker gehalten, und haben namentlich einmal die Bewohner von Dannefeld den Schweden, als sie im J. 1674 in die Mark gefallen, einen großen Schaden zugefügt, ihnen auch einige Fahnen abgenommen, welche noch daselbst in der Kirche hangen. Daher sind denn auch die Dannefelder als gar gewaltige Leute bekannt und fürchten den Teufel selber nicht.\n\nDieser kam nämlich einmal dem Schulzen zu Dannefeld ins Haus, um dort sein Wesen zu treiben; der Schulze war aber nicht faul, prügelte ihn tüchtig durch und warf ihn zur Thüre hinaus. Da hat der Teufel geflucht und einen argen Lärm erhoben, ihm auch gedroht, er solle nur zur Stube heraus kommen, da wolle er ihm schon etwas weisen, aber der Schulze hat seiner nicht weiter geachtet, und da ist er denn wüthend von dannen gegangen und wird sich wohl in Dannefeld nicht wieder haben sehen lassen.",
    "kurztext": "Dieser kam nämlich einmal dem Schulzen zu Dannefeld ins Haus, um dort sein Wesen zu treiben; der Schulze war aber nicht faul, prügelte ihn tüchtig durch und warf ihn zur Thüre hinaus.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 19,
    "nr": "19",
    "titel": "Der Nåberskrooch",
    "ort": "Neu-Ferchau",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.5,
    "lng": 11.05,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "An der nördlichsten Spitze des Drömling, der noch vor hundert Jahren ein so dichtes und unwegsames Elsbruch war, daß man ihn meistens nur im Sommer durchschreiten konnte, liegt ein Dorf, welches Neu-Ferchau heißt, von den Leuten der ganzen umliegenden Gegend aber Nåberskrooch genannt wird. Warum es diesen zweiten Namen erhalten, weiß man nicht mehr recht, allein es werden doch verschiedene Gründe dafür angegeben.\n\nEinige erzählen so: Vor Zeiten war das Dorf Neu-Ferchau noch nicht so groß wie jetzt, und erstreckte sich etwa auf die halbe Länge, da baute sich nur in ganz geringer Entfernung davon ein Krüger an, der hieß Nåber, und danach nannte man seinen Krug Nåberskrooch; allmählig erweiterte sich nun das Dorf bis zu diesem Orte, und seitdem hat es jenen Namen erhalten. Daß aber der Krüger wirklich Nåber geheißen, kann man daraus ersehen, daß ein Mann des Namens noch bis auf den heutigen Tag im Dorfe ist; zwar heißt dieser eigentlich Hannover, allein so schlechthin nennt man ihn doch meistens Nåber. – Andere sagen, der Krüger habe nicht Nåber mit Vatersnamen geheißen, sondern, weil er so dicht beim alten Dorfe gewohnt, habe man ihn gemeinhin den Nåber oder Nachbar genannt, und wenn man zu ihm gehn wollen, gesagt »wi willen nå Nåbers Krooch gån«; daher sei denn der Name entstanden.\n\nAndere erzählen wieder anders: Ein Postbote Namens Nåber nämlich nahm seinen Weg von Gardelegen nach dem Hannöverschen gewöhnlich hier entlang, als das Dorf Neu-Ferchau noch gar nicht da war; nun war dieser ein etwas geiziger Mensch und trank statt Bier lieber Wasser, daher ließ er denn alle Krüge auf seinem Wege links liegen, verweilte jedoch stets bei einer Quelle, die an der Stelle lag, wo später das Dorf gebaut wurde, und trank sich hier recht satt. Daher ist denn Neu-Ferchau spottweis später Nåberskrooch genannt worden. – Endlich erzählt man, daß die Frachtfuhrleute, die gewöhnlich bei ihrer Reise von Magdeburg nach Hamburg hier eingekehrt seien, dem Dorfe jenen Namen ebenfalls spöttischer Weise gegeben hätten, wie sie überhaupt verschiedenen Orten der Umgegend solche Bezeichnungen beigelegt; so haben sie das Dorf Lubitz, wo sie gewöhnlich die Pferde auszuspannen pflegten, Sorgen, und einen Theil der Straße zwischen N. Ferchau und Quarnebeck den schwarzen Damm genannt, und dergleichen mehr.\n\nNach diesem Nåberskrooch kommen nun, wie man sich im ganzen westlichen Theile der Altmark erzählt, die Todten, denn hier müssen sie ihren letzten Sechser verzehren, welchen man ihnen zu dem Behuf mit in den Sarg giebt, besonders aber müssen diejenigen, welche im Hans-Jochen-Winkel1 wohnen, nothwendig dahin, und werden nicht eher ins Himmelreich eingelassen, als sie da gewesen sind; darum sagt man auch oft, wenn einer schon lange verstorben ist, »de is all lange in Nåberskrooch«, oder, sobald einer geschieden ist, heißt es, »nu is hee all hen nå Nåberskrooch«, und man erzählt sich zugleich, daß sich die Todten hier einander besuchen.\n\n1 Diesen Spottnamen führt der Theil der Altmark, welcher der Linie von Salzwedel bis zum Drömling westlich liegt, weil die meisten der hier wohnenden Bauern die Vornamen Hans Joachim führen.",
    "kurztext": "Das Dorf Neu-Ferchau in der Altmark trägt den geheimnisvollen Beinamen Nåberskrooch – der Totenkrug. Die Sage besagt, dass alle Verstorbenen der Gegend hier einzukehren haben, bevor ihre Seele ins Jenseits eingelassen wird.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 20,
    "nr": "20",
    "titel": "Die verwandelten Steine bei Ehra",
    "ort": "Ehra",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das hatte er aber kaum gesprochen, da waren auch Ochsen und Wagen schon mächtige Steinblöcke, und die liegen noch bis auf den heutigen Tag da.",
    "kurztext": "Das hatte er aber kaum gesprochen, da waren auch Ochsen und Wagen schon mächtige Steinblöcke, und die liegen noch bis auf den heutigen Tag da.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 21,
    "nr": "21",
    "titel": "Sanct Vielhaar und Ziza",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In dieser Kirche stand sonst, wie die Bauern vor dreihundert Jahren erzählten, ein altes Bild, das man die Göttin Gaza oder auch Sanct Vielhaar nannte, das haben die Bauern angerufen und ihm Gelübde gethan für das Vieh, das Haare hatte, wenn es krank oder unfruchtbar war. Solche Abgötterei, sagt Entzelt, ist darnach vor wenig Jahren gewesen und der hölzerne Gott oder Göttin gesehen worden.\n\nIn früheren Zeiten hat man auch in der Altmark die Göttin Ziza verehrt, und haben von ihr noch einige Pflanzen wie das Zizenhaar, Zizen- oder Zystkräuter ihre Namen.",
    "kurztext": "In dieser Kirche stand sonst, wie die Bauern vor dreihundert Jahren erzählten, ein altes Bild, das man die Göttin Gaza oder auch Sanct Vielhaar nannte, das haben die Bauern angerufen und ihm Gelübde gethan für das Vieh, das Haare hatte, wenn es krank oder unfruchtbar war.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 22,
    "nr": "22",
    "titel": "Die Riesensteine",
    "ort": "Jerichow",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.4958,
    "lng": 12.0239,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Von diesen Steinen erzählt man an mehreren Orten, daß es vor Zeiten gewaltige Riesen gegeben, die einander damit warfen. Solche Steine liegen in der Gegend von Oebisfelde und Wassensdorf, die haben die Riesen über den Drömling herüber geworfen; andere liegen bei Köbbelitz, die warfen die Riesen vom Papenberg zwischen Immekath und Klötze nach Wentze, sie zielten aber nicht recht, da fielen sie an dieser Stelle nieder. Auch in der Gegend von Steinfeld und Schinne, zwischen Stendal und Bismark liegen viele derselben, mit denen sich die Riesen beider Orte, als ein Krieg zwischen ihnen ausbrach, zu Tode warfen.",
    "kurztext": "Ein Halbbauer zu Milow, etwa eine Meile von Rathenow, an der Havel, hatte einen Kobold, das war ein dreibeiniger Hase, der so vertraut mit allen Hausgenossen war, daß er mit ihnen an einem Tische saß und dort die Speisen, die er sich ausgemacht hatte, erhielt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 23,
    "nr": "23",
    "titel": "Der Helljäger",
    "ort": "Klötze",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6333,
    "lng": 11.1667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Wenn er so angejagt kommt, hört man das laute »hot hó« seiner Gefährten, und darunter klingt das »kiff, kiff«, der Hunde. Ein Paar Pferdejungen lagen einmal in der Nacht in der Koppel, da hörten sie ihn auch daher brausen und riefen lustig mit »hot hó, hot hó«, und kaum war das geschehen, warf er ihnen eine Pferdekeule als ihren Antheil an der Jagd herunter.",
    "kurztext": "Unweit des Fleckens Klötze liegt ein tiefer Grund, der heißt der Hellgrund, da läßt sich der Helljäger oftmals hören, oder wie der Ausdruck in dortiger Gegend ist, då tüüt hee.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 24,
    "nr": "24",
    "titel": "Der Mittelpunkt der Welt",
    "ort": "Poppau",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6833,
    "lng": 11.1333,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Vor einigen Jahren wollte man nahe am Teiche ein Haus bauen und dämmte ihn daher an der einen Seite zu, da hat denn einer der Bauern ein Stück der Kette gefunden, das war von Eisen und hatte Ringe, etwa so groß wie die einer Halfterkette. – In der Nähe des Dorfes liegt auch ein Stein, wenn der den Hahn krähen hört, dreht er sich dreimal um.",
    "kurztext": "In Poppau in der Altmark zeigt man einen Stein, der angeblich der Mittelpunkt der Welt ist. Die Leute sagten, von hier aus sei die Erde gleichmäßig weit nach allen Seiten, und wer auf dem Stein stehe, stehe im Nabel der Welt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 25,
    "nr": "25",
    "titel": "Der Fußstapfen im Stein",
    "ort": "Stein",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In der Nähe von Grieben stritten einmal zwei Bauern um ein Stück Ackers und jeder behauptete, es gehöre ihm; als sie nun beide gar heftig wurden, ist zuletzt der eine derselben auf einen großen Stein, der dort lag, gesprungen und hat gerufen: »So soll dieser Stein gleich zu Butter werden, wenn der Acker nicht mir gehört«, und siehe da! augenblicklich ward der Stein so weich, daß er ganz tief mit dem Fuße einsank, und sein Meineid klar an den Tag kam. Zum Andenken hat man den Stein auf dem Acker liegen lassen, und man kann die Fußstapfen noch ganz deutlich darin sehen.",
    "kurztext": "In der Nähe von Grieben stritten einmal zwei Bauern um ein Stück Ackers und jeder behauptete, es gehöre ihm; als sie nun beide gar heftig wurden, ist zuletzt der eine derselben auf einen großen Stein, der dort lag, gesprungen und hat gerufen: »So soll dieser Stein gleich zu Butter werden, wenn der Acker nicht mir gehört«, und siehe da!",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 26,
    "nr": "26",
    "titel": "Die Flecken im Monde",
    "ort": "Monde",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Es war nämlich einmal ein Besenbinder, der ging sogar am lieben Sonntag hin und band seine Besen, dafür ist er nun zur Strafe in den Mond gesetzt worden. Andere sagen, es sei kein Mann, den man dort erblicke, sondern eine Frau, die habe einst am Sonntag gesponnen und sitze nun deshalb mit der Spindel dort oben.",
    "kurztext": "Es war nämlich einmal ein Besenbinder, der ging sogar am lieben Sonntag hin und band seine Besen, dafür ist er nun zur Strafe in den Mond gesetzt worden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 27,
    "nr": "27",
    "titel": "Der todte Pflüger zu Püggen",
    "ort": "Püggen",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.7333,
    "lng": 11.0667,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Das ist nun ein Bauer, der ehemals hier wohnte, und bei seinen Lebzeiten seinen Nachbarn den Acker abpflügte; aber das ungerechte Gut läßt ihm keine Ruh, er muß in jeder Nacht heraus, und das abgepflügte Land allmählig wieder anpflügen.",
    "kurztext": "Auf dem Feld bei Püggen erscheint in manchen Nächten ein toter Bauer und pflügt unermüdlich seinen Acker. Er kann nicht ruhen, weil er zu Lebzeiten seinem Nachbarn heimlich die Grenzsteine versetzt und ihn um sein Land betrogen hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 28,
    "nr": "28",
    "titel": "Die beiden Löcher auf dem Steine",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Zuletzt ist es in Rohrberg, einem in der Nähe gelegenen Dorfe, dadurch zu Tode gekommen, daß es von einem Hausdach stürzte, wo es geschlafen hatte.",
    "kurztext": "Zuletzt ist es in Rohrberg, einem in der Nähe gelegenen Dorfe, dadurch zu Tode gekommen, daß es von einem Hausdach stürzte, wo es geschlafen hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 29,
    "nr": "29",
    "titel": "Das Grab des Riesenkönigs und die Rööverkuule",
    "ort": "Neustadt (Dosse)",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.8453,
    "lng": 12.4444,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In einem derselben liegt der Riesenkönig begraben, und mancher hat deshalb schon dort gesucht, bis jetzt hat ihn aber keiner gefunden.\n\nNur einige Schritte von einem dieser Gräber liegt eine große trichterförmige Vertiefung, welche mit einem Wall und Graben umgeben ist und die kleene Rööverkuule heißt. Hier haben vor langen Jahren Räuber gewohnt, und, um vor Verfolgungen sicher zu sein, dieses Loch mit einem großen Deckel aus Holz und Flechtwerk zugedeckt. Wenn ihnen nun gemeldet wurde, daß jemand vorüber zog, brachen sie plötzlich hervor, plünten die Reisenden aus und zogen sich dann schnell in ihren Schlupfwinkel zurück. – Etwas weiter davon, nicht fern vom hannöverschen Orte Wittingen, liegt eine gleiche Vertiefung, welche die große Rööverkuule heißt, und zu ähnlichen Zwecken gedient hat.",
    "kurztext": "Bei Neustadt an der Dosse liegt ein grosser Hügel, den die Umgebung das Grab des Riesenkönigs nennt. Man sagt, hier liege ein mächtiger Riesenkönig begraben, der einst über das ganze Land herrschte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "30",
    "titel": "Die Nachzehrer",
    "ort": "Diesdorf",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6167,
    "lng": 11.0667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Oft geschieht es nämlich, daß, wenn sich erst ein Todesfall in einer Familie ereignet hat, bald mehrere Glieder derselben nachsterben. Das kommt denn daher, daß man jenem ersten Todten nicht den Zehrpfennig in den Mund gegeben oder seinen Namen nicht aus dem Hemd geschnitten oder dem ähnliche andere Versehen gemacht hat. So geschah es auch einmal, daß viele Leute aus einer Familie schnell hintereinander starben; da entschloß man sich denn den, welcher zuerst gestorben und offenbar der Nachzehrer war, auszugraben. Man fand nun, daß er bereits all seine Kleider aufgezehrt hatte, und weil es kein anderes Mittel gegen das Nachzehren giebt, als dem Todten das Genick abzustechen, trat der Muthigste hinzu, nahm einen Spaten und that es. Da hat man deutlich gehört, daß der Nachzehrer noch ordentlich wie ein kleines Ferkel gequiekt hat.",
    "kurztext": "In der Gegend von Diesdorf glauben noch viele Leute an Nachzehrer. Oft geschieht es nämlich, daß, wenn sich erst ein Todesfall in einer Familie ereignet hat, bald mehrere Glieder derselben nachsterben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "31",
    "titel": "Kohlen werden zu Gold",
    "ort": "Gold",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schatzsage",
    "volltext": "So kam einmal einer die Straße gezogen, und da es in der Nacht war, sah er auch das Feuer glimmen, nun hatte er aber seine Pfeife vorgenommen und wollte rauchen, und in dem Wahne, es seien gewöhnliche Kohlen, nimmt er eine derselben, um die Pfeife damit anzustecken, allein es brennt nicht und die Kohle verlischt. Da wirft er sie fort und nimmt eine zweite, doch geht's ihm mit der eben so, desgleichen mit einer dritten und mehreren. Endlich riß ihm die Geduld und er begann zu fluchen, da ward ihm der Stock aus der Hand geschlagen, obgleich niemand zu sehen war, und soviel er auch suchte, er konnte ihn nicht wieder finden. Weil er ihn nun ungern verlor, ging er des andern Morgens an dieselbe Stelle und fand ihn auch glücklich wieder; wie er sich nun bückte, ihn aufzuheben, sieht er etwas im Grase blinken, und als er es aufhebt, ist's ein Goldstück, daneben lagen links und rechts noch einige; das waren die Kohlen, die er in der Nacht fortgeworfen hatte.",
    "kurztext": "So kam einmal einer die Straße gezogen, und da es in der Nacht war, sah er auch das Feuer glimmen, nun hatte er aber seine Pfeife vorgenommen und wollte rauchen, und in dem Wahne, es seien gewöhnliche Kohlen, nimmt er eine derselben, um die Pfeife damit anzustecken, allein es brennt nicht und die Kohle verlischt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "32",
    "titel": "Die goldene Wiege",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Teufel war auch willig und sagte, daß er ihm durch ein Zeichen den Ort angeben wolle, damit er ihn in der Nacht finden könne. So wartete denn der Bauer bis um Mitternacht und ging nun seines Schatzes schon ganz gewiß nach der bestimmten Stelle, allein wie er dahin kam, hatte der Teufel in einem weiten Umkreis Sträuße gesteckt, so daß der Bauer sich vergeblich mit Graben abmühte und nichts fand.\n\nMehrere Leute aus Wadekath vereinigten sich auch einmal die goldene Wiege zu heben, gingen daher zur Nacht hinaus und machten sich frisch an die Arbeit. Da ging denn auch zuerst alles ganz gut von Statten; wie sie aber eine Weile gegraben hatten, wards anders, denn der eine hebt so von ungefähr die Augen auf, da sieht er einen schwer beladenen Heuwagen dicht an sich vorüberfahren, den zieht ein kleiner Hahn mit der größesten Leichtigkeit, so daß es ihm ganz grausig wurde; kaum ist der Spuk verschwunden, so geht ein Feuer auf und erhellt rings umher den ganzen Himmel, allein sie ließen sich durch das Alles noch nicht stören, sondern gruben frisch weiter. Da kamen plötzlich schwarze Männer dahergegangen, die schleppten schwere Balken heran und richteten einen großen Galgen auf. Wie der nun fertig war, stiegen sie herab und wollten den ersten der Gräber greifen um ihn daran aufzuknüpfen, da rief er unwillkührlich, nicht ihn sollten sie aufhängen, sondern seinen Nebenmann, und augenblicklich war alles wie der Wind zerstoben; aber die Wiege haben sie auch nicht gefunden.",
    "kurztext": "Der Teufel war auch willig und sagte, daß er ihm durch ein Zeichen den Ort angeben wolle, damit er ihn in der Nacht finden könne.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "33",
    "titel": "Der Lütkemüller",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das ist nun schon lange, lange her, da wohnte dort der erste des Namens, dem ging es gar traurig, und wie er so einmal in seinen trüben Gedanken dahinging, begegnet ihm der Teufel, fragt ihn, warum er den Kopf so hänge. Da erzählt ihm der Lütkemüller sein Elend, und der Teufel sagt, er wolle ihn zum reichen Mann machen, denn er solle eine ganze Wiege voll Geld haben, wenn er ihm das geben würde, das ihm zuerst entgegenkäme, sobald er in sein Haus zurückkehre. Darüber war der Lütkemüller nicht wenig erfreut, denn sein kleines Hündlein sprang ihm immer, wenn er ins Haus trat, zuerst entgegen, und so wurden sie denn des Handels einig. Eilig ging er nun nach Hause, aber wie erschrak er, als ihm diesmal statt des Hündleins sein kleiner Sohn voller Freude entgegenlief, den faßte der Teufel auch alsobald und ging mit ihm von dannen, aber der Lütkemüller bekam auch die große Wiege voll Geld, die ihm versprochen war. Doch er konnte nun seines Reichthums nicht froh werden, da er so schrecklich erkauft war, und baute zuletzt, um sein Gewissen zu beruhigen, den Dom zu Magdeburg dafür. Daher bekommen denn auch die Lütkemüller noch bis auf den heutigen Tag, wenn sie confirmirt werden, sechszehn Thaler, und wenn einer von ihnen studirt, funfzig Thaler, und haben noch mehr dergleichen Einkünfte aus der Domkasse, weil das Geld, das jetzt der Dom besitzt, eigentlich ihnen zugekommen wäre.",
    "kurztext": "Das ist nun schon lange, lange her, da wohnte dort der erste des Namens, dem ging es gar traurig, und wie er so einmal in seinen trüben Gedanken dahinging, begegnet ihm der Teufel, fragt ihn, warum er den Kopf so hänge.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 34,
    "nr": "34",
    "titel": "Die Leenekensteine",
    "ort": "Altmark",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6,
    "lng": 11.5,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Etwa eine Viertelmeile von dem Dorfe Bonese steht hart am Wege, der von Dülseberg nach Markau führt, ein großer Granitblock, welcher der Leenekenoder Brautstein heißt. Den Namen hat er daher erhalten, daß vor langen Jahren in dem Dorfe Dülseberg ein Mädchen Namens Lene wohnte, die von ihrer Mutter gezwungen wurde, einen Bauer aus Markau zu heiraten, den sie durchaus nicht mochte. Allein all ihr Flehen und Weinen half nichts, und sie ward, wie das Sitte ist, auf den Brautstuhl gesetzt und nun fuhr der Brautwagen unter dem Geleite ihrer Verwandten ab. Wie man nun aber in der Nähe von Bonese an die Markauer Grenze kam, und der Fuhrmann sie üblicher Weise fragte, ob sie auch noch Willens sei weiter zu fahren, oder ob er umkehren solle, da sprang Lene schnell vom Wagen und verwünschte sich, daß sie lieber zum Steine werden als nach Markau gehen wolle. Ihr Wunsch ward erhört und augenblicklich war sie in den Stein verwandelt; an der dem Wege abgekehrten Seite derselben sieht man noch einen breiten Streifen, der bis zur Erde herabreicht; das ist das Brautband.\n\nUnweit von Darendorf steht auf einer kleinen Anhöhe an der hannöverschen Grenze ein anderer Granitblock, der ebenfalls den Namen Leeneken- oder Brautstein führt und denselben einer gleichen Ursache verdanken soll.",
    "kurztext": "Unweit von Darendorf steht auf einer kleinen Anhöhe an der hannöverschen Grenze ein anderer Granitblock, der ebenfalls den Namen Leeneken- oder Brautstein führt und denselben einer gleichen Ursache verdanken soll.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 35,
    "nr": "35",
    "titel": "Jean Kåle, der letzte Wendenkönig",
    "ort": "Altmark",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.55,
    "lng": 11.8,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Früher lag es auf einem freien Platze, aber jetzt ist es mit jungen Fichten bewachsen. Diese Stelle nennt man in der ganzen Gegend Żamkål oder den groten Hansen siin graft. Es lebte nämlich vor uralter Zeit hier ein Riese, oder wie andere sagen, der letzte Wendenkönig, der hieß Jean Kåle, der führte mit den Bewohnern der Umgegend einen gewaltigen Krieg, in dem er endlich getödtet und an der obigen Stelle begraben wurde.\n\nAndere erzählen auch: Jean Kåle lag einst mit der Stadt Salzwedel in Streit, und war eben im Begriff, von seinem Wohnsitz bei Seeben aus einen gewaltigen Granitblock dahin zu schleudern, als ein Strick seiner Schleuder riß und der Stein deshalb in das Cheinesche Moor fiel. Da hat er bis zu diesem Jahre gelegen, wo er zersprengt und zum Bau der neuen Chaussee benutzt wurde.",
    "kurztext": "Andere erzählen auch: Jean Kåle lag einst mit der Stadt Salzwedel in Streit, und war eben im Begriff, von seinem Wohnsitz bei Seeben aus einen gewaltigen Granitblock dahin zu schleudern, als ein Strick seiner Schleuder riß und der Stein deshalb in das.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 36,
    "nr": "36",
    "titel": "Die Quelle bei Darsekow",
    "ort": "Darsekow",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.7,
    "lng": 11.25,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Markgraf und die Schulzenfrau zu Briez. Mündlich.\n\nZu einer Zeit lebte im Dorfe Briez bei Salzwedel ein Schulze, der hatte ein gar schönes Weib, die dem Markgrafen zu Salzwedel wohlgefiel, und so traf es sich denn einmal, daß, als der Schulze nach Hause kam, er den Markgrafen dort antraf. Das war diesem aber gar nicht gelegen, und er versprach dem Schulzen, wenn er noch eine Viertelstunde fortginge, so solle er soviel von der Salzwedeler Stadtheide haben, als er in dieser Zeit umlaufen könne. Das war der Schulze auch wohl zufrieden, lief eilends davon und brachte sich so ein tüchtiges Stück vom Walde zu. Aber als nun die Zeit um war und er zurückkehrte, war's dem Markgrafen noch zu früh, darum überredete er den Schulzen, noch einmal fortzugehen, indem er ihm versprach, ihm auch das Stück der Forst noch zu schenken, was er in der zweiten Viertelstunde umlaufen würde. So ist denn ein großer Theil der Salzwedeler Stadtforst an den Briezer Schulzenhof gekommen und gehört bis auf den heutigen Tag dazu.",
    "kurztext": "Der Markgraf und die Schulzenfrau zu Briez.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 37,
    "nr": "37",
    "titel": "Der Markgraf und die Schulzenfrau zu Briez",
    "ort": "Briez",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Markgraf und die Schulzenfrau zu Briez. Mündlich.\n\nZu einer Zeit lebte im Dorfe Briez bei Salzwedel ein Schulze, der hatte ein gar schönes Weib, die dem Markgrafen zu Salzwedel wohlgefiel, und so traf es sich denn einmal, daß, als der Schulze nach Hause kam, er den Markgrafen dort antraf. Das war diesem aber gar nicht gelegen, und er versprach dem Schulzen, wenn er noch eine Viertelstunde fortginge, so solle er soviel von der Salzwedeler Stadtheide haben, als er in dieser Zeit umlaufen könne. Das war der Schulze auch wohl zufrieden, lief eilends davon und brachte sich so ein tüchtiges Stück vom Walde zu. Aber als nun die Zeit um war und er zurückkehrte, war's dem Markgrafen noch zu früh, darum überredete er den Schulzen, noch einmal fortzugehen, indem er ihm versprach, ihm auch das Stück der Forst noch zu schenken, was er in der zweiten Viertelstunde umlaufen würde. So ist denn ein großer Theil der Salzwedeler Stadtforst an den Briezer Schulzenhof gekommen und gehört bis auf den heutigen Tag dazu.",
    "kurztext": "Der Markgraf und die Schulzenfrau zu Briez.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 38,
    "nr": "38",
    "titel": "Die Freistatt in der Kirche des Perwer's",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Der Tod des Meineidigen. Pohlmann Geschichte von Salzwedel S. 204. 205.\n\nIn der Sanct Katharinen-Kirche auf der Neustadt Salzwedel befindet sich ein halb verloschenes Bild, welches den Tod eines Meineidigen darstellt. Der hatte nämlich von einem andern Manne hundert Dukaten geborgt, und läugnete, als er sie wiedergeben sollte, standhaft, daß er sie bekommen habe. Darauf ging der Gläubiger aufs Rathhaus, um sich da Recht zu holen; der Schuldner wurde vorgefordert, und sollte mit einem Eide bekräftigen, daß er das Geld nicht erhalten habe. Er kam auch sogleich, und wie er nun den Eid leisten sollte, bat er den Gläubiger, ihm während des Schwurs seinen Stock zu halten, denn in dem hatte er das Geld listiger Weise eingespündet. Da schwur er nun mit großer Frechheit, daß er das Geld nie empfangen, und der arme Gläubiger ging traurig von dannen. Wie nun aber der böse Schuldner auf die Straße kam, traf sich's zufällig, daß gerade ein Müllerwagen mit scheugewordenen Pferden daher geeilt kam und ihn umwarf, so daß die Räder ihm über den Leib gingen und er getödtet wurde. Dabei ging auch eins derselben über seinen Stock, der wurde zerbrochen, so daß die Dukaten herausrollten und auf diese Weise kam der schändliche Meineid an den Tag. Da hat man denn zum ewigen Andenken das Gemälde dieses Vorgangs in der Kirche aufgehängt.",
    "kurztext": "Der Tod des Meineidigen. Pohlmann Geschichte von Salzwedel S. In der Sanct Katharinen-Kirche auf der Neustadt Salzwedel befindet sich ein halb verloschenes Bild, welches den Tod eines Meineidigen darstellt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "39",
    "titel": "Der Tod des Meineidigen",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Tod des Meineidigen. Pohlmann Geschichte von Salzwedel S. 204. 205.\n\nIn der Sanct Katharinen-Kirche auf der Neustadt Salzwedel befindet sich ein halb verloschenes Bild, welches den Tod eines Meineidigen darstellt. Der hatte nämlich von einem andern Manne hundert Dukaten geborgt, und läugnete, als er sie wiedergeben sollte, standhaft, daß er sie bekommen habe. Darauf ging der Gläubiger aufs Rathhaus, um sich da Recht zu holen; der Schuldner wurde vorgefordert, und sollte mit einem Eide bekräftigen, daß er das Geld nicht erhalten habe. Er kam auch sogleich, und wie er nun den Eid leisten sollte, bat er den Gläubiger, ihm während des Schwurs seinen Stock zu halten, denn in dem hatte er das Geld listiger Weise eingespündet. Da schwur er nun mit großer Frechheit, daß er das Geld nie empfangen, und der arme Gläubiger ging traurig von dannen. Wie nun aber der böse Schuldner auf die Straße kam, traf sich's zufällig, daß gerade ein Müllerwagen mit scheugewordenen Pferden daher geeilt kam und ihn umwarf, so daß die Räder ihm über den Leib gingen und er getödtet wurde. Dabei ging auch eins derselben über seinen Stock, der wurde zerbrochen, so daß die Dukaten herausrollten und auf diese Weise kam der schändliche Meineid an den Tag. Da hat man denn zum ewigen Andenken das Gemälde dieses Vorgangs in der Kirche aufgehängt.",
    "kurztext": "Der Tod des Meineidigen. Pohlmann Geschichte von Salzwedel S. In der Sanct Katharinen-Kirche auf der Neustadt Salzwedel befindet sich ein halb verloschenes Bild, welches den Tod eines Meineidigen darstellt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "40",
    "titel": "Die Pferdetrappe und der Säbelhieb im Stein",
    "ort": "Stein",
    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nicht gar weit von Salzwedel, irre ich nicht, so ist's bei Boddenstädt, da liegt ein Stein, in dem sieht man deutlich die Spur eines Pferdehufs und einen tiefen Einschnitt, als wenn einer mit dem Degen hineingehauen hätte. Da sollte nämlich einmal in der Gegend von Salzwedel eine große Schlacht Statt finden und die Heere standen schon einander gegenüber, als dem General der einen Partei plötzlich der Muth sank und er sich zurückziehen wollte. Alle übrigen Offiziere drangen in ihn, er solle die Schlacht liefern, denn sie würden sicher siegen; aber er war nicht zu bewegen und rief: »So gewiß mein Pferd nicht in diesen Sein treten und mein Säbel ihn nicht spalten wird, so gewiß werden wir nicht siegen!« und wie er das sagte, hieb er wild auf den Stein los und siehe da, der Säbel so wie der Huf des Pferdes drangen tief hinein. Da ging er mit frohem Muth zur Schlacht die nun auch gewonnen wurde.",
    "kurztext": "Nicht gar weit von Salzwedel, irre ich nicht, so ist's bei Boddenstädt, da liegt ein Stein, in dem sieht man deutlich die Spur eines Pferdehufs und einen tiefen Einschnitt, als wenn einer mit dem Degen hineingehauen hätte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 41,
    "nr": "41",
    "titel": "Arendsee",
    "ort": "Arendsee",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.8933,
    "lng": 11.4803,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Eine Frau aber, so das zuerst bemerkte, sagte zu ihrem Ehemann, der Arend hieß, »Arend seh (oder siehe)«, und als nun nachher die Stadt erbaut wurde, hat man dieser den Namen danach gegeben.\n\nDer See ist aber gewaltig tief, und deshalb ist an seinem Wasser weder Vermehrung noch Verminderung zu spüren; es ist auch die größte Vermessenheit von der Welt, seine Tiefe messen zu wollen, und mancher, der es versuchen wollte, hat schon eine warnende Stimme, die aus dem Grunde herauftönte, gehört, mancher aber auch, der nicht hören wollte, hat es mit dem Tode büßen müssen. Aus vielen Zeichen ist klar, daß er sich weit hin unter der Erde forterstrecken müsse, denn wenn man nach Salzwedel fährt, hört es sich oft an, als wenn es über ein Gewölbe ginge, und der Bernstein, den die Fischer oft daraus hervorbringen, beweist, daß er mit der Ostsee in Verbindung stehe.\n\nDer See spült auch immer noch ganze Stücke Land vom Ufer ab, so daß man die Stadt und namentlich das alte Fräuleinstift, das hart am See liegt, durch Flechtwerk und Dämme zu schützen sucht. Und das ist eine gute Vorsorge, denn es sind etwa anderthalb hundert Jahre, da erhob sich am Katharinentage ein gewaltiger Sturm und Erdbeben, und riß ein großes Stück Land, auf dem 23 Kohlgärten lagen, und danach einen Hügel nach dem andern fort, bis es endlich an eine Windmühle kam; die fing an gewaltig zu wanken und zu prasseln, so daß sich der Müller und eine Magd, welche darin waren, kaum noch retten konnten. Der Müller hat aber erzählt, daß er drei Nächte zuvor, zweimal nacheinander eine Stimme gehört, die gerufen: »Müller heraus, nur bald fort«, und er gleichwohl, als er hinausgekommen, niemand gesehen. Danach hat man denn im Städtlein den Schluß gefaßt, diesen Tag alljährlich mit Fasten und Gebet zu begehen, welches auch eine Zeitlang gewähret, später aber eingegangen.",
    "kurztext": "Wo heute der Arendsee liegt, stand einst ein prächtiges Schloss. Wegen der Gottlosigkeit seiner Bewohner versank es mit gewaltigem Brausen in die Erde, und ein See entstand – eine Frau rief ihrem Mann Arend zu: »Sieh!«, und so erhielt der See seinen Namen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "42",
    "titel": "Der Name von Seehausen",
    "ort": "Seehausen",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.8892,
    "lng": 11.7521,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Palaeo-March. Coll. S. 73.\n\nDie Stadt Seehausen hat daher ihren Namen erhalten, daß vor Alters an dem Orte, wo jetzt die Stadt steht, viele kleine Seen oder Lachen befindlich waren, woher auch eins der ältesten Geschlechter der Stadt, die Lachmänner oder Laakmänner, ihren Namen haben. Deshalb führt auch noch die Stadt zwei Seeblätter nebst dem Adler im Wappen, und findet man die deutlichen Spuren, daß die Stadt ehedem viel tiefer gelegen, denn oft hat man bei der Grundlegung neuer Gebäude, wohl zwei, drei Lagen alter Steine übereinander gefunden.",
    "kurztext": "Die Stadt Seehausen hat daher ihren Namen erhalten, daß vor Alters an dem Orte, wo jetzt die Stadt steht, viele kleine Seen oder Lachen befindlich waren, woher auch eins der ältesten Geschlechter der Stadt, die Lachmänner oder Laakmänner, ihren Namen haben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "43",
    "titel": "De Kobold to Ferchlipp",
    "ort": "Ferchlipp",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.85,
    "lng": 11.85,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Von düsse Tiij an ääwer hett sik de Kobold up Cuno'n siinen Hof nich miir höören un seeen låten.\n\nAennere seggen ook, datt jenne Buur met siin Peer dörch sonn recht groot Modderloch reeden is, un datt hee då den Fall hüürt hett; un noch weck vertellen, datt hee siik den Kobold an ene olle Wiij (Weide) afstreept hett. Wo hee dunn ääwer bliiwen is, datt weet kein; doch seggen weck, datt hee noch ofte då uppen Krüüzwech as en Hund mett füürige Ooogen rümlöpt.",
    "kurztext": "Aennere seggen ook, datt jenne Buur met siin Peer dörch sonn recht groot Modderloch reeden is, un datt hee då den Fall hüürt hett; un noch weck vertellen, datt hee siik den Kobold an ene olle Wiij (Weide) afstreept hett.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "44",
    "titel": "Das Kreuz bei Crevese",
    "ort": "Crevese",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.8126,
    "lng": 11.693,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Einst war nämlich ein junges Fräulein aus dem Geschlecht der Geltberge, die sich auch von Osterburg nannten, von ihren Brüdern gezwungen worden ins Kloster zu gehen, obgleich sie lieber hätte nach Gottes Willen in der Welt leben und sich der heiligen Ehe erfreuen mögen. Wie sie nun da ihr Leben in Trauern hingebracht, ist ihr der schreckliche Gedanke gekommen, das Kloster anzustecken und sich so zu befreien. Das hat sie auch ausgeführt. Doch einer der Brüder begegnet ihr im Dickicht des Waldes auf ihrer Flucht und ersticht sie in jähem Zorn. Da hat man nachmals an der Stelle das Kreuz aufgerichtet; die Güter der Geltberge aber wurden, nachdem sie wegen Ermordung ihrer Schwester, die, obschon eine Mordbrennerin, doch eine Nonne war, in den Bann gethan waren, eingegezogen und davon das Kloster, das ganz zerstört war, wieder aufgebaut. Die Geltberge oder von Osterburg sind so aus dem Lande gekommen und seit der Zeit verschwunden.",
    "kurztext": "Bei Crevese steht ein uraltes Steinkreuz am Wegesrand, das an ein blutiges Ereignis erinnert. Ein Ritter erschlug hier seinen eigenen Bruder in einem Streit um Erbland und musste zur Sühne das Kreuz errichten – es steht noch heute.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "45",
    "titel": "Der Teufelswinkel bei Booke",
    "ort": "Booke (Altmark)",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.57,
    "lng": 11.08,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Beckmann Beschr. d.M. Br. Th. V. B. I. Kap. III. S. 127. Entzelt Chronik der Altmark S. 10. 23.\n\nAuf der Feldmark des Dorfes Booke östlich von Osterburg, da, wo sie an das Kossebuesche und Einwinkelsche Feld stößt, ist ein Ort, welcher der Teufelswinkel heißt, welchen Namen er davon erhalten, daß hier vor Alters ein Götzentempel gestanden; eigentlich aber hat derselbe den Namen der Hammon-Klause geführt, wie auch das kleine Wasser, das da vorüber fließt, die Hammey heißt. Entzelt sagt, der Name rühre daher, daß die alten Deutschen dort einen Gott verehret, den sie Hama magnum genannt, welcher eigentlich Jupiter Hammonius oder Jupiter cum Maja gewesen, ihm hätten sie auch einen Tempel zu Hamburg gebaut.",
    "kurztext": "Der Teufelswinkel bei Booke. Beckmann Beschr. d.M. Entzelt Chronik der Altmark S. 10. 23.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "46",
    "titel": "Das Grab der Herren von der Zera",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Etwa eine Meile von Osterburg westlich findet man an einem Ort nahe bei Stapel große hohe Steine in einem Kreise und feiner Ordnung aufgerichtet, die nennen die Bauern das Stein- oder Heldenbette, und erzählen, da lägen die alten Herren von der Zera, die einst gewaltig in der alten Mark gewesen, begraben, denn vor Zeiten war es Sitte, daß sich große Herrn also in die Hügel im Felde begraben ließen.",
    "kurztext": "Etwa eine Meile von Osterburg westlich findet man an einem Ort nahe bei Stapel große hohe Steine in einem Kreise und feiner Ordnung aufgerichtet, die nennen die Bauern das Stein- oder Heldenbette, und erzählen, da lägen die alten Herren von der Zera, die einst gewaltig in der alten Mark gewesen, begraben, denn vor Zeiten war es Sitte, daß sich große Herrn also in die Hügel im Felde begraben ließen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "47",
    "titel": "Die großen Steine bei Groß-Ballerstedt",
    "ort": "Groß-Ballerstedt",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Um diese her sind sechzig bis siebzig in beschriebener Gestalt aufrecht aufgestellt. Diese Steine, sagt man, haben die Riesen vor alten Zeiten mit Schleudern (Slapslingers) von Schorstedt nach Grävenitz geworfen; andere erzählen, daß dort der Riesenkönig begraben liege, weshalb die Stelle auch noch »upt Graft« heißt.\n\nDas zweite dieser Gräber liegt auf dem halben Wege zwischen Grävenitz und Groß-Ballerstedt auf einer Anhöhe mitten im Felde; ein drittes lag noch vor wenigen Jahren dicht bei Ballerstedt, ist aber jetzt zerstört, indem man die Steine zum Bau von Häusern verwandt hat. Unter diesen Steinen sollen die in der Schlacht zwischen den Markgrafen Albert und Huder erschlagenen Wenden begraben liegen. Nachdem nämlich dem letzteren die Altmark von Kaiser Heinrich genommen und dem Markgrafen Albert verliehen war, erhob sich zwischen beiden ein blutiger Krieg, in welchem Huder dreimal geschlagen wurde, zuerst südlich von Stendal bei Darnstedt, wo noch ein Steinblock mit der Spur eines Pferdehufs gezeigt wird, von dem man Aehnliches, wie von dem Steine bei Salzwedel, erzählt, dann bei Ballerstedt, und endlich bei Osterburg an dem Wasser, die Klia genannt, wo die Schlacht so blutig war, daß die Aecker noch vor dreihundert Jahren geröthet waren, und der Name der Klia in den der rothen Furt umgewandelt wurde.\n\nDie Bauern erzählen noch von allerhand Gespenstern und seltsamem Geschrei, so man hier sowohl bei Tage als bei Nacht siehet und höret, und früher wagte auch niemand, irgend einen der Steine zu verrücken oder von der Stelle zu nehmen. Ein Müller aus der Nähe unterfing sich einmal, einen derselben fortzunehmen, spaltete ihn und fertigte einen Mühlstein daraus, aber er hat kein Getreide damit mahlen können, sondern es ist wie zerquetscht darunter liegen geblieben.",
    "kurztext": "Um diese her sind sechzig bis siebzig in beschriebener Gestalt aufrecht aufgestellt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "48",
    "titel": "Der Mahrt",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Sagenwesen",
    "volltext": "Die bat ihn gar beweglich, daß er sie nicht verrathen möge, dann wolle sie ihn auch heiraten. Das that er und sie lebten nun eine lange Zeit glücklich und zufrieden, bekamen auch viele Kinder mit einander. Aber eines Tages erzürnten sie sich, und den Mann überwältigte der Zorn, daß er ausrief: »Was wäre denn aus dir geworden, wenn ich dich nicht erlöset hätte!« Kaum hatte er das gesagt, da geschah ein fürchterlicher Knall und augenblicklich war seine Frau verschwunden und ist nie wieder gekommen.",
    "kurztext": "Die bat ihn gar beweglich, daß er sie nicht verrathen möge, dann wolle sie ihn auch heiraten. Das that er und sie lebten nun eine lange Zeit glücklich und zufrieden, bekamen auch viele Kinder mit einander.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "49",
    "titel": "Der müde Drachen",
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    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Sagenwesen",
    "volltext": "Oft sieht man lange feurige Streifen des Nachts am Himmel, das ist der Draak oder Drachen, der durch die Luft zieht.\n\nEines Morgens draschen in Grävenitz zwei Knechte in einer Scheune, und da es Winterszeit war, so war es noch ganz finster, da wurde es plötzlich hell wie am Tage, und sie bemerkten, daß der Schein vom Hofe herkomme, eilten daher hinaus, weil sie glaubten, es sei Feuer. Da hörten sie denn, daß etwas so recht schwer in den Schweinetrog fiel, und ordentlich, wie ein Thier das trinkt, mit der Zunge schnalzte; nach wenigen Augenblicken erhob sich auch eine Feuermasse, und zog, ohne irgend einen Schaden angerichtet zu haben, durch die Luft von dannen. Da wurde ihnen denn klar, daß dies ein Drachen gewesen sei; der mußte wohl zu viel Waizen geladen haben, weshalb er Durst bekommen und den im Schweinetrog gelöscht hatte.",
    "kurztext": "Oft sieht man lange feurige Streifen des Nachts am Himmel, das ist der Draak oder Drachen, der durch die Luft zieht.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 50,
    "nr": "50",
    "titel": "Die verwüsteten Städte",
    "ort": "Schorstedt",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.7167,
    "lng": 11.65,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dat Dörp Schorstett is vöör Ollers (vor Alters) ene Statt west, dårüm heett et ook Schorstett, dichte vöört Dörp is ook noch en grooten Wall, dee schiinbårlich wiis't, dattet ene Statt west is. – So is ook Grooten-Ballerstett vöör ollen Tiijen ene Statt west un hett en Roland hatt, dee nåjehends (hernach) nå Book an de Åäl (Elbe) kåmen is. Beide sinn in sware (schwere) Kriichstiijen (Kriegszeiten), ennige seggen innen Dörtichjårschen Kriich, verwööst wåren.",
    "kurztext": "In der Altmark gibt es mehrere wüste Dorfstätten, wo einst Dörfer standen, die spurlos verschwunden sind. Die Sage berichtet, dass die Bewohner wegen ihrer Gottlosigkeit vernichtet wurden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 51,
    "nr": "51",
    "titel": "Der Silberberg",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
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    "kategorie": "Schatzsage",
    "volltext": "Bii Schorstett liggt en kleinen Barg, dee mag wol so hoch wesen as en Huus, un is janz runt un heett de Silverbarg, wovan hee ääwer düssen Nåmen hett, datt weet kein. Se seggen, datt vöör ollen Tiijen, as de Lüe (Leute) noch in de Jir (Erde) wånt hebben, då ook Lüe in wånt hebben, un de kleine Höll (Höhle), de dål (unten) annen Acker to seeen is, datt sall de Poortendöör west sin.",
    "kurztext": "Bii Schorstett liggt en kleinen Barg, dee mag wol so hoch wesen as en Huus, un is janz runt un heett de Silverbarg, wovan hee ääwer düssen Nåmen hett, datt weet kein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 52,
    "nr": "52",
    "titel": "Die Streithufe",
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    "region": "Altmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In fröere (frühern) Tiijen hett to Schorstett miir (mehr) Acker hüürt (gehört) as zund, dee is ääwer as de Ollen datt immer vertellt (erzählt) hebben upp düsse Wiis afkåmen.\n\nDe Graevenitzschen hebben schon ümmer giirn miir Acker hebben müjen, un då isset denn jråd recht to passe kåmen, datt in Graevenitz en Schulte was, dee sick nich watt an Recht edder Unrecht kiirte (kehrte). Dee hett denn Jir vannen Graevenitzschen Acker in siine Schoo dån, un hett, as de Schorstettschen kåmen sinn, ören Acker to plöjen (pflügen), sick upp düssen Acker stellt un hett secht, datt datt Graevenitzsch Acker wär. Dunn as de Schorstettschen secht hebben, hee sülle datt bewiisen, hett hee secht »Ick swäre datt datt miin Acker is, wo ick hier upp stå,« un dunn hebben de Schorstettschen nist doon künnen un so is all dee Acker, den de Graeveritzschen hebben wulden, afkåmen; man ein von de Schorstettschen, dee was vöör Soldåt west un was sonnen rechten fläemschen Kiirl, dee hett siine Messfork (Mistforke) herkreejen un hett secht »weck mi an miinen Acker kümmt, den stech ick mett düsse Messfork medden dörch.« Un wiil de Graevenitzschen wust hebben, watt hee vöörn Kiirl was, hebben se emm siinen Acker tofreeden låten, un tee Hof, wo dee up wånte, hett siinen Acker noch bett upp düssen Dach. Dee Acker ääwer, dee so afswårm is, heett noch hüütendåchs de Striithoow, un upp ein Deel davan liggt dat groote Hünenbedde bii Graevenitz in de Dannen, darüm heeten dee ook de Striithoowsdannen.\n\nDatt datt ääwer wår is, datt is noch janz fchiinbårlich to seeen, denn de Gråmn (Graben), dee aennerwaerts den Schorstettschen un Graevenitzschen Acker afscheit (scheidet), geit an düsse Stell af un twäär (quer) dörchen Graevenitzschen Acker.",
    "kurztext": "In fröere (frühern) Tiijen hett to Schorstett miir (mehr) Acker hüürt (gehört) as zund, dee is ääwer as de Ollen datt immer vertellt (erzählt) hebben upp düsse Wiis afkåmen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 53,
    "nr": "53",
    "titel": "Der Teufel zu Schorstedt",
    "ort": "Schorstedt",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Wenn de olle Mann un dat Mäken bi Disch sitten gån sin, hett hee in de Schoettel (Schüssel) spuckt, wenn aennere Lüe vöörbigån sinn, hett hee se mett veeken Kaes smeeten un luuter sonn lustich Tüüch (Zeuch) måkt. Upd' lest is hee van sülwest furtbleewen.",
    "kurztext": "Wenn de olle Mann un dat Mäken bi Disch sitten gån sin, hett hee in de Schoettel (Schüssel) spuckt, wenn aennere Lüe vöörbigån sinn, hett hee se mett veeken Kaes smeeten un luuter sonn lustich Tüüch (Zeuch) måkt. Upd' lest is hee van sülwest furtbleewen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 54,
    "nr": "54",
    "titel": "Die Burg bei Schmoor",
    "ort": "Schmoor",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.6667,
    "lng": 11.55,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Hier soll noch vor zwanzig Jahren eine alte Burg gestanden haben, auf der zuletzt ein Fräulein von Calbow wohnte; der Name dieser Burg, sagt man, sei Vinschau gewesen.\n\nEtwa eine Viertelmeile östlich von der eben genannten Stelle liegt noch eine alte verfallene Kirche, die zu dem verwüsteten Dorfe Klinkau gehört haben soll.",
    "kurztext": "Etwa eine Viertelmeile östlich von der eben genannten Stelle liegt noch eine alte verfallene Kirche, die zu dem verwüsteten Dorfe Klinkau gehört haben soll.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 55,
    "nr": "55",
    "titel": "Der Schlüssel im Grabe",
    "ort": "Grabe",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In der Gegend von Magdeburg, andere sagen auch in der Mark, ist vor mehreren Jahren ein Bischof oder Graf gestorben, der ist ein gar reicher Mann gewesen; da er nun aber an seinen Schätzen sehr gehangen, so hat er sie verborgen und auch der Schlüssel zu dem Kasten ist verschwunden; man sagt, der liegt bei ihm in dem Grabgewölbe und die Erben könnten ihn nur erlangen, wenn sich einer finde, der neun Nächte hintereinander bei dem Sarge wache, dann werde der Todte erlöst sein und den verschwundenen Schlüssel herausgeben. Aber das ist ein gar schweres Ding, denn der Verstorbene erscheint oft als ein ungestaltes Gespenst, das halb thierische, halb menschliche Gestalt hat, dann wieder oben als ein großer Hund, unten als ein Pferd sich zeigt und dem ähnliche Gestalten annimmt. Deshalb haben alle, die ihn zu erlösen versuchten, wieder von ihrem Unternehmen abstehen müssen, da sie zuletzt die Furcht übermannte, und keiner hat es bis jetzt über vier Nächte ausgehalten; weshalb auch die Erben dem, welcher ihn wirklich erlösen wird, für jede Nacht, da er wacht, tausend Thaler geboten haben.",
    "kurztext": "In der Gegend von Magdeburg, andere sagen auch in der Mark, ist vor mehreren Jahren ein Bischof oder Graf gestorben, der ist ein gar reicher Mann gewesen; da er nun aber an seinen Schätzen sehr gehangen, so hat er sie verborgen und auch der Schlüssel zu dem Kasten ist verschwunden; man sagt, der liegt bei ihm in dem Grabgewölbe und die Erben könnten ihn nur erlangen, wenn sich einer finde, der neun Nächte hintereinander bei dem Sarge wache, dann werde der Todte erlöst sein und den verschwundenen Schlüssel herausgeben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 56,
    "nr": "56",
    "titel": "Riesengebeine",
    "ort": "Jerichow",
    "region": "Altmark",
    "lat": 52.4958,
    "lng": 12.0239,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ein gleiches hängt in der Kirche zu Werben und soll ebenfalls einem Riesen angehören, den man dort gefangen und erschlagen hat.\n\n57. Der Kobold zu Milow. Mündlich.\n\nEin Halbbauer zu Milow, etwa eine Meile von Rathenow, an der Havel, hatte einen Kobold, das war ein dreibeiniger Hase, der so vertraut mit allen Hausgenossen war, daß er mit ihnen an einem Tische saß und dort die Speisen, die er sich ausgemacht hatte, erhielt. Allein eines Tages begegnete ihm der Bauer schlecht, da wurde er so zornig, daß er das Haus ansteckte, worauf fast der halbe Ort abbrannte; und das ist nur vor wenigen Jahren geschehen.",
    "kurztext": "Ein Halbbauer zu Milow, etwa eine Meile von Rathenow, an der Havel, hatte einen Kobold, das war ein dreibeiniger Hase, der so vertraut mit allen Hausgenossen war, daß er mit ihnen an einem Tische saß und dort die Speisen, die er sich ausgemacht hatte, erhielt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 57,
    "nr": "57",
    "titel": "Der Kobold zu Milow",
    "ort": "Milow",
    "region": "Altmark",
    "lat": 53.1911,
    "lng": 11.5411,
    "kategorie": "Koboldsage",
    "volltext": "Ein gleiches hängt in der Kirche zu Werben und soll ebenfalls einem Riesen angehören, den man dort gefangen und erschlagen hat.\n\n57. Der Kobold zu Milow. Mündlich.\n\nEin Halbbauer zu Milow, etwa eine Meile von Rathenow, an der Havel, hatte einen Kobold, das war ein dreibeiniger Hase, der so vertraut mit allen Hausgenossen war, daß er mit ihnen an einem Tische saß und dort die Speisen, die er sich ausgemacht hatte, erhielt. Allein eines Tages begegnete ihm der Bauer schlecht, da wurde er so zornig, daß er das Haus ansteckte, worauf fast der halbe Ort abbrannte; und das ist nur vor wenigen Jahren geschehen.",
    "kurztext": "Ein gleiches hängt in der Kirche zu Werben und soll ebenfalls einem Riesen angehören, den man dort gefangen und erschlagen hat.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 58,
    "nr": "58",
    "titel": "Die Gott fluchende Frau",
    "ort": "",
    "region": "Altmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Auf einem der ersteren befindet sich ein tiefes Loch, in dem eine adlige Frau aus der Ritterszeit mit ihren elf Töchtern versunken ist, da sie Gott fluchte. Sie saß in einem Wagen, der ganz von Gold und Silber war, und auf dem überdies noch ein bis zum Rande gefülltes Faß mit Gold stand. – Jetzt zeigt sich hier allerhand Spuk, namentlich läßt sich oft eine Sau mit vielen Ferkeln sehen, und wer ihr begegnet, muß ein Stück auf ihr reiten.",
    "kurztext": "Auf einem der ersteren befindet sich ein tiefes Loch, in dem eine adlige Frau aus der Ritterszeit mit ihren elf Töchtern versunken ist, da sie Gott fluchte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 59,
    "nr": "59",
    "titel": "Das Bild am Dom zu Brandenburg",
    "ort": "Brandenburg an der Havel",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.8455,
    "lng": 13.2461,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Sagen der Mittelmark.\n\nI. Das Land südlich der Havel und Spree.\n\n59. Das Bild am Dom zu Brandenburg.\n\nv. Rochow Geschichtliche Nachrichten von Brandenburg etc.\n\nAn dem Dome zu Brandenburg, der zum Theil wahrscheinlich noch aus dem zehnten Jahrhundert stammt, sieht man über dem unter dem Thurme befindlichen Haupteingange ein aus Stein gemeißeltes altes Bild, das einen Fuchs in einer Mönchskutte darstellt, wie er zuerst einer Versammlung von Gänsen predigt, und zum Schluß eine derselben im Rachen davon trägt. Wie dies Bild dahin gekommen, erzählt man auf zwiefache Weise; die einen sagen: der Baumeister des Doms habe für seinen herrlichen Bau geringen Dank und noch weniger Lohn gehabt, ja er habe sogar fliehen müssen; da hat er denn aus Rache in der Nacht vor seiner Flucht das Bild am Dom angebracht. Andere erzählen: ein Domprobst von Burgsdorf, der viel für die Verschönerung und Ausbesserung des Doms that, habe es verfertigen lassen, aus Unmuth darüber, daß der von ihm bereits abgeschaffte Dienst der Messe in lateinischer Sprache nach dem Schluß des Westphälischen Friedens wieder eingeführt werden mußte.",
    "kurztext": "Am Dom zu Brandenburg sieht man über dem Hauptportal ein Steinrelief: ein Fuchs in Mönchskutte predigt einer Schar Gänse. Die Sage deutet es als Spottbild auf heuchlerische Geistliche – andere meinen, es sei das Denkmal eines alten Rätselspiels am Domkapitel.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 60,
    "nr": "60",
    "titel": "Bischof Dodilo",
    "ort": "Brandenburg an der Havel",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.8455,
    "lng": 13.2461,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "In dem Gewölbe über dem rechten Arm des Kreuzes, das die Domkirche zu Brandenburg bildet, befindet sich eine runde Oeffnung, durch welche der Bischof Dodilo im Jahr 980 hinabgestürzt worden sein soll. Er wurde nämlich von den Wenden, die sich empört hatten, verfolgt, flüchtete sich in den Dom und wurde hier durch das Bellen seines kleinen Hündchens, das ihm gefolgt, verrathen, worauf ihn die Wenden fingen und auf jene jammervolle Weise zu Tode brachten.",
    "kurztext": "Bischof Dodilo soll bei der Gründung des Doms zu Brandenburg eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Sage berichtet von Wundern bei der Grundsteinlegung und von einer rätselhaften Prophezeiung, die er über die Stadt aussprach.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 61,
    "nr": "61",
    "titel": "Der Rabe mit dem Ringe",
    "ort": "Brandenburg an der Havel",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.8455,
    "lng": 13.2461,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Auf der Spitze des Rathenower Thors zu Brandenburg sieht man einen Raben, in dessen Schnabel ein Ring mit daran befindlicher Kette sichtbar ist. Den hat einer der ehemaligen Bischöfe dort anbringen lassen zum ewigen Andenken daran, daß er einen seiner Diener ungerechter Weise hinrichten ließ. Dem Bischof war nämlich einst ein Ring fortgekommen, und da, so viel er auch hin und her sann, wer ihn genommen haben könnte, doch sein Verdacht sich immer wieder auf jenen Diener wendete, der allein in seinem Zimmer gewesen war, so befahl er, daß er wegen des Diebstahls mit dem Tode bestraft werde, und dieser Befehl wurde auch sogleich vollzogen. Darauf vergehen einige Jahre und es wird an dem Dache eines der Kirchthürme etwas gebessert, da findet man viele Rabennester, und wunderbarer Weise in einem derselben den Ring, um dessentwillen der arme Diener hingerichtet war.",
    "kurztext": "In Brandenburg lebte einst ein zahmer Rabe, der einen goldenen Ring trug. Er galt als Bote zwischen den Lebenden und den Toten – und wer ihm begegnete und ein reines Herz hatte, durfte sich etwas wünschen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 62,
    "nr": "62",
    "titel": "Der untergegangene Råberskrug",
    "ort": "Plaue (Brandenburg)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3972,
    "lng": 12.48,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Datt is all vöör ollen Tiiden west, då hett uppen Riietzschen Barch (Berg) en Krooch estån, dee hett de Nåberskrooch (aennere seggen ook Åberskrooch) eheeten, un is då upp de Stelle, wo de deepe Kuule (tiefe Loch) an de Riietzer See is, unneregån. Wo datt åwer ekåmen is, datt vertellen se sick so:\n\nEn Peerknecht uut Riietz, deen sin mål siine Peer furteloopen un hee hett se ründüm esöökt (gesucht), åwerst hee hett se nich fingen (finden) künnen; un as hee nu (so dörch Kruut un Gras eloopen is, un jroote Schoo (sonne as se vöör dissen hadden) mett jroote Snallen båmn (oben) upp an hadde, hett hee dee janz vull Reenefare (Rainfarren) kreeen (bekommen) un hett up eemål hüürt, datt et Kalf secht hett: »Nåberskrooch sall unnergån«. Dunn hett de Hund secht: »Wo lange wertet (wird es) wåren (währen)?« un updlezt hett de Hån roopen: »de janze Woche uut!« un dunn hebben se alle stille esweegen. De Peerknecht åwer hett den Såmn, wiil he emm innen Schoo to drüggen anfung, ruuteschütt, un hett denn glicks siine Peer efunnen, åwer et hatt ook man jråde acht Dåge duurt, då is Nåberskrooch ungeregån un de deepe Kuule, wo hee estån hett, is noch bett upp dissen Dach to seene, wemmer (wenn man) en Footstiich (Fußsteig) van Netzen nå Riietz jåt; då ligget se båmn uppen Barch dicht an de See.",
    "kurztext": "An der Stelle des heutigen Plaue bei Brandenburg soll einst ein Krug im Erdreich versunken sein, der Råberskrooch. Er galt als Ort zwischen den Welten, wo die Seelen der Toten einen letzten Halt auf ihrem Weg ins Jenseits einlegen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 63,
    "nr": "63",
    "titel": "Der von Arnstedt und der wilde Jäger",
    "ort": "Arnstedt",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun war er ein gar lustiger und übermüthiger Herr, und rief drum hinaus: »Halb Part!« schlief darauf ein und erwachte erst spät am Morgen. Aber wie war er verwundert, als er die Augen aufschlug! Dicht vor seinem Fenster hing an einem gewaltigen Haken eine große Pferdekeule. Von solcher Jagdbeute hatte er nun freilich nicht der Halbpartner sein mögen, darum ließ er sie fortbringen, aber kaum wars geschehen, hing sie auch schon wieder da; das kam ihm gar wunderbar vor, und er dachte, »vielleicht liegts am Haken«, und ließ den, ob's gleich große Mühe kostete, herausziehn, doch mit dem ging's ebenso, er war nur eben heraus und man hatte den Rücken gewandt, so saß er schon wieder so fest drinn, wie zuvor, und die Pferdekeule hing auch wieder da, und so mag sie wohl heute noch da hängen.",
    "kurztext": "Nun war er ein gar lustiger und übermüthiger Herr, und rief drum hinaus: »Halb Part!« schlief darauf ein und erwachte erst spät am Morgen. Aber wie war er verwundert, als er die Augen aufschlug! Dicht vor seinem Fenster hing an einem gewaltigen Haken eine große Pferdekeule.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 64,
    "nr": "64",
    "titel": "Der Trebelsee und die weiße Frau",
    "ort": "Ketzin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.471,
    "lng": 12.862,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "Diese Schürzen mögen auch nicht klein gewesen sein, denn einer hat, wie es kam weiß man nicht, eine solche voll Erde verloren, und das ist der Flachsberg bei Deetz.\n\nAuf diesem Flachsberg sieht man oft eine weiße Frau umherwandeln, sie kommt auch wohl, sobald jemand des Weges kommt, herab und geht wieder und wieder an ihm vorüber, als wollte sie ihn verlocken, sich an sie heranzumachen, aber es hat's noch keiner thun mögen.",
    "kurztext": "Am Trebelsee bei Ziesar erscheint in mondlosen Nächten eine weiße Frau, die klagend über das Wasser schreitet. Wer ihr folgt, versinkt im Moor – wer ihr jedoch freundlich begegnet und sie anspricht, wird mit einem verborgenen Schatz belohnt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 65,
    "nr": "65",
    "titel": "Die Stimme im Trebelsee",
    "ort": "Trebel bei Treuenbrietzen",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.998,
    "lng": 11.3203,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der aber wollte nicht darauf achten, sondern sagte, er habe ja die Stimme nicht gehört, nahm auch abermals einen Strick und suchte von neuem endlich seinen Zweck zu erreichen; aber so wie er den Stein nun wieder hinabließ, hörte auch er plötzlich dieselbe Stimme, zog deshalb eiligst den Stein heraus und nun kehrten sie um. Allein jetzt war es zu spät, der, welcher sich nicht hatte warnen lassen wollen, ward, als er nach Hause kam, gar krank und starb nur wenige Tage darauf.",
    "kurztext": "Auf dem Trebelsee bei Treuenbrietzen hört man bisweilen eine geheimnisvolle Stimme aus dem Wasser. Die Fischer meiden die Stelle, denn wer die Stimme hört, dem stirbt bald ein Familienmitglied.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 66,
    "nr": "66",
    "titel": "Der Räuberberg bei Feeben",
    "ort": "Phöben",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.422,
    "lng": 12.883,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "So haben sie denn hier große Schätze zusammengehäuft, die zum Theil noch da vergraben liegen, denn man sieht oft genug die kleinen blauen Flämmchen brennen, die in der Regel das Verborgensein eines Schatzes verrathen. Einige Leute haben diesen auch einmal heben wollen, sind aber durch allerhand Dinge zum Lachen gebracht und dadurch abgehalten worden, still weiter zu graben; so haben sie namentlich gesehen, daß ein Hahn einen gewaltigen Balken hinter sich her geschleppt hat und dergleichen mehr, da haben sie natürlich laut aufgelacht und konnten so den Schatz nicht bekommen.",
    "kurztext": "Am Räuberberg bei Feeben hausten einst berüchtigte Wegelagerer, die die Reisenden auf der Havelstraße überfielen. Der Berg gilt noch heute als verflucht – wer dort nachts rastet, hört das Klirren von Ketten aus der Tiefe.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 67,
    "nr": "67",
    "titel": "Die weiße Frau auf dem Räuberberg",
    "ort": "Phöben",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.422,
    "lng": 12.883,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "Der Fischer fuhr auch sogleich nach Hause, wo er alles fand, wie es ihm die weiße Frau gesagt hatte. Nun wollte er sie wohl gern erlösen, wußte aber doch nicht, ob er es wohl thun dürfe und ob es wohl nicht gar etwa seinem Kinde Schaden oder Tod bringen möchte; er ging daher zu den Nachbarsleuten umher, allein die konnten ihm eben so wenig rathen, wie er sich selber. Da ging er denn zuletzt zum Prediger, der sagte dann, er dürfe es wohl thun, aber das Kind müsse zuerst getauft werden; da ließ er es denn schnell taufen und fuhr nun mit dem Knaben hinüber nach dem Räuberberg. Wie er jedoch da ankam, fand er die weiße Frau weinend und wehklagend, denn das war eine der Bedingungen, die ihr gesetzt waren, daß das Kind, durch welches sie erlöst werden sollte, nicht getauft sein dürfte. Und so erscheint sie immer noch je zuweilen auf dem Räuberberg und harrt, daß der Erlöser kommen solle.",
    "kurztext": "Auf dem Räuberberg bei Phöben (hist. Feeben) erscheint eine weiße Frau. Fischer aus dem nahen Göttin haben sie gesehen – wie ein weißer Schwan taucht sie aus dem Wasser auf. Wer sie dreimal mutig anspricht, soll sie erlösen können, doch bisher hat jedes Mal Furcht oder ein fremdes Geräusch die Erlösung verhindert.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 68,
    "nr": "68",
    "titel": "Der weissagende Schwan",
    "ort": "Kemnitz (Werder)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.397,
    "lng": 12.887,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Datt hett hee denn tolest ook nich mehr edån (gethan), denn eene Nacht will hee ook gråe (grade) weeer (wieder) afroopen, då kümmt de witte Schwån uuten See ruutewåtschelt un geit uppen Kerkhof un van då gråe uppen Eddelhof too. Då is emm denn angst un bange wåren (worden) un is nå Huus eloopen, hett de Lüüe monter måkt un hett sed: »Kinger, Kinger, et gift weer ne Liike (Leiche) int Dörp un dat keene kleene; de Schwån is uuten See kåmen un is gråd uppen Eddelhof togån!« Un dett hett ook keene acht Dåge duurt, då is de Eddelmann doot west.",
    "kurztext": "Am See bei Brück lebte einst ein weißer Schwan, der die Zukunft weissagen konnte. Als er getötet wurde, versiegte das prophetische Wissen in der Gegend – und seitdem ist die Zukunft für die Menschen dort dunkel und ungewiss.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 69,
    "nr": "69",
    "titel": "Der letzte von Britzke zu Kemnitz",
    "ort": "Kemnitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.32,
    "lng": 12.7,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Datt Dörp Kemnitz hett van langen Titen her de Herren van Britzke hüürt, un de letzte is eerscht vöör en Pår Jår storven un nuu sall et annen aennern Lehnsvedder kåmen, dee noch darümme perzesseeren deit. Se seggen åwer immer, dett de olle Eddelmann all bii siinen Lewenstiien ümmegån is, denn ofte hebben de Lüüe int Dörp emm Nachtens in de Dörpstråte metten Kopp unnern Arm ruff un raff jågen seeen. Ofte hebben ook siine Lüüe, wenn hee uutfüürt (ausgefahren) was, en grootet Gepolder vannen Wågen hüürt, un hebben löövt (geglaubt), dett eer Herre nå Huus kåmen wär, un wenn se denn ruutkåmen sint, is allet still un nist då west.",
    "kurztext": "Der letzte von Britzke zu Kemnitz. Datt Dörp Kemnitz hett van langen Titen her de Herren van Britzke hüürt, un de letzte is eerscht vöör en Pår Jår storven un nuu sall et annen aennern Lehnsvedder kåmen, dee noch darümme perzesseeren deit.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 70,
    "nr": "70",
    "titel": "Der Spuk auf dem Schloß zu Kemnitz",
    "ort": "Kemnitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.32,
    "lng": 12.7,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Int olle Schlott to Kemnitz isset (ist es) nie recht richtig west, denn Nachtens hebben de Lüüe ofte en grooten Lärm un Spittåkel hüürt, un watt dett west is, dat kunne Martin Runge, dee Knecht upt Schlott was, am besten vertellen (erzählen). Dee hadde mål ens Åmns (Abends) in de Volkstoowe (Gesindestube) de Tiit verschlåpen un de aennern hadden em en Schåobernack speelt un hadden, as see to Bedde jungen (gingen), de Volkstoowendöör toschlåten. As hee nu monter wåren is, hett hee dåbliiwen mütten un hett sick up de Åmnbanke lecht (Ofenbank gelegt). Då is hee knapp (kaum) inschlåpen west, hüürt hee en grooten mächtigen Lärm, un hüürt dettet de Treppe rupstolpert, un upp eemål springt de Döör, dee doch toschlåten was, upp un et kümmt watt rin un kraupt (kriecht) so an alle Wände rüm un reckt sick in de Hööcht (Höhe) un kiekt upp alle Bredder un in alle Spinnen rin. Eerscht uppet Keesebrett, wo de Eddelfraue eeren (ihren) Keese drööcht (getrocknet) hett, denn upp de Anrichte in de Kööken, denn in de Vorråtskåmer, un måkt alle Spinnen, dee de Fraue immer toschlåten hadde, upp un keek (sahe) in alle Töppe. Tolest (zuletzt) isset ook annen Åben kåmen, hett sick in de Hööcht reckt und in de Rööre rin keeken, un wiil Martin Runge nu då upp de Banke liggen deee, då hett hee seen künnen, dettet ganz assen grooten Hunt leet (wie ein großer Hund aussah) un ganz raue zottige Beene hadde. Dunn isset afgån un hett de Döör weer tooschmeeten. Hee hett nu giirn (gern) ruut wult, åwerscht de Döör is so fast to west as vöör un hee hett de ganze Nacht då bliiwen mütten.",
    "kurztext": "Auf dem Schloss zu Kemnitz geht es nicht geheuer zu. Des Nachts werden Geräusche gehört, Türen öffnen sich von selbst, und bisweilen sieht man einen Lichtschein durch die Gänge wandern.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 71,
    "nr": "71",
    "titel": "Schloß Zolchow",
    "ort": "Zolchow",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Bei dieser Belagerung soll die Burg namentlich vom See aus angegriffen sein, und man zeigt noch fünf runde Löcher am Nordgiebel, die von hineingeschossenen Kugeln herrühren sollen.",
    "kurztext": "Bei dieser Belagerung soll die Burg namentlich vom See aus angegriffen sein, und man zeigt noch fünf runde Löcher am Nordgiebel, die von hineingeschossenen Kugeln herrühren sollen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 72,
    "nr": "72",
    "titel": "Die zerbrochene Schütze",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun ward ihm doch etwas bange, und er wußte im Augenblick gar nicht, wie er den lästigen Gefährten los werden sollte, doch besann er sich noch zur rechten Zeit und sagte: »I da nehmen wir einen Spahn von der Wagenrunge, damit wollen wir sie schon wieder zusammenkriegen!« Nahm auch gleich sein Messer hervor, schnitt einen tüchtigen Pflock von der Runge ab und trieb den durch zwei Löcher, welche er mit dem Messer in die zerbrochenen Enden gebohrt hatte, und so machte er die Schütze wieder brauchbar. Da sagte jener: »Das hat dich Gott thun heißen, aber nun sollst du auch deine Bezahlung haben!« Sprachs und legte ihm ein kleines Brötchen hinten auf den Wagen, worauf er verschwand. Darauf fuhr der Bauer seinen Gefährten nach, holte sie auch bald wieder ein, sagte ihnen aber nichts von dem, was ihm begegnet war, und steckte das geschenkte Brot in seinen Kober. In Berlin kehrten sie nun, so oft sie dahin kamen, stets in demselben Gasthofe ein, wo sie alsdann, was sie von den ihnen mitgegebenen Lebensmitteln übrig behielten, gewöhnlich an eine alte Frau, die dahin kam, zu verkaufen pflegten. An diese verkaufte nun der Knecht auch sein geschenktes Brot und kehrte dann nach Hause zurück. – Wie er das nächste Mal wieder dahin kam, war auch die alte Frau schon da, die bat ihn, ob er ihr nicht wieder ein solches Brötchen verkaufen wolle, denn das habe ihr doch gar zu schön geschmeckt. Da wurden auch die übrigen Bauern neugierig und er erzählte ihnen seinen Vorfall; man drang weiter in die Alte und erfuhr von ihr, daß bei jedem Stückchen, welches sie von dem Brote abgeschnitten habe, ein Goldstück herausgefallen sei. Nun hätte er sein Brot gern wieder haben mögen, aber es war verzehrt und er hat auch nie eins wieder bekommen.\n\n1 Schütze ist der Name für den Brotschieber, die Backschaufel, mit welcher die Bäcker das Brot in den Ofen schieben.",
    "kurztext": "Nun ward ihm doch etwas bange, und er wußte im Augenblick gar nicht, wie er den lästigen Gefährten los werden sollte, doch besann er sich noch zur rechten Zeit und sagte: »I da nehmen wir einen Spahn von der Wagenrunge, damit wollen wir sie schon wieder zusammenkriegen!« Nahm auch gleich sein Messer hervor, schnitt einen tüchtigen Pflock von der Runge ab und trieb den durch zwei Löcher, welche er mit dem Messer in die zerbrochenen Enden gebohrt hatte, und so machte er die Schütze wieder brauchbar.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 73,
    "nr": "73",
    "titel": "Die Erbauung des Klosters Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3167,
    "lng": 12.7333,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Hier schlief er ein und es träumte ihm, daß ein Hirsch auf ihn eindrang und mit dem Geweih ihn aufspießen wollte; er wehrte sich tapfer mit seinem Jagdspieß gegen diesen Feind, konnte ihm aber nichts anhaben, vielmehr drang der Hirsch immer hitziger gegen ihn an. In dieser Gefahr rief der Markgraf Gott um Beistand an, und kaum war das geschehen, da verschwand der Hirsch und er erwachte. Er erzählte hierauf seinen Begleitern diesen Traum, und da er schon längst den Vorsatz gefaßt hatte, aus Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die ihn bisher in Gefahren gnädig beschützt hatte, und um sich der göttlichen Gnade noch mehr zu versichern, ein Kloster zu stiften, auch seine Begleiter den Traum so auslegten, daß sie meinten, der Hirsch, der erst bei Anrufung des göttlichen Namens von ihm gewichen, sei niemand als der Teufel selber gewesen, rief er aus: »An diesem Orte will ich eine Feste bauen, aus welcher die höllischen Feinde durch die Stimmen heiliger Männer vertrieben werden sollen, und in welcher ich den jüng-Tag ruhig erwarten will!« Darauf legte er auch sogleich Hand ans Werk, ließ aus dem Kloster Sittchenbach oder Sevekenbecke (wie es Pulcava nennt) im Mansfeldischen Cisterzienser-Mönche kommen, und baute das Kloster, das er wegen der noch dem Christenthum sehr abgeneigten slavischen Umwohner mit Befestigungen versah, von denen noch Spuren vorhanden sind. Weil aber ein Hirsch den Anlaß zur Erbauung des Klosters gegeben hatte, und dieser in der alten slavischen Sprache den Namen Lanie führte, so nannte er dasselbe Lehnin. – In der Kirche zeigt man noch bis auf den heutigen Tag den Stumpf der Eiche, unter welcher der Markgraf den Traum gehabt, und hat ihn zum ewigen Andenken an den Stufen vor dem Altar eingemauert.",
    "kurztext": "Der Markgraf Otto der Erste von Brandenburg jagte einst in Gesellschaft seiner Edelleute in der Gegend, wo jetzt das Kloster Lehnin steht. Von der Jagd verspätet und allein im Walde, erschien ihm im Traum ein Engel, der ihn anwies, an dieser Stelle ein Kloster zu gründen. So entstand Lehnin – die Grablege der märkischen Fürsten und Ursprung der berühmten Lehniner Weissagung.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 74,
    "nr": "74",
    "titel": "Die Erschlagung des Abts Sebald von Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3167,
    "lng": 12.7333,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Als er in die Nähe des Dorfes kam, und in dem jetzt vom Kossäten Müller bewohnten Hause einkehren wollte, wurden ihn die Kinder, die vor der Hausthür spielten, gewahr, und liefen mit dem Geschrei »der Abt kömmt« theils ins Haus, theils in das Dorf, um Jedermann von der Ankunft der Mönche in Kenntniß zu setzen. Als die Weiber das Geschrei der Kinder hörten, versteckten sie sich alle, wo sie nur irgend einen Schlupfwinkel fanden. Die Frau aber, welche in dem Hause, wo der Abt einkehrte, mit Brotbacken beschäftigt war, und nicht mehr entfliehen konnte, kroch in aller Eile unter den Backtrog. Als der Abt nun ins Haus trat, fand er niemand und setzte sich, um auszuruhen, gerade auf diesen Backtrog; wie das die Kinder sahen, liefen sie eilig davon und meldeten dem Vater, der in der Nähe des Dorfes mit dem Fischfang beschäftigt war, daß der Abt auf der Mutter sitze. Dieser lief sogleich mit noch anderen, die sich mit Heugabeln, Aexten und Rudern bewaffneten, nach dem Dorfe, und als der Abt diese heranziehen sah, ergriff er sogleich die Flucht. Nun war er aber wohlbeleibt und das Laufen fiel ihm schwer, so daß er, als er seine Verfolger ihm nacheilen hörte, auf eine Eiche kletterte, um sich da zu verstecken. Aber hierbei verlor er ein großes Bund Schlüssel, das er bei sich trug, wodurch seine Verfolger seinen Zufluchtsort entdeckten. Unterdeß waren seine Begleiter nach Lehnin geflohen und mit einer größeren Anzahl der Klosterbewohner zurückgekehrt, welche den Wenden ein reiches Lösegeld boten, wenn sie den Abt am Leben lassen würden. Aber diese wollten nichts von Gnade hören, sondern hieben, als der Abt gutwillig seinen Zufluchtsort nicht verlassen wollte, den Baum um, und erschlugen nun den Abt trotz der Bitten der Mönche. – Lange Jahre hat der Stamm dieser Eiche noch bei Nahmitz gelegen, bis er endlich von einem Müller entwendet worden ist. Auf dem Hause aber, in welchem der Abt zu Nahmitz einkehrte, soll, wie die Leute behaupten, bis heute noch Unsegen ruhen, denn seine Bewohner kommen in der Wirthschaft zurück, oder es zeigt sich wohl gar Wahnsinn bei ihnen, sobald sie längere Zeit dort wohnen.\n\nNach der unter den Bewohnern von Nahmitz fortlebenden Sage ist der Abt Sebald keineswegs ein so um die Verbreitung des Evangeliums bemühter Mann gewesen, wie die obige Darstellung angiebt, sondern er hat sich hauptsächlich darum mit den Weibern der Wenden abgegeben, um seinen Lüsten zu fröhnen. Daher hat auch das Dorf Nahmitz so schöne Glocken in seinem Thurm, deren Klang so stark ist, daß man sie bis nach dem eine Meile entfernten Schwina hört, denn die hat der Abt, obgleich sie eigentlich nach Lehnin gehörten, einer Nahmitzerin, die er gewann, geschenkt. Einst stellte er nun auch der Frau eines Nahmitzer Fischers nach, und kehrte, als der Mann auf den Fischfang gegangen war, in ihrem Hause ein; sie aber sah ihn kommen, und kroch, da sie gerade mit Brotbacken beschäftigt war, unter den Backtrog. Als nun der Abt in die Stube kommt, setzt er sich auf denselben, und da die kleine Tochter der Bäuerin, welche gegenwärtig war, dies sieht, läuft sie eilig hinaus zum Vater, ihm schon von ferne zurufend: »der Abbat sitzt auf der Mutter!« Dieser kehrt jetzt mit seinen Gefährten zum Dorfe zurück, der Abt sieht ihn kommen, flieht, steigt auf die Eiche und wird dort zur Strafe seiner Sünden von den Wenden erschlagen.\n\nIn der zum Theil noch erhaltenen, zum Theil in herrlichen Ruinen dastehenden Klosterkirche zu Lehnin befindet sich noch ein altes Gemälde auf Holz, welches darstellt, wie die grimmigen Wenden daherstürmen und den Abt Sebald erschlagen. Diese Begebenheit deuten auch die beiden letzten Verse der auf dem Gemälde befindlichen Inschrift an, die also lauten:\n\nHic jacet occisus prior abbas, cui paradisus\n\nJure patet, slavica quem stravit gens inimica.\n\nEin ebenfalls aus alter, aber etwas späterer Zeit als das ebengenannte stammendes Bild stellt dieselbe Begebenheit dar.",
    "kurztext": "Eines Tages war der Abt nach dem Dorfe Pritzsche oder Prutzke gegangen, und Willens, auf dem Rückwege in dem eine halbe Meile von Lehnin gelegenen Dorfe Nahmitz einzukehren, um dort auszuruhen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 75,
    "nr": "75",
    "titel": "Die Rückkehr der Mönche nach Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3167,
    "lng": 12.7333,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Beschreibung des Klosters Lehnin S. 15.\n\nAls der Abt Sebald auf jämmerliche Weise von den Wenden erschlagen war, wollten die übrigen Mönche insgesammt das Kloster verlassen, um sich einen weniger gefahrvollen Sitz ihrer Wirksamkeit auszuwählen, aber als sie sich nun auf den Weg machten, erschien ihnen die Mutter Gottes mit dem Christuskinde, indem sie in himmlischem Glanze zu ihnen herabstieg, und ihnen zurief: Redeatis, nihil deerit vobis. Da schämten sie sich ihrer Verzagtheit und kehrten in das Kloster zurück, und zum ewigen Andenken an dieses Wunder wurde dasselbe auf einem Gemälde (dem jüngeren der obengenannten) dem Auge der Frommen vergegenwärtigt.",
    "kurztext": "Die Rückkehr der Mönche nach Lehnin. Beschreibung des Klosters Lehnin S. 15.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 76,
    "nr": "76",
    "titel": "Der spukende Mönch im Ringelthurm zu Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3167,
    "lng": 12.7333,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Hier ist's nicht recht geheuer, denn man hört es oft hier Trepp auf, Trepp ab poltern und in der halb eingestürzten gothischen Halle, die darunterliegt, umhertoben. Wer dreist ist, kann auch eine mächtige Gestalt mit schwarzem Gesicht, krausem Haar und weißem, flatterndem Gewande sehen, aber er muß nicht zu nahe heran gehen, sonst verfolgt sie ihn so lange, bis sie ihn vom alten Kirchhofe vertrieben hat. Andere haben in dieser Gestalt einen Mönch erkannt, der in gefalteten Händen das Evangelienbuch hält und mit funkelnden Augen gen Himmel blickt, gleichsam als bete er zu Gott für die Ruhe der Grabstätten, die ehemals in diesem Theile der Kirche waren, aber vor mehreren Jahren zerstört wurden. Niemand kann den Greis ansehen, ohne von tiefer Rührung ergriffen zu werden.",
    "kurztext": "Der spukende Mönch im Ringelthurm zu Lehnin. Riedel in den Märkschen Forschungen Bd.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 77,
    "nr": "77",
    "titel": "Die weiße Frau zu Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3203,
    "lng": 12.7415,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "In den Ruinen der Klosterkirche zu Lehnin sieht man oft die weiße Frau um Mitternacht umherwandeln; bald ist sie allein, bald erscheint sie am Arme eines Mönches, oft zeigt sie sich gar nicht, und doch bemerkt man leicht ihre Anwesenheit am Orte durch allerhand kleine Unfälle in der Wirthschaft, zum Beispiel dadurch, daß das Bier sauer wird und dergleichen mehr. Sie war ein benachbartes Edelfräulein und liebte einen Mönch, aber für diese Sünde hat sie nun keine Ruhe im Grabe und muß jede Minute ihres verbotenen Genusses durch jahrelange Reue erkaufen und an der Stätte ihrer Vergehungen abbüßen; doch soll sie seit einiger Zeit nicht mehr erschienen sein und so vielleicht endlich die himmlische Ruhe gefunden haben.",
    "kurztext": "Die weiße Frau von Lehnin ist die Schutzpatronin des brandenburgischen Fürstenhauses. Sie zeigt sich stets kurz bevor einem Mitglied des Hauses der Tod bevorsteht – ihr Erscheinen gilt als untrügliches Zeichen und zugleich als letzter Trost.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 78,
    "nr": "78",
    "titel": "Der Markt auf dem Kirchhofe zu Lehnin",
    "ort": "Kloster Lehnin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3167,
    "lng": 12.7333,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Einst kommt er da auch um Mitternacht entlang, da sieht er ein großes Gewühl und Getreibe, wie auf einem Markt, aber die Gestalten hatten alle lange Bärte und waren in wunderlicher alterthümlicher Tracht, wie er sie noch nie gesehen. Das Wunderbarste aber war, daß, so groß auch die Masse war, keiner auch nur ein einziges Wort sprach, so daß ihm so schaurig zu Muthe wurde, wie noch nie; wie er darauf nach Hause gekommen, wußte er selber nicht.",
    "kurztext": "Der Markt auf dem Kirchhofe zu Lehnin. Auf dem Amte, dessen Gebäude zum Theil die alten Klostergebäude Lehnins sind, war vor mehreren Jahren ein Brauer, der ging oft des Nachts noch über den Mönchskirchhof, wo jetzt das Schulhaus steht.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 79,
    "nr": "79",
    "titel": "Der Hut und der Hirsch auf dem Klostersee",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "So war auch einmal ein Fischer im Orte, der hieß Lietzmann, und sah einst, als er seine Netze warf, den Hut; sogleich riß es ihn fort, ihn herauszuziehen, aber die Kette war gar zu schwer, so daß er sich lange vergeblich abmühte; endlich ward er unmuthig und begann zu fluchen; da erhob sich augenblicklich ein fürchterliches Unwetter, der Kahn schlug um und der Fischer ertrank.\n\nZur Winterzeit, wenn der See zugefroren ist, erblickt man oft auf demselben statt des Hutes einen Hirsch; das geschah auch einmal, und wie er mitten auf dem Eise war, brach es und das Thier konnte nicht wieder herauskommen; das sahen nun Leute, die am Ufer beschäftigt waren, und wollten sich der unverhofften Beute bemächtigen, sie eilten schnell an die Stelle, wo der Hirsch eingebrochen war, aber als sie dahin kamen, war durchaus nichts mehr zu sehen, und sie flohen daher eiligst, denn nun war es ihnen klar, daß Alles nur ein Blendwerk gewesen und der See wieder sein Opfer verlange, was er sich denn auch bald geholt hat.",
    "kurztext": "So war auch einmal ein Fischer im Orte, der hieß Lietzmann, und sah einst, als er seine Netze warf, den Hut; sogleich riß es ihn fort, ihn herauszuziehen, aber die Kette war gar zu schwer, so daß er sich lange vergeblich abmühte; endlich ward er unmuthig und begann zu fluchen; da erhob sich augenblicklich ein fürchterliches Unwetter, der Kahn schlug um und der Fischer ertrank.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 80,
    "nr": "80",
    "titel": "Das untergegangene Dorf Gohlitz",
    "ort": "Gohlitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.27,
    "lng": 12.71,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das ist aber untergegangen durch die Strafe Gottes, denn die Bauern dort waren so übermüthig und gottlos geworden, daß sie den Kindern den Hintern mit Brotkrusten reinigten. Da ist denn eines Tages ein kleiner Spring (Quell), der sich dort an einer naheliegenden Höhe befindet, plötzlich so angeschwollen, daß das gesammte Dorf mit Vieh und Menschen untergegangen ist, und nichts davon übrig blieb, als der große Damm, denn das ist die Landzunge, die sich noch weit in den See hinein erstreckt.\n\nBei hellem Sonnenschein sehen die Fischer auch noch zuweilen den Kirchthurm im Wasser, und namentlich um Mittag hören sie auch wohl das Läuten der Glocken. Fischer haben diese schon hin und wieder im Netz gehabt, aber keiner hat sie bis jetzt herausziehn können, einer hatte sie schon so nahe herangezogen (es war am heiligen Weihnachtsabend), daß er sie hat sprechen hören; da hat die eine gesagt:\n\nAnne Susanne\n\nWilte mett to Lanne (willst du mit zu Lande)?\n\nund die andere hat geantwortet:\n\nAnne Margrete\n\nWii willn to Grunne scheten (schießen),\n\naber damit sind sie auch gleich verschwunden.",
    "kurztext": "Das Dorf Gohlitz versank spurlos in der Erde, als seine Bewohner die Frömmigkeit aufgaben. Noch heute erkennt man bei klarem Wasser die Umrisse der Häuser auf dem Seegrund – und in stillen Nächten soll man die Kirchenglocken aus der Tiefe läuten hören.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
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    "nr": "81",
    "titel": "Die Kindbetterin im Gohlitzsee",
    "ort": "Gohlitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.35,
    "lng": 12.52,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun war sie aber neugierig zu sehen, wie das Müll der kleinen dicken Leute aussehe, nahm einen Kiehnspahn, denn es war finster geworden, und steckte den an, und sieh da! das Müll war zu schieren blanken Thalern geworden. Da war sie nun eine reiche Frau und ihre Nachkommen, die noch leben, sinds noch.",
    "kurztext": "Die Kindbetterin im Gohlitzsee. Eine Hebeamme aus Lehnin ging einmal von da nach der alten Ziegelei, und wie sie so an den Gohlitzsee kommt, tritt ihr da ein kleines Männchen entgegen, das sagt ihr, sie solle, ehe sie weiter gehe, mit ihm kommen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 82,
    "nr": "82",
    "titel": "Die Stimme im Gohlitzsee",
    "ort": "Gohlitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.35,
    "lng": 12.52,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Mittelsee bei Schwina. Mündlich.\n\nZwischen Lehnin und Schwina liegt der Mittelsee, auf dem sieht man oft Mittags im hellsten Sonnenschein einen Kahn fahren, in dem sitzt ein weißer Bock, und der Kahn fährt ganz von selber; das Wunderbarste aber ist, daß, wenn man recht scharf hinsieht, Kahn und Bock verschwinden und nicht mehr zu sehen sind.\n\nUnten im See, sagt man auch, da wohnen schöne Seejungfern, die bringen den kreißenden Frauen Hülfe in ihrer Noth; aber so gut diese den Menschen thun, so böse meints die Frau mit der weißen Hucke, die sich zwischen dem Mittel- und Gohlitzsee auf dem Lehniner Wege sehen läßt; denn die kommt Abends daher und geht still und rasch ihren Weg, daß einer meint, es sei eine Bäuerin, die sich verspätet; folgt er ihr aber, so gehts auch grade in Wasser und Sumpf hinein, und daraus ist keine Rettung. Einen Bauer hätte sie fast einmal mit Pferd und Wagen auf diese Weise in den See hinabgeführt, wenn er nicht noch zur rechten Zeit den Spuk gemerkt hätte.",
    "kurztext": "Unten im See, sagt man auch, da wohnen schöne Seejungfern, die bringen den kreißenden Frauen Hülfe in ihrer Noth; aber so gut diese den Menschen thun, so böse meints die Frau mit der weißen Hucke, die sich zwischen dem Mittel- und Gohlitzsee auf dem Lehniner W",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "83",
    "titel": "Der Mittelsee bei Schwina",
    "ort": "Schwina",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Mittelsee bei Schwina. Mündlich.\n\nZwischen Lehnin und Schwina liegt der Mittelsee, auf dem sieht man oft Mittags im hellsten Sonnenschein einen Kahn fahren, in dem sitzt ein weißer Bock, und der Kahn fährt ganz von selber; das Wunderbarste aber ist, daß, wenn man recht scharf hinsieht, Kahn und Bock verschwinden und nicht mehr zu sehen sind.\n\nUnten im See, sagt man auch, da wohnen schöne Seejungfern, die bringen den kreißenden Frauen Hülfe in ihrer Noth; aber so gut diese den Menschen thun, so böse meints die Frau mit der weißen Hucke, die sich zwischen dem Mittel- und Gohlitzsee auf dem Lehniner Wege sehen läßt; denn die kommt Abends daher und geht still und rasch ihren Weg, daß einer meint, es sei eine Bäuerin, die sich verspätet; folgt er ihr aber, so gehts auch grade in Wasser und Sumpf hinein, und daraus ist keine Rettung. Einen Bauer hätte sie fast einmal mit Pferd und Wagen auf diese Weise in den See hinabgeführt, wenn er nicht noch zur rechten Zeit den Spuk gemerkt hätte.",
    "kurztext": "Der Mittelsee bei Schwina. Mündlich. Zwischen Lehnin und Schwina liegt der Mittelsee, auf dem sieht man oft Mittags im hellsten Sonnenschein einen Kahn fahren, in dem sitzt ein weißer Bock, und der Kahn fährt ganz von selber; das Wunderbarste aber ist, daß, wenn man recht scharf…",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "84",
    "titel": "Der Kobold in Schwina",
    "ort": "Schwina",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Koboldsage",
    "volltext": "Dann ist die Frau hinausgegangen und hat die Magd nach einer Weile gerufen und gesagt, was sie doch schreie, es sei ja nichts da. Aber die wußte das besser, denn die Frau hat den Kobold dann immer fortgelockt, so daß dann natürlich nichts mehr zu sehen gewesen. Die Frau hat nämlich mit dem Kobold sehr gut gestanden, so daß er ihr allerlei Liebes und wohl nicht immer ganz in Ehren erwiesen. Darum mag denn auch wohl der Bauer, als er überdies Geld genug hatte, des Kobolds überdrüssig geworden sein, denn er hat ihn in einen Kober gepackt und ihn weit weit fortgetragen, so daß er nicht hat wieder zurück finden können.",
    "kurztext": "Dann ist die Frau hinausgegangen und hat die Magd nach einer Weile gerufen und gesagt, was sie doch schreie, es sei ja nichts da. Aber die wußte das besser, denn die Frau hat den Kobold dann immer fortgelockt, so daß dann natürlich nichts mehr zu sehen gewesen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 85,
    "nr": "85",
    "titel": "Das treue Brietzen",
    "ort": "Treuenbrietzen",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.096,
    "lng": 12.8675,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Als Kurfürst Woldemar von Brandenburg mit dem Kurfürsten Rudolph von Sachsen in einem schweren Krieg gelegen, ist es bei der Stadt Brietzen zu einer blutigen Schlacht gekommen, von welcher die Bauern noch fast dreihundert Jahre nachher sangen: »Wittenberg du liegst so hoch an der Sonnen;« da ist nun der Kurfürst Woldemar geschlagen und ist in die Brietzen geflohen, und seit der Zeit soll sie den Namen »die treue Britzke« erhalten haben.\n\nAndere dagegen erzählen, daß, als im J. 1347 der falsche Woldemar als Prätendent des Kurhutes in der Mark auftrat und die meisten Städte demselben zufielen, Brietzen diejenige war, die Ludwig dem Baiern unwandelbar treu blieb, weshalb sie in der Folge von ihm den Namen Treuenbrietzen erhielt.",
    "kurztext": "Als Kurfürst Woldemar bei Brietzen eine vernichtende Niederlage erlitt, blieb die Stadt als einzige in der Mittelmark treu zu ihm. Zur ewigen Erinnerung an diese Standhaftigkeit erhielt sie den Namen Treuenbrietzen – den sie bis heute trägt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 86,
    "nr": "86",
    "titel": "Der Name von Jüterbogk",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "So geschah's auch, und es währte nicht lange, so kam eine Krügersfrau Jutte mit Namen, die führte einen weißen Bock mit sich; da hat man denn nach ihr und ihrem Begleiter die Stadt Jüterbogk genannt, und hat ihr deshalb einen weißen Bock zum Wappen gegeben.",
    "kurztext": "Der Name Jüterbog soll von einem Wendenkönig herrühren, der hier eine mächtige Burg errichtete. Die Sage verbindet den fremdklingenden Ortsnamen mit einer heroischen Gründungsgeschichte aus der Zeit der Wendenkriege.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 87,
    "nr": "87",
    "titel": "Der Tempel der Morgenröthe zu Jüterbogk",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die Thür oder Eingang von abendwärts ist niedrig gewesen, also daß man im Eingehen sich etwas bücken müssen. Es hat auch keine Fenster gehabt, sondern nur ein rundes Loch, mit einem starken eisernen Gitter verwahrt, gegen Morgen, und zwar genau gegen Sonnenaufgang zur Nachtgleiche, so groß, als der Boden von einer Tonne, daß das Licht hat hineingehn können. Also hab ichs von mehreren Personen, die noch am Leben sind, beschreiben hören.«\n\nFrühzeitig schon hat man ein Kreuz aus Granit, das jetzt nur noch etwa anderthalb Fuß aus der Erde hervorragt, ehemals aber mehrere Ellen Länge gehabt haben soll, neben diesem Tempel aufgerichtet, und es steht jetzt noch dicht vor dem Hause des Schmieds. Als man es von da zu der Zeit des Großvaters des jetzigen Schmiedes, weil es abgebrochen, oder wie Andere sagen, von einem weißen Bullen umgerannt war, weggenommen, da hat sich des Nachts ein fürchterliches Lärmen und Poltern hören lassen, und ein weißer Hund hat unausgesetzt an der Stelle gelegen, wo das Kreuz gestanden, und ist auch nicht eher gewichen, als bis man dasselbe wieder an die alte Stelle gebracht hat.\n\nZur linken Seite der Schmiede liegt auch eine kleine runde Anhöhe, auf der man in neuern Zeiten einen Kreis von Linden, und mitten hinein einen eben solchen Baum gepflanzt hat; diese kleine Höhe heißt der Tanzberg und hat, wie man sagt, davon ihren Namen, daß die alten Wenden hier ihre heidnischen Tänze gehalten haben.",
    "kurztext": "Bei Jüterbog stand einst ein heidnischer Tempel der Morgenröthe, in dem slawische Priester dem Licht opferten. Als das Christentum kam, wurde der Tempel zerstört – doch an Sonnenwenden soll noch heute ein geheimnisvolles Leuchten an der alten Stelle zu sehen sein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 88,
    "nr": "88",
    "titel": "Der Schmied zu Jüterbogk",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Diese drei Bitten gewährte auch der fremde Mann und ging darauf von dannen. Nicht lange währte das nun, so kam der Tod, wollte den Schmied holen; der aber bat ihn, er möge doch, da er sicher von der Reise zu ihm ermüdet sei, sich noch ein wenig auf seinem Stuhle erholen; da setzte sich denn der Tod auch nieder, und als er nachher wieder aufstehen wollte, saß er fest. Nun bat er den Schmied gar sehr, er möge ihn doch wieder befreien, allein der wollte es zuerst nicht gewähren; nachher verstand er sich dazu unter der Bedingung, daß er ihm noch zehn Jahre schenke; das war der Tod gern zufrieden, der Schmied löste ihn und nun ging er davon. Wie nun die zehn Jahre um waren, kam der Tod wieder, da sagt ihm der Schmied: er solle doch erst auf den Apfelbaum im Garten steigen, einige Aepfel herunter zu holen, würden ihnen wohl auf der weiten Reise schmecken; das that der Tod und nun saß er wieder fest. Jetzt rief der Schmied seine Gesellen herbei, die mußten mit schweren eisernen Stangen gewaltig auf den Tod losschlagen, daß er ach! und wehe! schrie und den Schmied flehentlich bat, er möge ihn doch nur frei lassen, er wolle ja gern nie wieder zu ihm kommen. Wie nun der Schmied hörte, daß der Tod ihn ewig leben lassen wolle, hieß er die Gesellen einhalten und entließ jenen von dem Baum. Der zog glieder- und lendenlahm davon, und konnte nur mit Mühe vorwärts; da begegnet ihm unterwegs der Teufel, dem er sogleich sein Herzeleid klagte; aber der lachte ihn nur aus, daß er so dumm gewesen, sich von dem Schmied täuschen zu lassen und meinte, er wolle schon bald mit ihm fertig wer den. Darauf ging er in die Stadt und bat den Schmied um ein Nachtlager; nun war's aber schon spät in der Nacht und der Schmied verweigerte es ihm, sagte wenigstens, er könne die Hausthür nicht mehr öffnen, wenn er jedoch zum Schlüsselloch hineinfahren wolle, so möge er nur kommen. Das war nun dem Teufel ein Leichtes und sogleich huschte er durch, der Schmied war aber klüger als er, hielt innen seinen Kohlensack vor, und wie nun der Teufel darin saß, band er ihn schnell zu, warf den Sack auf den Amboß und ließ nun seine Gesellen wacker drauf losschmieden. Da flehte der Teufel zwar gar jämmerlich und erbärmlich, sie möchten doch aufhören, aber sie ließen nicht eher nach, als bis ihnen die Arme von dem Hämmern müde waren und der Schmied ihnen befahl aufzuhören. So war des Teufels Keckheit und Vorwitz gestraft und der Schmied ließ ihn nun frei, doch mußte er zu demselben Loche wieder hinaus, wo er hineingeschlüpft war, und wird wohl kein Verlangen nach einem zweiten Besuch beim Schmied getragen haben.",
    "kurztext": "In Jüterbog lebte einst ein frommer Schmied, dem der Heilige Petrus dreimal einen Wunsch erfüllte. Der Schmied wünschte sich, daß jeder, der sich auf seinen Stuhl setzte, dort festsäße – und brachte damit selbst den Tod in Verlegenheit, so daß er lange nicht sterben mußte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 89,
    "nr": "89",
    "titel": "Der betrogene Tetzel",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Ein solcher aus Sand bestehender Rücken erhebt sich dicht hinter dem Dörfchen Holbeck an dem dabei gelegenen See und führt den Namen der Mordberge, den er folgender Begebenheit verdankt.\n\nAls der Ablaßkrämer Tetzel in der Mark sein Wesen trieb, hielt er sich namentlich auch lange Zeit in Jüterbogk auf, wo man noch heute das der Nicolaikirche gerade gegenüber gelegene Haus zeigt, in welchem er seine Wohnung und eine eigne Kapelle zur Lesung von Messen und Austheilung des Ablasses hatte. Hier kam einst ein Ritter von Hake, der in dem oben genannten Stülpe am Fuße des Golm wohnte, zu ihm und verlangte Ablaß für eine schwere Sünde, die er erst begehen wolle. Tetzel wollte ihm denselben zuerst nicht ertheilen, als jener ihm aber eine große Summe Geldes gab, wurde er bereitwilliger und Hake erhielt zuletzt, was er wünschte. Wenige Tage darauf verließ Tetzel mit all seinen Schätzen Jüterbogk, um sich von da nach Berlin zu wenden. Als er aber in die Berge bei dem Dorfe Holbeck kam und die Pferde den schweren Wagen im tiefen Sande kaum von der Stelle bringen konnten, ward er von geharrnischten Männern, an deren Spitze ein Ritter stand, überfallen und diese nahmen ihm, ungeachtet er die gräßlichsten Flüche über den Ritter aussprach, seinen gewaltigen mit Eisen beschlagenen und ganz mit Geld angefüllten Kasten ab, denn jener Ritter war der von Hake, dem er seine Sünde bereits im Voraus vergeben hatte. Die Knechte aber, welche Tetzel hatte, wollten sich den Reisigen zur Wehre setzen, und suchten das geraubte Gut wieder zu gewinnen, wurden jedoch leicht in die Flucht geschlagen und viele fanden im Kampfe ihren Tod. Davon erhielten dann die Hügel, wo sich diese Begebenheit zutrug, den Namen der Mordberge; der große Kasten aber kam später, seines Inhalts entblößt, nach Jüterbogk, wo er noch heute hinter dem Altar in der S. Nicolaikirche zu sehen ist.",
    "kurztext": "Der Ablasshändler Tetzel wurde in Jüterbog von einem schlauen Bürger hereingelegt: Der Mann kaufte einen Ablassbrief für eine Sünde, die er noch gar nicht begangen hatte. Die Sage macht daraus eine beißende Satire auf die Käuflichkeit der spätmittelalterlichen Kirche.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 90,
    "nr": "90",
    "titel": "Der Schatz im Golm",
    "ort": "Golm bei Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.4068,
    "lng": 12.9683,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Es wird erzählt, aus den abgebrochenen Steinen sei die Kirche in Stülpe erbaut, welche auch die Glocke der Kapelle bekommen habe, und bezeichnet man als solche, die, welche die Inschrift: »hilf got v maria. ao. dm. mcccclxxxxviii« trägt. Auch zwei geschnitzte reich vergoldete Altarbilder, so wie der von der Decke herabschwebende Engel, welcher die Taufschale hält, sollen dorther stammen. Außer dem soll auch noch ein unterirdischer Gang von dem Berge bis zum Kloster Zinna führen, von dem man erzählt, daß die auf dem Golm wohnenden Nonnen ihn gebaut, um ungestörter in ihrer Verbindung mit den Mönchen zu Zinna zu sein.\n\nDer Schatz nun, welcher, seitdem die Kapelle eingegangen ist, im Berge liegt, besteht nach Einigen in einer großen silbernen Wiege, nach Anderen in der durchweg aus dem feinsten Golde gefertigten Bildsäule eines Mönches; Andere wissen nur, daß überhaupt große Massen Goldes und Silbers unten liegen, daß diese aber ehedem noch viel größer waren, indem nämlich einer der Vorfahren des jetzigen Besitzers von Stülpe, ein Herr von Rochow, bereits einen Theil des Schatzes gehoben und davon das im Dorfe liegende schöne Schloß gebaut habe. Die Vertiefung, wo es in die Schatzhöhle hineingeht, ist unweit der Kapelle sichtbar, und noch oft sieht man an dieser Stelle einen Hund mit feurigen Augen liegen, der den Schatz bewacht.",
    "kurztext": "Der Schatz nun, welcher, seitdem die Kapelle eingegangen ist, im Berge liegt, besteht nach Einigen in einer großen silbernen Wiege, nach Anderen in der durchweg aus dem feinsten Golde gefertigten Bildsäule eines Mönches; Andere wissen nur, daß überhaupt große.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 91,
    "nr": "91",
    "titel": "Die Schatzgräber",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Als das geschehen war, ging er ans Werk, wozu er nur noch wenige Mithelfer annahm, und fing nun an seine Beschwörungen zu sprechen; darauf wurden die Winden gedreht, und man bemerkte auch bald, daß die Stricke immer straffer und die daran befindliche Last so schwer wurde, daß sich die starken Balken des Gerüstes wie leichte Ruthen bogen. Da sah es endlich aus, als werde sogleich das ganze Gebälk zusammenbrechen und einer der Begleiter rief in seiner Angst: »Herr, das Gerüst bricht!« Aber im selben Augenblick ist auch der Schatz mit großem Schall wieder hinabgesunken, und der Meister hat nun gesagt, daß jetzt erst nach dreihundert Jahren einer den Schatz wieder heben könne, und zwar müsse es einer sein, der bucklig geboren ist; bis zu dieser Zeit sind es ungefähr noch dreißig Jahre.\n\nVor nicht langen Jahren wohnte auch auf der Pechhütte am Fuß des Golm ein Mann, Namens Sieke, der den Schatz beinah gewonnen hätte, wenn er den Schlaf hätte überwinden können. Es kam nämlich einmal ein alter blinder Mann zu ihm, der ihm bald seine Macht über die Geister bewies, weshalb Sieke einen Bund mit ihm schloß, um den Schatz zu heben, und ihn, damit er seine Vorbereitungen treffen könne, mit dem nöthigen Gelde versah. Allein es währte etwas lange mit dem Schatze und Sieke erhielt immer noch nichts, so daß er bereits in seinem Glauben an die Macht des Zauberers zu wanken anfing, als sich dieselbe eines Tages aufs Glänzendste von Neuem bestätigte.\n\nDer Pferdejunge wollte nämlich eines Abends die Pferde heim treiben, da sah er mitten im Wege einen Kobold in rother Jacke und blauer Mütze sitzen, welcher, als ihm die Pferde nahe kamen, dieselben schlug, lustig in die Hände klatschte und laut auflachte, so daß sie eingeschüchtert hierhin und dorthin auseinander stoben. Das wiederholte sich mehrmals und der Junge sah endlich ein, daß er nichts schaffen könne, ging deshalb nach Hause und sagte seinen Herrn, er möge nur einen andern schicken, denn er könne die Pferde nicht heimtreiben. Da ging denn einer der Knechte hinaus, indem er den Jungen ob seiner Albernheit schalt; der aber sagte ihm, er solle sich's nur versuchen, dann würde er wohl andres Sinnes werden; und es währte auch gar nicht lange, da kehrte, der sich eben noch so weise gedünkt, ebenfalls zurück; so ergings einem dritten und endlich dem Herrn selber. Der Zauberer hatte das Alles mit angehört und ruhig daheim gesessen, bis endlich der Herr zurückkam; nun machte er einige Zeichen, und kaum war das geschehen, so hörte man auch den Kobold schon in der Stube herumhuschen und ihn bald hier bald da laut auflachen, aber sehen konnte ihn niemand. Der Zauberer hing nun einen Sack an der Thürklinke auf, und befahl ihm, da hinein zu kriechen, aber der Kobald wollte nicht gehorchen; nun nahm jener seine große Hetzpeitsche, hieb damit tüchtig in der Stube, namentlich an der Decke, herum, und sogleich vernahm man ein jämmerliches Klaggeschrei, und der Kobold war im Sack gefangen. Da mußte er nun erzählen, woher er stamme, und man erfuhr, daß er einem Bauer in Paplitz diene, von dem er zu diesem Unfug angestiftet sei; auch trage er die Schuld, daß man hier auf dem Hofe schon seit vierzehn Tagen keine Butter bekommen habe, und dergleichen mehr. Da hat ihn denn der Zauberer zur Strafe auf vierzehn Tage in den Backofen jenes Bauern gebannt.\n\nNun war Sieke's Glauben an die Macht des Zauberers wieder hergestellt und es ging jetzt frisch ans Werk, um den Schatz zu heben. Zu diesem Zwecke war es nöthig, daß Sieke drei Tage und drei Nächte ununterbrochen wachte, das that er denn auch, obgleich's ihm zuweilen schwer ankam, und er hatte am dritten Tage die Freude, daß bereits die Nonnen aus dem Berge erschienen und ihren wunderherrlichen Gesang vor der Thür erklingen ließen. Nun gings rasch vorwärts, die Geister, welche den Schatz bewachten, kamen in die neben der Stube gelegene Kammer und alle Anwesenden hörten deutlich, wie sie die weiten mit Gold gefüllten Mulden in einer großen dort befindlichen Lade ausschütteten. Jetzt bedurfte es nur noch der Bannung des Schatzes, wozu ein Stein nöthig war, der am südlichen Abhang des Golm an einer vom Zauberer genau bezeichneten Stelle lag; den sollte Sieke holen, er ging deshalb auch fort, aber unterwegs überwältigte ihn die Müdigkeit, er setzte sich hin und schlief ein. Erst nach langer Zeit erwachte er, und fürchtend, daß der Zauberer, wenn er nun noch den Stein hole, merken möchte, daß er geschlafen, nahm er einen Stein, der grade bei der Hand lag, und eilte zurück. Allein der Zauberer merkte sogleich den Betrug und nun war Alles vorbei. So liegt denn der Schatz noch im Golm, denn obgleich Sieke noch einmal nach dieser Zeit die Aufforderung bekam, ihn zu heben, so leistete er derselben doch nicht Folge. Es kam nämlich einmal jemand zu ihm, der ihm sagte, er sei am Golm zwei Männern begegnet, die hätten ihn gefragt, ob er Sieke kenne. Auf seine bejahende Antwort hätten sie ihn beauftragt, er solle zu demselben gehen und ihm berichten, daß zwei schwarze Männchen aus dem Berge gekommen wären, die hätten ihnen gesagt, sie wären nun des Bewachens der Schätze müde, Sieke solle kommen und, soviel er auf einem von vier Pferden gezogenen Wagen fortbringen könne, holen. Er hat es aber nicht gethan, da er bereits bei dem ersten Versuche fast zum armen Manne geworden war.",
    "kurztext": "Vor nicht langen Jahren wohnte auch auf der Pechhütte am Fuß des Golm ein Mann, Namens Sieke, der den Schatz beinah gewonnen hätte, wenn er den Schlaf hätte überwinden können.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 92,
    "nr": "92",
    "titel": "Die Kapelle auf dem Golm",
    "ort": "Golm bei Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.4068,
    "lng": 12.9683,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Als er nun da ankam, und ihm däuchte, er habe noch nicht genug für seine Sünden gebüßt, fraget er den Mönch des Ordens, ob nicht noch ein heiliger Ort in der Welt wäre über dem? Da hat ihm jener geantwortet: ja, es wäre noch ein heiligerer auf dem Gollenberg, worauf er denn in großem Unmuth gesprochen: »Was zum Teufel suche ich denn hier, weil ich doch den Ort hart vor der Thür habe?!«",
    "kurztext": "Auf dem Golm bei Jüterbog wurde eine uralte Kapelle errichtet, an der Stelle eines heidnischen Kultplatzes. Wer dort in der Johannisnacht betet, dem erscheint ein Licht, das auf verborgene Schätze im Erdreich hinweist.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 93,
    "nr": "93",
    "titel": "Die Lüchtemännekens",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dann legte er aber einen Dreier auf die Schwelle seines Hauses und konnte gewiß sein, daß der jedesmal am andern Morgen verschwunden war; dafür waren ihm aber auch die Lüchtemännekens bei nächster Gelegenheit wieder gefällig und dienstbar.",
    "kurztext": "Dann legte er aber einen Dreier auf die Schwelle seines Hauses und konnte gewiß sein, daß der jedesmal am andern Morgen verschwunden war; dafür waren ihm aber auch die Lüchtemännekens bei nächster Gelegenheit wieder gefällig und dienstbar.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 94,
    "nr": "94",
    "titel": "Die Frau, welche erlöst sein will",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun stürzte aber die Frau wüthend auf das Mädchen zu, packte sie grimmig und warf sie so gewaltig zur Erde, daß sie augenblicklich zu Asche wurde; gleich darauf geschah ein fürchterlicher Knall und Alles war verschwunden.\n\nAndere schweigen von dem letzten und erzählen, das Mädchen lebe noch, doch habe die Frau, als der Bruder seine Schwester zurückgerissen, zu ihr gesagt, sie solle nun, wenn sie zurückkomme, eine Linde pflanzen, die würde oben zwei Plantschen (Aeste) bekommen, aus deren Holze man eine Poie (Wiege) machen werde, und welches Kind zuerst darin liegen würde, das solle mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht werden; dann aber werde sie erlöst sein.",
    "kurztext": "Nun stürzte aber die Frau wüthend auf das Mädchen zu, packte sie grimmig und warf sie so gewaltig zur Erde, daß sie augenblicklich zu Asche wurde; gleich darauf geschah ein fürchterlicher Knall und Alles war verschwunden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 95,
    "nr": "95",
    "titel": "Der Wendenkönig",
    "ort": "Jüterbog",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 51.9947,
    "lng": 13.0728,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "In der Gegend des Spreewaldes wohnen noch zahlreiche Reste der alten wendischen Bewohner der Mark, die noch insgeheim einigen Vorzug und Nachlaß von den alten Oberherrn ihrer Nation und gleichsam einen König unter sich haben, der nicht nur jährlich von ihnen ein Gewisses an Gelde erhält, sondern auch im Besitz von Krone und Scepter ist. Jacobus Tholdius erzählt, was er von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm dem Großen selbst gehört hat, daß dieser einen großen und starken Menschen dieser Art in eigner hoher Person gesehen, dem aber ein anderer alter Bauer dieses Volks, der ohne Zweifel auch eine Person von Bedeutung gewesen, als er gemerkt, daß der Kurfürst etwas genauer auf jenen jungen Menschen Acht gegeben, einen Schlag mit seinem Stocke gegeben und ihn wie einen feilen Sklaven davon getrieben habe.",
    "kurztext": "Ein letzter Wendenkönig soll bei Jüterbog begraben liegen, sein Grab reich mit Gold gefüllt. Viele Schatzsucher haben den Hügel erkundet – doch wer sich ihm nähert, wird von unsichtbaren Kräften zurückgetrieben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 96,
    "nr": "96",
    "titel": "Die wilde Jagd und der Schatz am Renneberg",
    "ort": "Renneberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schatzsage",
    "volltext": "So trieb auch einmal ein Junge sein Vieh nach dem Renneberg zu, da hört er plötzlich über sich eine wunderschöne Musik, dazwischen aber ein gewaltiges Brausen, Heulen und Bellen der Hunde und den Ruf der Jäger. Da hat er sich denn still zur Erde gebückt und die wilde Jagd ist über ihm fortgezogen, ohne ihm etwas zu Leide zu thun.\n\nSchlimm ist's dagegen einem andern gegangen, der auf der Wiese nach Schönfeld zu bei einem Feuer, das er sich angemacht hatte, lag; der hörte nämlich eine Stimme, die ihm zurief: »Steh auf!« er aber blieb liegen und regte sich auch nicht, als es zum zweiten und zum dritten Male rief. Da ward er plötzlich, weil er durchaus nicht von selbst gehen wollte, unter den Armen ergriffen und weit fortgeschleudert. Als er sich darauf etwas von seinem Schrecken erholt hatte, ging er zurück und fand nun das Feuer weit auseinander gerissen, so daß er sich die Kohlen erst mühsam wie der zusammensuchen mußte.\n\nUnweit des Rennebergs liegt auch der Schloßberg, da liegt ein Schatz vergraben, den kann nur der heben, welcher fünfmal in einem Athem um den Renneberg läuft; bis jetzt ist's noch keinem gelungen.",
    "kurztext": "So trieb auch einmal ein Junge sein Vieh nach dem Renneberg zu, da hört er plötzlich über sich eine wunderschöne Musik, dazwischen aber ein gewaltiges Brausen, Heulen und Bellen der Hunde und den Ruf der Jäger.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 97,
    "nr": "97",
    "titel": "Der schwarze Stamm bei Jänickendorf",
    "ort": "Jänickendorf",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.05,
    "lng": 13.2333,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die Stelle, wo sie ehmals gestanden, wird noch durch einen großen Stein, den vier Pferde nur mit Mühe würden fortziehn können, bezeichnet, denn der lag ehmals grade unter dem Baum; seine Größe ist aber jetzt nicht mehr recht sichtbar, da er zum großen Theil mit Erde bedeckt ist. Hier ist es nicht recht richtig, und gar mancher hat schon, wenn er des Nachts vorbeigekommen, einen großen schwarzen Ochsen an dieser Stelle stehen sehen. Auch erzählt man sich eine Geschichte, die hier dem unlängst verstorbenen Förster aus Jänickendorf begegnete. – Der saß einmal mit Anderen am schwarzen Stamm und verzehrte mit ihnen sein Abendbrot, da hörten sie eine Stimme, die rief: »Geht meiner nicht mit?« (d.h. wie der Erzähler erklärte »kann ich nicht auch Theil nehmen?«). Als aber niemand antwortete, ergriff es auf einmal den alten Jäger, schleppte ihn weit fort durch Wald und Wiese bis ans Försterhaus, und da fand man ihn denn ganz zerschlagen und vor Schmutz kaum kenntlich.",
    "kurztext": "Bei Jänickendorf steht ein schwarzer Baumstumpf, den keine menschliche Kraft aus der Erde reißen kann. Er soll der versteinerte Leib eines habgierigen Ritters sein, der eine Witwe um ihr Land betrogen hatte – ein ewiges Mahnmal für Ungerechtigkeit.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 98,
    "nr": "98",
    "titel": "Der Kobold zu Jänickendorf",
    "ort": "Jänickendorf",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.05,
    "lng": 13.2333,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In Jänickendorf hatte ein Bauer lange Zeit einen Kobold, der allerhand Dienste im Hause verrichtete, namentlich das Vieh fütterte und mit allen Hausbewohnern in gutem Vernehmen stand. Da geschah's, daß des Bauers Frau starb und er wiederum freite; wie's nun bei solcher Gelegenheit wohl zu gehen pflegt, hatte man über den mannichfachen Zurüstungen zur Hochzeit nicht viel an den Kobold gedacht und ihm namentlich nicht seine bedungene Speise hingesetzt, so das er endlich böse wurde, und als nun endlich der Hochzeittag kam und alles fröhlich und guter Dinge beim Schmause saß, ging er hin, nahm einen Schimmel, den der Bauer unter seinen Pferden hatte, und warf ihn mit solcher Gewalt rücklings in den großen Mengekumben, daß das eingeklemmte Thier sich nicht rühren konnte, und nur die vier Beine über dem Rande hervorsahen. Da wurden denn die Gäste bald durch das Gewieher des Thiers herbeigezogen, und nur mit Mühe konnte man das arme Thier wieder befreien; der Kobold aber ist seitdem verschwunden und hat sich nie wieder sehen lassen. – Daß er aber grade den Schimmel, den der Bauer besaß, nahm, rührt daher, daß die Kobolde diese Art Pferde nicht leiden können, und solches Thier immer nur vier Wochen lang füttern; verkauft es der Besitzer nach dieser Zeit nicht, so läßt es der Kobold verhungern.",
    "kurztext": "Der Kobold zu Jänickendorf. In Jänickendorf hatte ein Bauer lange Zeit einen Kobold, der allerhand Dienste im Hause verrichtete, namentlich das Vieh fütterte und mit allen Hausbewohnern in gutem Vernehmen stand.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 99,
    "nr": "99",
    "titel": "Die weiße Frau bei Hennickendorf und Sperenberg",
    "ort": "Hennickendorf",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.044,
    "lng": 13.118,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "An einem Berge bei dem Dorfe Hennickendorf unweit Luckenwalde weideten einmal ein Paar Hirten ihre Schafe, da zeigte sich ihnen oben auf demselben eine Frau, halb weiß, halb schwarz, und winkte den einen zu sich heran; als er nun zögernd kam, sagte sie ihm, er solle zu ihr in den Berg kommen und sie erlösen, dafür solle er zur Belohnung alles Gold haben, was darinnen sei, und wenn er jetzt gleich mit hinein käme, so könnte er vorläufig soviel nehmen, als er nur mit beiden Händen fassen könne. Aber das Alles bewegte ihn nicht; da flehte sie nur noch dringender und sagte, wenn er sie nicht erlöse, so würde erst wieder nach hundert Jahren einer geboren, der es thun könne, allein der Schäfer konnte seine Furchtsamkeit nicht überwinden, und so ging denn die Stunde der Erlösung vorüber. Darauf versank die weiße Frau in den Berg, und der Schäfer hörte noch lange, nachdem sich schon der Berg über ihr geschlossen hatte, ihr herzzerreißendes Winseln und Klagen.\n\nAehnliches hat sich auch auf einem Berge bei Sperenberg zugetragen, wo die weiße Frau ebenfalls einem Schäfer erschienen ist, und ihn vergeblich aufgefordert hat, sie zu erlösen.",
    "kurztext": "Bei Sperenberg erscheint eine halb weiße, halb schwarze Frauengestalt – halb Engel, halb Dämon. Sie wartet auf den mutigen Ritter, der ihr durch einen Kuss die Erlösung bringt, doch jeder Versuch scheiterte bisher an Schreck und Zögern.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "100",
    "titel": "Der Schatz und der Herr von Thümen",
    "ort": "Thümen",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schatzsage",
    "volltext": "108.\n\nBei dem Dorfe Stangenhagen unweit Trebbin liegt ein Berg, auf dem sich noch vor hundert Jahren die Ueberreste eines alten Schlosses fanden, unter dem, wie man erzählte, ein großer Schatz verborgen lag. Diesen wollte ein Herr von Thümen einst heben, und war zu dem Zweck auf den Berg geritten, da ward er zu Roß sitzend plötzlich von einem gewaltigen Wirbelwind in die Höhe gehoben, und war, ehe er sich besinnen konnte, wohlbehalten in seinem Hause.",
    "kurztext": "Bei dem Dorfe Stangenhagen unweit Trebbin liegt ein Berg, auf dem sich noch vor hundert Jahren die Ueberreste eines alten Schlosses fanden, unter dem, wie man erzählte, ein großer Schatz verborgen lag.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 101,
    "nr": "101",
    "titel": "Der Ritt in die Kirche",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "In der Kirche zu Blankensee hängt ein alter verrosteter Degen und dabei ein Paar großer Sporen, die von einem der frühern Besitzer des Dorfes herrühren sollen. Dem fiel es nämlich in seinem Uebermuth einst ein, durch die kleine Pforte an der Ostseite der Kirche in dieselbe hinein und auf das adliche Chor hinaufzureiten; er kam mit seinem Pferde auch glücklich die Stufen hinauf, kaum war er aber oben, so warf es ihn hinunter und er stürzte so gewaltig mitten in das Schiff der Kirche, daß er das Genick brach. Zum ewigen Andenken an diese gottlose That und die ihr unmittelbar folgende göttliche Strafe hat man deshalb Degen und Sporen in der Kirche aufgehängt.",
    "kurztext": "In der Kirche zu Blankensee hängt ein alter verrosteter Degen und dabei ein Paar großer Sporen, die von einem der frühern Besitzer des Dorfes herrühren sollen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
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    "nr": "102",
    "titel": "Die gebannte Rehkeule",
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    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ein Jäger in der Gegend von Blankensee hörte eines Abends, wie die wilde Jagd in der Luft daher brauste, da legte er sich ins Fenster und rief wie zum Spott hinaus: »Nehmt mich mit, nehmt mich mit!« Aber kaum hatte er das gerufen, so flog auch eine Rehkeule zum Fenster hinein, mitten ins Zimmer, und die hat so übel gerochen, war auch auf keine Weise aus der Stube zu schaffen, daß alles zuletzt hat hinausgehen müssen, da es vor Modergeruch nicht auszuhalten war.",
    "kurztext": "Ein Jäger in der Gegend von Blankensee hörte eines Abends, wie die wilde Jagd in der Luft daher brauste, da legte er sich ins Fenster und rief wie zum Spott hinaus: »Nehmt mich mit, nehmt mich mit!« Aber kaum hatte er das gerufen, so flog auch eine Rehkeule zum Fenster hinein, mitten ins Zimmer, und die hat so übel gerochen, war auch auf keine Weise aus der Stube zu schaffen, daß alles zuletzt hat hinausgehen müssen, da es vor Modergeruch nicht auszuhalten war.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 103,
    "nr": "103",
    "titel": "Der Kobold, der nicht weichen wollte",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
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    "kategorie": "Koboldsage",
    "volltext": "Das that er denn auch, und, als er ins Holz kam, machte er sich an den ersten besten Stamm, nahm die Axt und that, als wolle er ihn umhauen; alsbald war auch der Kobold oben in der höchsten Spitze, und schaukelte sich im Wipfel hin und her, damit er den Baum leichter zum Umsturz brächte. Kaum ersah das aber der Bauer, so sprang er auf seinen Wagen und jagte so eilig als möglich davon, aber er war nur erst wenige Schritte fort, so hört ers plötzlich hinter sich rufen: »Watt jechste (jagst du) denn so, de lööwst (glaubst) woll de jrööne kümmt?« und siehe da! der Kobold saß wieder hinten auf dem Wagen.",
    "kurztext": "Das that er denn auch, und, als er ins Holz kam, machte er sich an den ersten besten Stamm, nahm die Axt und that, als wolle er ihn umhauen; alsbald war auch der Kobold oben in der höchsten Spitze, und schaukelte sich im Wipfel hin und her, damit er den Baum leichter zum Umsturz brächte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 104,
    "nr": "104",
    "titel": "Der Mann im Monde",
    "ort": "Blankensee",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 53.4043,
    "lng": 13.2686,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In Blaukensee und der umliegenden Gegend erzählen sich die Leute, wenn man, sobald Vollmond sei, die Flecken in demselben recht genau ansehe, so könne man deutlich bemerken, daß es eigentlich keine Flecken seien, sondern daß dort ein Mann stehe, der Mist breite; wie er aber hineingekommen, weiß niemand zu sagen.",
    "kurztext": "Der Mann im Monde ist nach der havelländischen Sage ein Bauer namens Christoph, der am Sonntag Gemüse stahl und dafür in den Mond verbannt wurde. Mit seinem Bündel ist er noch heute am Mondhimmel zu erkennen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 105,
    "nr": "105",
    "titel": "Die Glocken zu Blankensee",
    "ort": "Blankensee",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 53.4043,
    "lng": 13.2686,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Nun liegen sie noch immer da unten, und nur ein Fischer, der einst dort fischte, hat sie einmal gesehen. Er fühlte plötzlich, daß ein gewaltig schwerer Gegenstand in seinem Netze sei, und weil er dasselbe gar nicht herauszuziehen vermochte, fing er an zu fluchen. Im selben Augenblicke sah er hart an der Oberfläche des Wassers eine große Glocke, die rief aus, denn es hat früher eine Zeit gegeben, wo die Glocken sprechen konnten:\n\nAnne Susanne\n\nNimmermehr to Lanne.\n\nKaum war das aber verhallt, da ist sie auch im See versunken und nie wieder zum Vorschein gekommen.",
    "kurztext": "Die Glocken von Blankensee wurden einst von Räubern geraubt und in den See geworfen. In bestimmten Nächten hört man sie noch aus der Tiefe läuten – und kein Mensch konnte sie jemals heraufholen, denn der See soll bodenlos sein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 106,
    "nr": "106",
    "titel": "Der Schatz in der Kapelle bei Blankensee",
    "ort": "Blankensee",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 53.4043,
    "lng": 13.2686,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Als er nun nach Hause kommt, holt er sie aus der Tasche, um sie derselben zu zeigen, aber wie groß war seine Ueberraschung und seine Freude, als er auf einmal Goldstücke statt der Krebse in seiner Hand hatte.\n\nZuweilen wird auch die alte Zeit da oben wieder lebendig, und besonders konnte davon ein alter Schäfer erzählen. Der bemerkte nämlich eines Tages um Mittag, als er seine Schafe dort hütete, mitten in der Kapelle ein tiefes Loch und in demselben eine Thür, die offen stand, und diese hatte er doch, so oft er auch oben gewesen, sonst nie bemerkt. Er ging nun hinzu, blickte hinein und sah dort die alten Mönche an einem Tische sitzen, wo sie sich die Zeit mit Solospiel vertrieben.",
    "kurztext": "Als er nun nach Hause kommt, holt er sie aus der Tasche, um sie derselben zu zeigen, aber wie groß war seine Ueberraschung und seine Freude, als er auf einmal Goldstücke statt der Krebse in seiner Hand hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 107,
    "nr": "107",
    "titel": "Das Grab des Riesenkönigs",
    "ort": "Neustadt (Dosse)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.8453,
    "lng": 12.4444,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In diesem Kampf ist endlich der Riesenkönig gefallen, und den hat man denn in dem Hünenberge beim letztgenannten Dorfe begraben, und zwar hat man seine Gebeine in einen goldenen Sarg gelegt, und den wieder erst in einen silbernen und dann in einen eisernen gesetzt, worauf man ihn tief im Berge vergraben hat, wo er noch verborgen liegt.",
    "kurztext": "Bei Neustadt an der Dosse liegt ein grosser Hügel, den die Umgebung das Grab des Riesenkönigs nennt. Man sagt, hier liege ein mächtiger Riesenkönig begraben, der einst über das ganze Land herrschte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 108,
    "nr": "108",
    "titel": "Das Entstehen des Schwielungsees",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "An der Stelle des großen Schwielungsees bei Lieberose soll vor alten Zeiten ein großes Luch gewesen sein, das hat den Namen des Schweine- oder Schwienluchs gehabt; nachdem aber Markgraf Johannes die Mühlen zu Beeskow hat ausbessern und das Wasser hemmen lassen, hat sich die Spree in dieses Luch ergossen und folgends den See gebildet, der auch von der Zeit an geblieben.\n\nIn Trebatzsch, einem Dorfe, das an diesem See liegt, erzählt man sich ebenfalls, daß dort ehmals ein großes Elsbruch gewesen, das einmal bei einem großen Wasser versunken sei, und daher sollen sich denn auch noch oft ganze Baumstämme in demselben finden, aus denen auch viele der ältern Häuser des Dorfes gebaut seien.",
    "kurztext": "An der Stelle des großen Schwielungsees bei Lieberose soll vor alten Zeiten ein großes Luch gewesen sein, das hat den Namen des Schweine- oder Schwienluchs gehabt; nachdem aber Markgraf Johannes die Mühlen zu Beeskow hat ausbessern und das Wasser hemmen lassen, hat sich die Spree in dieses Luch ergossen und folgends den See gebildet, der auch von der Zeit an geblieben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 109,
    "nr": "109",
    "titel": "Der Markgrafenstein",
    "ort": "Bad Freienwalde",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7917,
    "lng": 14.0317,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Jetzt hat er seine Stelle verlassen und seine Gestalt in die große Granitschale verändert, die vor dem Museum in dem Lustgarten zu Berlin steht.\n\nAls dieser Stein noch an seiner alten Stelle lag, hörte man oft ein klägliches Winseln in demselben, das rührte von einer Müllertochter, Andere sagen von einer Prinzessin, her, welche der Teufel dort gefangen hielt. Die ist aber auf folgende Weise in die Hände des Bösen gekommen: Am ersten Pfingsttage ist es an vielen Orten der Mark und auch zu Rauen Gebrauch, daß den Kühen derjenigen Magd, welche ihr Vieh am Morgen zuletzt auf die Weide getrieben hat, ein bunter Kranz umgehängt wird, und man sagt dann schlechthin, sie habe die bunte Kuh bekommen, was gewöhnlich für eine große Schande gehalten wird. So hatte denn auch einmal die Tochter eines Müllers aus Rauen die Zeit verschlafen, und als sie ihre Kühe hinaustrieb, waren die der andern schon längst draußen. Das ging ihr so zu Herzen, daß sie bitterlich anfing zu weinen und sich verwünschte, daß ihr solches geschehen sei. Nun hatte aber der Teufel schon von alter Zeit her in dem Markgrafenstein sein Schloß und stand grade, als das Mädchen ihre Verwünschungen ausstieß, oben auf demselben; da flog er schnell hinab, packte sie und führte sie mit sich in den Stein, wo sie bis zum jüngsten Tage sitzt, und man ihr klägliches Gewinsel oft genug gehört hat. Ihr Bräutigam, der ein junger Müllerbursche war, hat sie zwar, als er ihr trauriges Loos erfuhr, zu retten versucht und den Stein mit gewaltigen Hammerschlägen sprengen wollen, jedoch ist es ihm nicht gelungen; rings um den Stein sah man aber noch lange nachher die tiefen Löcher, die er mit seinem Hammer hineingeschlagen.",
    "kurztext": "Als dieser Stein noch an seiner alten Stelle lag, hörte man oft ein klägliches Winseln in demselben, das rührte von einer Müllertochter, Andere sagen von einer Prinzessin, her, welche der Teufel dort gefangen hielt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 110,
    "nr": "110",
    "titel": "Der Nobelskrug",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieser Hügel heißt der Nobelskrug, und man sagt, daß er zum Andenken an einen Mord errichtet sei, der an dieser Stelle begangen wurde.\n\n111. Die verwünschte Prinzessin auf den Müggelsbergen. Beckmann und mündlich.\n\nBereits Beckmann (Beschreib. d. Mark Brandenb. I. 1098) erzählt »von einem gewissen Steine auf den Müggelsbergen, der auf einem etwas niedrigen Hügel liege, ungefähr 7 Fuß lang und 6 Fuß breit und von weißlicher Farbe sei, und unter dem, der Sage nach, ein Schatz verborgen liege.« Er sagt ferner: »Ingleichen erzählet man, daß sich vor diesem eine ansehnliche Jungfrau daselbst sehen lassen, welche vorgegeben, verwünscht zu sein, und, um davon befreit zu sein, verlanget hätte, um die Kirche von Köpenick herum getragen zu werden, so aber nicht gelingen wollen.« Es mag ihm aber wohl nicht der Mühe werth geschienen haben, Alles so genau und ausführlich zu berichten, wie man sichs heut noch in Müggelsheim und Köpenick erzählt.\n\nDer Stein, von dem er erzählt, liegt jetzt nicht mehr auf den Bergen; so erzählen wenigstens die Müggelsheimer, welche behaupten, die sämmtlichen Brunnen ihres Dorfes seien, nachdem er zersprengt worden, daraus gebaut. Sein Name war der Teufelsaltar, und an der Stelle, wo er gelegen, sieht man oft ein Feuer, das so hell leuchtet, daß man es sogar schon in Müggelsheim gesehen, ist man aber in seiner Nähe und spricht, so verschwindet es. Andere sagen auch, es sei kein Feuer, was einen solchen Schein verbreite, sondern eine große glänzende Kanne von gelber Farbe.\n\nIn Köpenick dagegen behauptet man, der Stein (den man hier den Prinzessinnenstein nennt) liege noch auf einem der Vorberge in der Nähe des Teufelssees, welcher hart am Fuße der Berge liegt und rings von dunkeln Fichten und Moorgrund umgeben ist. Das Wasser dieses Sees ist von dunkler, fast schwarzer Farbe, und obgleich er nur klein ist, hat man sich doch bis jetzt vergeblich bemüht, ihn zu ergründen. Ferner erzählt man von oben erwähntem Stein, er liege an der Stelle eines prächtigen Schlosses, in welchem eine schöne Prinzessin gewohnt, die nun verwünscht und mit dem Schloß in den Berg versunken sei. Sie kommt jedoch noch zuweilen zum Vorschein; unter dem Steine nämlich geht ein Loch tief in den Berg hinein, daraus sieht man sie Abends als altes Mütterchen am Stabe gebückt hervortreten. Andere haben sie auch, namentlich um Mittag, als schönes Weib am Ufer des Teufelssees sitzen sehen, wie sie sich im Wasser beschaute und ihre langen Haare kämmte. So sah sie einst ein kleines Mädchen aus Köpenick, das in der Nähe mit ihrer Mutter Beeren gesucht, von jener sich zu weit entfernt hatte und, da es dieselbe nicht wieder finden konnte, weinend im Walde umher irrte; da hats die Prinzessin denn mit sich hinuntergenommen in ihr Schloß und reich beschenkt nach kurzer Zeit wieder heraufgebracht.\n\nSieht man sie am Abend aus dem Berge hervorkommen, so erblickt man ein Kästchen, das schieres Gold enthält, in ihrer Hand; das soll der haben, welcher sie dreimal um die Kirche von Köpenick trägt und sich dabei nicht umsieht, denn dadurch wird sie erlöst. Einen hat's einmal nach dem Golde gelüstet und er hat das Wagstück unternommen. Da nahm er sie denn auf den Rücken, denn sie war federleicht und schritt mit ihr nach Köpenick zu, aber je näher er der Stadt kam, desto schwerer wurde sie; doch er hielt tapfer aus und kam endlich mit ihr zur Stadt. Nun begann er seinen Umgang um die Kirche, da aber erschienen plötzlich Schlangen und Kröten und allerhand scheußliche Thiere mit feurigen Augen, kleine Leute stürzten wild hinter ihm her und warfen ihn mit Holzblöcken und Steinen, aber er ließ sich durch das Alles nicht irren und schritt getrost vorwärts. So war er schon bis zum dritten Umgang gekommen und hatte fast seine Aufgabe vollendet, als er einen fürchterlich rothen Schein erblickte, wie wenn ganz Köpenick in Flammen stände, da vergaß er das Verbot und sah sich um, aber im Angenblick war auch Alles verschwunden und ein heftiger Schlag raubte ihm das Leben.\n\nAuf dem Kiez bei Köpenick wohnte vor vielen Jahren ein Fischer, Namens Buke, welcher die Fischerei auf der Müggel hatte. Der sah oft, wenn er am hellen Mittag seine Netze warf, einen mit vier Pferden bespannten Wagen, auf dem eine weiße Gestalt saß, von den Müggelsbergen herunterfahren; alle vier Pferde aber hatten keine Köpfe. Nachdem er nun mehrmals diese Erscheinung gehabt und er sie eines Tages abermals sah, war's ihm, als höre er eine Stimme, die ihm zurufe, er solle Nachts um 12 Uhr auf den Kirchhof zu Köpenick kommen und warten, da würde die Prinzessin erscheinen, und wenn er diese dreimal um die Kirche herumgetragen, ohne sich umzusehen, so würde dieselbe erlöst sein, und er den großen Schatz bekommen, der unter dem Steine liege. Da ist er denn auch Nachts hingegangen und hat seinen Marsch mit der Prinzessin auf dem Rücken begonnen, aber kaum war das geschehen, so sah er einen großen, gewaltig schwer beladenen Heuwagen heranfahren, den zogen vier kleine Mäuse, und das war ihm so grausig, daß er dem Wagen im Vorbeifahren unwillkührlich mit den Augen folgte, und sich endlich ganz umsah; aber in demselben Augenblick bekam er ein Paar derbe Ohrfeigen und Prinzessin und Wagen waren verschwunden. Andere sagen auch, er hätte keinen weiteren Spuk gesehen, aber seine Frau, die schon längst auf ihn eifersüchtig war, hätte ihn durch die Ohrfeigen zum Umsehn gebracht, und ihn tüchtig ausgescholten.",
    "kurztext": "Dieser Hügel heißt der Nobelskrug, und man sagt, daß er zum Andenken an einen Mord errichtet sei, der an dieser Stelle begangen wurde. Bereits Beckmann (Beschreib.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 111,
    "nr": "111",
    "titel": "Die verwünschte Prinzessin auf den Müggelsbergen",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieser Hügel heißt der Nobelskrug, und man sagt, daß er zum Andenken an einen Mord errichtet sei, der an dieser Stelle begangen wurde.\n\n111. Die verwünschte Prinzessin auf den Müggelsbergen. Beckmann und mündlich.\n\nBereits Beckmann (Beschreib. d. Mark Brandenb. I. 1098) erzählt »von einem gewissen Steine auf den Müggelsbergen, der auf einem etwas niedrigen Hügel liege, ungefähr 7 Fuß lang und 6 Fuß breit und von weißlicher Farbe sei, und unter dem, der Sage nach, ein Schatz verborgen liege.« Er sagt ferner: »Ingleichen erzählet man, daß sich vor diesem eine ansehnliche Jungfrau daselbst sehen lassen, welche vorgegeben, verwünscht zu sein, und, um davon befreit zu sein, verlanget hätte, um die Kirche von Köpenick herum getragen zu werden, so aber nicht gelingen wollen.« Es mag ihm aber wohl nicht der Mühe werth geschienen haben, Alles so genau und ausführlich zu berichten, wie man sichs heut noch in Müggelsheim und Köpenick erzählt.\n\nDer Stein, von dem er erzählt, liegt jetzt nicht mehr auf den Bergen; so erzählen wenigstens die Müggelsheimer, welche behaupten, die sämmtlichen Brunnen ihres Dorfes seien, nachdem er zersprengt worden, daraus gebaut. Sein Name war der Teufelsaltar, und an der Stelle, wo er gelegen, sieht man oft ein Feuer, das so hell leuchtet, daß man es sogar schon in Müggelsheim gesehen, ist man aber in seiner Nähe und spricht, so verschwindet es. Andere sagen auch, es sei kein Feuer, was einen solchen Schein verbreite, sondern eine große glänzende Kanne von gelber Farbe.\n\nIn Köpenick dagegen behauptet man, der Stein (den man hier den Prinzessinnenstein nennt) liege noch auf einem der Vorberge in der Nähe des Teufelssees, welcher hart am Fuße der Berge liegt und rings von dunkeln Fichten und Moorgrund umgeben ist. Das Wasser dieses Sees ist von dunkler, fast schwarzer Farbe, und obgleich er nur klein ist, hat man sich doch bis jetzt vergeblich bemüht, ihn zu ergründen. Ferner erzählt man von oben erwähntem Stein, er liege an der Stelle eines prächtigen Schlosses, in welchem eine schöne Prinzessin gewohnt, die nun verwünscht und mit dem Schloß in den Berg versunken sei. Sie kommt jedoch noch zuweilen zum Vorschein; unter dem Steine nämlich geht ein Loch tief in den Berg hinein, daraus sieht man sie Abends als altes Mütterchen am Stabe gebückt hervortreten. Andere haben sie auch, namentlich um Mittag, als schönes Weib am Ufer des Teufelssees sitzen sehen, wie sie sich im Wasser beschaute und ihre langen Haare kämmte. So sah sie einst ein kleines Mädchen aus Köpenick, das in der Nähe mit ihrer Mutter Beeren gesucht, von jener sich zu weit entfernt hatte und, da es dieselbe nicht wieder finden konnte, weinend im Walde umher irrte; da hats die Prinzessin denn mit sich hinuntergenommen in ihr Schloß und reich beschenkt nach kurzer Zeit wieder heraufgebracht.\n\nSieht man sie am Abend aus dem Berge hervorkommen, so erblickt man ein Kästchen, das schieres Gold enthält, in ihrer Hand; das soll der haben, welcher sie dreimal um die Kirche von Köpenick trägt und sich dabei nicht umsieht, denn dadurch wird sie erlöst. Einen hat's einmal nach dem Golde gelüstet und er hat das Wagstück unternommen. Da nahm er sie denn auf den Rücken, denn sie war federleicht und schritt mit ihr nach Köpenick zu, aber je näher er der Stadt kam, desto schwerer wurde sie; doch er hielt tapfer aus und kam endlich mit ihr zur Stadt. Nun begann er seinen Umgang um die Kirche, da aber erschienen plötzlich Schlangen und Kröten und allerhand scheußliche Thiere mit feurigen Augen, kleine Leute stürzten wild hinter ihm her und warfen ihn mit Holzblöcken und Steinen, aber er ließ sich durch das Alles nicht irren und schritt getrost vorwärts. So war er schon bis zum dritten Umgang gekommen und hatte fast seine Aufgabe vollendet, als er einen fürchterlich rothen Schein erblickte, wie wenn ganz Köpenick in Flammen stände, da vergaß er das Verbot und sah sich um, aber im Angenblick war auch Alles verschwunden und ein heftiger Schlag raubte ihm das Leben.\n\nAuf dem Kiez bei Köpenick wohnte vor vielen Jahren ein Fischer, Namens Buke, welcher die Fischerei auf der Müggel hatte. Der sah oft, wenn er am hellen Mittag seine Netze warf, einen mit vier Pferden bespannten Wagen, auf dem eine weiße Gestalt saß, von den Müggelsbergen herunterfahren; alle vier Pferde aber hatten keine Köpfe. Nachdem er nun mehrmals diese Erscheinung gehabt und er sie eines Tages abermals sah, war's ihm, als höre er eine Stimme, die ihm zurufe, er solle Nachts um 12 Uhr auf den Kirchhof zu Köpenick kommen und warten, da würde die Prinzessin erscheinen, und wenn er diese dreimal um die Kirche herumgetragen, ohne sich umzusehen, so würde dieselbe erlöst sein, und er den großen Schatz bekommen, der unter dem Steine liege. Da ist er denn auch Nachts hingegangen und hat seinen Marsch mit der Prinzessin auf dem Rücken begonnen, aber kaum war das geschehen, so sah er einen großen, gewaltig schwer beladenen Heuwagen heranfahren, den zogen vier kleine Mäuse, und das war ihm so grausig, daß er dem Wagen im Vorbeifahren unwillkührlich mit den Augen folgte, und sich endlich ganz umsah; aber in demselben Augenblick bekam er ein Paar derbe Ohrfeigen und Prinzessin und Wagen waren verschwunden. Andere sagen auch, er hätte keinen weiteren Spuk gesehen, aber seine Frau, die schon längst auf ihn eifersüchtig war, hätte ihn durch die Ohrfeigen zum Umsehn gebracht, und ihn tüchtig ausgescholten.",
    "kurztext": "Dieser Hügel heißt der Nobelskrug, und man sagt, daß er zum Andenken an einen Mord errichtet sei, der an dieser Stelle begangen wurde. Bereits Beckmann (Beschreib.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 112,
    "nr": "112",
    "titel": "Der Spuk am Teufelssee",
    "ort": "Teufelssee",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Ein Mann aus Köpenick war einst am Johannistage nach Müggelsheim gefahren, hatte sich dort aber etwas verspätet, so daß es finster war, als er den Heimweg antrat. Wie er nun an den Teufelssee kommt, stutzen seine Pferde plötzlich und wollen nicht vorwärts, so daß ihm ganz unheimlich zu Muthe wird und er sie nun mit aller Macht antreibt; da bäumten sie sich auf und liefen in gestrecktem Lauf davon, aber in den Fichten ließ sich ein wunderbares Getöse hören, und allerhand seltsame Gestalten flogen zwischen den Bäumen dahin, so daß er Gott dankte, als er endlich glücklich nach Hause kam.\n\nAuch Beckmann sagt am oben angeführten Orte »wie man vorgebe, daß dort zu Zeiten ein Getöse von Jagdhörnern und Gebell von Hunden gehört werde.«",
    "kurztext": "Ein Mann aus Köpenick war einst am Johannistage nach Müggelsheim gefahren, hatte sich dort aber etwas verspätet, so daß es finster war, als er den Heimweg antrat.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 113,
    "nr": "113",
    "titel": "Mädchen vom Wassermann gespeis't",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ganz betrübt ging sie nun nach Hause, um die Nachbarsleute aufzubieten, daß sie ihr Kind suchen hülfen, und die gingen auch mit in den Wald, hörten, als sie das Kind bei Namen riefen, ebenfalls seine antwortende Stimme, konnten es aber gleichfalls nicht finden. So suchte man zwei Tage lang, und kam endlich auch an eine moorige Stelle in der Gegend des Teufelssees, wo man das Mädchen halb im Moor steckend fand; zu Aller Verwunderung war es frisch und gesund, und erzählte, wie alle Tage um Mittag ein freundlicher alter Mann aus dem See gekommen sei, der ihr schönes Essen gebracht, wie sie nie zuvor gegessen habe. Darauf ging sie nun mit der Mutter nach Hause, wurde aber bald krank, denn sie sehnte sich immer wieder zurück nach dem See und dem Manne, der ihr so schönes Essen gebracht. Wenige Tage nur lebte sie noch; der Wassermann hatte es ihr angethan.",
    "kurztext": "Ganz betrübt ging sie nun nach Hause, um die Nachbarsleute aufzubieten, daß sie ihr Kind suchen hülfen, und die gingen auch mit in den Wald, hörten, als sie das Kind bei Namen riefen, ebenfalls seine antwortende Stimme, konnten es aber gleichfalls nicht finden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 114,
    "nr": "114",
    "titel": "Der Name von Köpenick",
    "ort": "Köpenick (Berlin)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.4489,
    "lng": 13.5825,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Vor alten Zeiten war einmal ein alter Fischer, der in der Nähe von Köpenick seinem Gewerbe nachging, und namentlich am Müggelsee seine Netze auszuwerfen pflegte. Da geschah es einst, daß er auch dort war, und ein großer Krebs vom See ans Ufer geschwommen kam, ihn anredete und sagte, er wolle ihm vieles Glück bringen und ihn zum reichen Manne machen, wenn er ihn aus dem Wasser nähme und nach dem ersten Orte jenseit der Spree brächte. Darauf nahm der Fischer den Krebs und ging mit ihm nach Köpenick zu, wo er uneingedenk dessen, was derselbe gesagt, ihn auf den Markt brachte, um ihn zu verkaufen. Da das Thier so groß war, fand sich auch bald ein Käufer; aber da begann der Krebs auf einmal zu rufen: »Kööp nich! Kööp nich!« Nun gedachte der Fischer wieder an die Bedingung, nahm seinen Krebs und ging weiter. Darauf setzte er über die Spree und kam nach Stralow, wo er den Krebs um vieles Geld verkaufte. Zum Andenken aber der Worte, die der Krebs dort vor allen Leuten auf dem Markt gesprochen, wurde die Stadt Köpenick genannt, und die Stralower zeigen noch alljährlich am Tage des großen Fischzugs, am 24sten August, den großen Krebs, der von Köpnick dahin gebracht wurde.",
    "kurztext": "Der Name von Köpenick. Vor alten Zeiten war einmal ein alter Fischer, der in der Nähe von Köpenick seinem Gewerbe nachging, und namentlich am Müggelsee seine Netze auszuwerfen pflegte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 115,
    "nr": "115",
    "titel": "Spukgestalten in Köpenick",
    "ort": "Köpenick",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.445,
    "lng": 13.5754,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun aber läßt's ihr keine Ruhe im Grabe und sie geht im Schlosse um; namentlich aber sieht man ihren weißen Schleier oft des Nachts von der Plattform desselben herabwehen.\n\nAbends und Nachts sieht man oft in Köpenick einen großen grauen Hund mit feurigen Augen herumgehen, der heißt Morro und hat sein Lager im Sande bei der Pyramidenbrücke; besonders sieht man ihn vor den Häusern gewisser Leute sitzen und sie gleichsam bewachen. Namentlich saß er oft stundenlang an der Thür eines langen dürren Friseurs, der in seiner ganzen Erscheinung so recht etwas Grauenhaftes hatte.\n\nAuch sieht man um die Nachtzeit oft einen Reiter ohne Kopf auf einem Schimmel durch die Straßen von Köpenick reiten, dem Hunde nachfolgen, die gleichfalls keinen Kopf haben. Ganz dieselbe Erscheinung zeigt sich auch in Straußberg und andern Orten.",
    "kurztext": "Nun aber läßt's ihr keine Ruhe im Grabe und sie geht im Schlosse um; namentlich aber sieht man ihren weißen Schleier oft des Nachts von der Plattform desselben herabwehen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 116,
    "nr": "116",
    "titel": "Die drei Linden auf dem Kirchhofe",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Das Wunderbarste an diesen Bäumen war, daß sie mit den Kronen in die Erde gepflanzt waren und dennoch ein so herrliches Wachsthum erreicht hatten; aber dieses Wunder hatte auch die göttliche Allmacht gewirkt, um einen Unschuldigen vom Tode zu erretten. Vor vielen vielen Jahren lebten nämlich zu Berlin drei Brüder, die mit der herzlichsten Liebe einander zugethan waren und mit Leib und Leben für einander einstanden. So lebten sie glücklich und zufrieden, als dies Glück plötzlich durch einen Vorfall gestört wurde, den wohl keiner hätte ahnen können. Denn so unbescholtenen Wandels auch alle drei bisher gewesen waren, wurde doch der eine desselben des Meuchelmordes angeklagt, und sollte, obgleich er noch kein Geständniß gethan, da alle Umstände die ihm zu Last gelegte That wahrscheinlich machten, den Tod erleiden. Noch saß er im Gefängnisse, als eines Tags seine beiden Brüder vor dem Richter erschienen, und jeder derselben sich des begangenen Mordes schuldig erklärte. Kaum hatte dies der zum Tode verurtheilte vernommen, als auch er, indem er erkannte, daß seine Brüder ihn nur retten wollten, der That geständig wurde und so statt eines Thäters auf einmal drei vor Gericht standen, von denen jeder mit gleichem Eifer behauptete, daß er allein jenen Mord begangen. Da wagte der Richter nicht den Urtheilsspruch an dem ersten zu vollstrecken, sondern legte den Fall zuvor noch einmal dem Kurfürsten vor, welcher verordnete, daß hier ein Gottesurtheil entscheiden solle. Er befahl daher, ein jeder der drei Brüder solle eine junge, gesunde Linde mit der Krone in das Erdreich pflanzen, so daß die Wurzeln nach oben stünden; wessen Baum dann vertrocknen würde, den hätte Gott selbst dadurch als den Thäter bezeichnet. Dies Urtheil wurde auch sogleich beim Anbruch des Frühlings vollzogen, und siehe da! nur wenige Wochen vergingen und alle drei Bäume, die man auf dem Heiligen-Geist-Kirchhofe gepflanzt hatte, bekamen frische Triebe, und wuchsen bald zu kräftigen Bäumen heran. So ward denn die Unschuld der drei Brüder erwiesen, und die Bäume haben noch lange in üppiger Kraft an der alten Stelle gestanden, bis sie endlich verdorrt sind und anderen Platz gemacht haben.",
    "kurztext": "Das Wunderbarste an diesen Bäumen war, daß sie mit den Kronen in die Erde gepflanzt waren und dennoch ein so herrliches Wachsthum erreicht hatten; aber dieses Wunder hatte auch die göttliche Allmacht gewirkt, um einen Unschuldigen vom Tode zu erretten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 117,
    "nr": "117",
    "titel": "Der Neidkopf",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So trat er auch einst in die ärmliche Hütte eines Goldschmieds in der Heiligengeiststraße, den er schon mehrere Male bis zum späten Abend thätig gefunden an dem er aber auch zu gleicher Zeit bemerkt hatte, daß er bei rastloser Arbeit nur wenig vorwärts kam. Der König ließ sich nun in ein Gespräch mit dem Manne ein und erfuhr, daß er gern noch mehr arbeiten würde, wenn es ihm nicht gar zu oft an Gelde fehlte, das nöthige Gold und Silber zu kaufen. Da befahl ihm der Monarch, ein goldenes Service zu fertigen und ließ ihm dazu das Metall aus der Schatzkammer liefern. Mehrmals besuchte er ihn nun während der Arbeit, und freute sich über die Geschicklichkeit und den Fleiß des Mannes; als er so auch eines Tages bei ihm weilte, bemerkte er an einem Fenster des gegenüber gelegenen Hauses zwei Frauen, die dem Goldschmied, der am offenen Fenster arbeitete, sobald er nur aufsahe, die abscheulichsten Gesichter zogen, und erfuhr auf sein Befragen, daß dies die Frau und Tochter eines reichen Goldschmieds seien, die ihm ihren Neid über sein unverhofftes Glück auf diese sonderbare Weise kund gäben. Da beschloß der Monarch die Mißgunst derselben zu strafen, indem er dem Goldschmied nach einiger Zeit ein ganz neues Haus bauen und an demselben den Neidkopf anbringen ließ, so daß sie nun, wenn sie aus dem Fenster sahen, das Bild ihrer eigenen verzerrten Züge stets in demselben erblicken konnten. Dieser Neidkopf ist nämlich der Kopf einer Frau, den Schlangen statt der Haare umwinden, und in den Zügen desselben ist Neid und Mißgunst auf die widrigste Weise ausgeprägt. Das Haus, welches der König dem Goldschmied bauen ließ, sowie der daran angebrachte, aus Stein gemeißelte Kopf sind noch vorhanden, und wer es sehen will, der gehe nach der Heiligengeiststraße Nummer 38.",
    "kurztext": "So trat er auch einst in die ärmliche Hütte eines Goldschmieds in der Heiligengeiststraße, den er schon mehrere Male bis zum späten Abend thätig gefunden an dem er aber auch zu gleicher Zeit bemerkt hatte, daß er bei rastloser Arbeit nur wenig vorwärts kam.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 118,
    "nr": "118",
    "titel": "Der fliegende Chorschüler",
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    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nun hatte er aber seinen weiten Mantel um, der bis unten hinab zugeknöpft war, so daß sich sogleich der Wind darunter fing, den Fall hemmte und ihn wohlbehalten und unversehrt mitten auf den Markt hinabtrug, wo er zur größten Verwunderung der Käufer und Verkäufer ankam. Ob er jetzt seinen Gefährten ihren Antheil am Gewinn gegeben, weiß ich nicht, sie mögen aber auch wohl nicht mehr danach verlangt haben.",
    "kurztext": "Nun hatte er aber seinen weiten Mantel um, der bis unten hinab zugeknöpft war, so daß sich sogleich der Wind darunter fing, den Fall hemmte und ihn wohlbehalten und unversehrt mitten auf den Markt hinabtrug, wo er zur größten Verwunderung der Käufer und Verkäufer ankam.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 119,
    "nr": "119",
    "titel": "Die weiße Frau im Schlosse",
    "ort": "Rhinow",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7667,
    "lng": 12.3167,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "So erschien sie zuerst im J. 1598, als der Kurfürst Johann George starb, und hat sich seitdem bei jedem Todesfalle wieder gezeigt. So still und harmlos sie nun auch gewöhnlich ist, so zornig kann sie doch werden, wenn sie beleidigt wird, was sich zur Zeit des großen Kurfürsten einmal deutlich zeigte: sie erschien nämlich in den Jahren 1659 und 1660, kurz vorher, ehe die Mutter des Kurfürsten starb, mehrmals, und der damalige Oberstallmeister v. Burgsdorf äußerte unterschiedliche Male, daß ihn wohl sie zu sehen verlange, denn er war ein beherzter und kühner Mann. Da währte es denn auch nicht lange, so zeigte sie sich ihm, als er Abends eben den Kurfürsten verlassen, und die Stiege nach dem Garten, wohin er sein Pferd beschieden hatte, hinunterging. Er fuhr sie darauf zornig an, indem er sie fragte, ob sie noch nicht Fürstenblut genug gesoffen und noch mehr haben wolle, worauf sie ihn statt aller Antwort mit solcher Gewalt die Treppe hinunter warf, daß ihm die Rippen krachten; jedoch erlitt er dadurch keinen weitern Schaden.\n\nDie Erzählungen darüber, wer diese weiße Frau eigentlich sei, sind verschieden. Es wird nämlich berichtet, daß der Kurfürst Johann George, obgleich er seinem Vater, Joachim dem Zweiten, noch auf dem Todbette versprochen habe, die Geliebte desselben, die schöne Gießerin Anna Sydow, auf keine Weise zu kränken noch zu verunehren, dieselbe dennoch nach dem Tode desselben nach Spandow bringen ließ, wo sie endlich im Gefängniß starb. Seit dieser Zeit erscheine sie nun im Hohenzollernschen Hause als Tod verkündender Geist.\n\nAndere sagen, die weiße Frau sei früher eine Gräfin von Orlamünde, Namens Agnes, und die Gemahlin des Grafen Otto, der im dreizehnten oder vierzehnten Jahrhundert lebte, gewesen. Als ihr Gemahl starb und ihr zwei Kinder hinterließ, saß sie auf der Plassenburg und dachte daran, sich wieder zu vermählen. Einstens wurde ihr die Rede Albrechts des Schönen, Burggrafen zu Nürnberg, hinterbracht, der gesagt hatte: »gern wollt ich dem schönen Weib meinen Leib zuwenden, wo nicht vier Augen wären!« Die Gräfin glaubte, er meinte damit ihre zwei Kinder, sie ständen der neuen Ehe im Weg; da trug sie, blind von ihrer Leidenschaft, einem Dienstmanne, Hayder oder Hager genannt, auf, und gewann ihn mit reichen Gaben, daß er die beiden Kindlein umbringen möchte. Der ging auch hin, die That zu vollführen; da sollen die Kinder ihm geschmeichelt und ängstlich gebeten haben: »lieber Hayder, laß mich leben, ich will dir Orlamünden geben, auch Plassenburg des neuen, es soll dich nicht gereuen,« sprach das Knäblein; das Töchterlein aber: »lieber Hayder, laß mich leben, ich will dir alle meine Docken geben!« aber der Mörder wurde hierdurch nicht gerührt. Später, als er noch andere Bubenstücke ausgerichtet hatte und gefangen auf der Folter lag, bekannte er: »so sehr ihn der Mord des jungen Herrn reue, der in seinem Anbieten doch schon gewußt habe, daß er Herrschaften auszutheilen gehabt, so gereue ihn noch hundert Mal mehr, wenn er der unschuldigen Kinderworte des Mägdleins gedenke.« – Nach andrer Sage hat die Gräfin die Kinder selbst getödtet, und zwar hätte sie Nadeln in ihre zarten Hirnschalen gesteckt. Der Burggraf hatte aber unter den vier Augen die seiner Eltern gemeint und heiratete hernach die Gräfin dennoch nicht. Diese soll nachher fürchterliche Buße gethan haben und ihr Geist seit ihrem Tode umgehn, so den Rest ihrer Schuld abzubüßen. Bis das geschehen, erscheint sie den Hohenzollern, ihnen ihre Seligkeit neidend.\n\nEndlich wird erzählt: Perchta oder Berta, eine geborne Hohenzollern (oder nach andern eine von Rosenberg) war an Johann von Lichtenstein (oder an Mathes von Rosenberg) auf Schloß Neuhaus in Böhmen verheiratet. Er war ein störrischer, wüster Gesell, und oftmals bat sie ihn, seinen Lebenswandel zu ändern, aber es fruchtete immer nur kurze Zeit, und er verfiel bald wieder in die alte Schwelgerei, bis er sich endlich eine schwere Krankheit zuzog und erst auf dem Todbette erkannte, wie viel besser er gethan, wenn er den Lehren seines treuen Weibes gefolgt wäre. Auch sie starb bald danach, aber ihr Geist erscheint noch im Rosenbergschen Hause und in allen, die mit demselben durch Heirat verwandt geworden sind, um bis in alle Ewigkeit für die Seligkeit der Ihrigen zu sorgen.",
    "kurztext": "Die Erzählungen darüber, wer diese weiße Frau eigentlich sei, sind verschieden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "120",
    "titel": "Der Hase im Schloßkeller",
    "ort": "Schloßkeller",
    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Hier stand, als die alte Bürgergarde noch bestand, eines Nachts ein Gardist auf der Wacht, und hörte eben, daß die Uhr im Dom zwölfe schlug; da vernimmt er ein gewaltiges Rasseln und sieht auch gleich darauf den Hasen mit den feurigen Augen dahergesprungen kommen, der hatte ein großes Bund Schlüssel, nahm einen derselben hervor und schloß die Kellerthür auf. In demselben Augenblick hatte sich der Gardist vom ersten Schrecken erholt und wollte mit seinem Säbel nach ihm hauen, aber da flog auch die Thür schon wieder zu und der Hase ist nicht wieder zum Vorschein gekommen.",
    "kurztext": "Hier stand, als die alte Bürgergarde noch bestand, eines Nachts ein Gardist auf der Wacht, und hörte eben, daß die Uhr im Dom zwölfe schlug; da vernimmt er ein gewaltiges Rasseln und sieht auch gleich darauf den Hasen mit den feurigen Augen dahergesprungen kommen, der hatte ein großes Bund Schlüssel, nahm einen derselben hervor und schloß die Kellerthür auf.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "121",
    "titel": "Das sonderbare Bild im Schloßhofe",
    "ort": "Schloßhofe",
    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Das kam aber bald an den Tag, und der König befahl nun, daß ihre Schande recht offenbar gemacht und in dem Bilde auf dem Schloßhofe zur ewigen Warnung vor gleicher Sünde dargestellt werden solle.",
    "kurztext": "Das kam aber bald an den Tag, und der König befahl nun, daß ihre Schande recht offenbar gemacht und in dem Bilde auf dem Schloßhofe zur ewigen Warnung vor gleicher Sünde dargestellt werden solle.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "titel": "Das heimliche Gericht",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In dem ältesten an der Spree gelegenen Theile des Schlosses zu Berlin, sagt man, befinde sich noch von alten Zeiten her in dem Thurme, welcher der grüne Hut heißt, eine steinerne Figur, eine Jungfrau, mit einem Schwerte in jeder Hand. Hierher sollen vor Alters Verbrecher, die man nicht öffentlich hinrichten wollte, geführt sein, und sobald sie vor die Bildsäule getreten, hätten die Schwerter mittelst eines Federdruckes denselben augenblicklich das Haupt vom Rumpfe getrennt; der Körper wäre aber dann durch eine Fallthür tief hinab in den Thurm gestürzt, wo er dann bei Kröten und Molchen vermodert.",
    "kurztext": "In dem ältesten an der Spree gelegenen Theile des Schlosses zu Berlin, sagt man, befinde sich noch von alten Zeiten her in dem Thurme, welcher der grüne Hut heißt, eine steinerne Figur, eine Jungfrau, mit einem Schwerte in jeder Hand.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "titel": "Die gespenstigen Mäher",
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    "kategorie": "Sagenwesen",
    "volltext": "Es wurden plötzlich viel Mannspersonen auf dem Felde gesehen, erstlich funfzehn, danach noch zwölfe, und waren die letzten noch gräßlicher und abscheulicher anzusehen, als die ersten, denn sie waren ganz ohne Häupter. Alle siebenundzwanzig hieben mit ihren Sensen mit aller Gewalt in den Hafer, daß man es hörte rauschen, und gleichwohl blieb der Hafer stehen. Da das Gerücht hiervon nach Hofe kam, gingen viele Leute hinaus, solch Wunder mit anzusehen; als aber die Männer gefragt wurden, wer sie wären, woher sie gekommen und was sie machten, antworteten sie nichts, sondern hieben immer fort in den Hafer. Und als die Leute bisweilen hinzutraten und sie angreifen wollten, entwuschten sie ihnen, liefen geschwind hinweg und hieben nichts desto weniger unter dem Laufen in den Hafer. Da nun die Leute wieder in die Stadt kamen und gefragt wurden, wofür sie diese Männer ansähen, gaben sie zur Antwort, daß sie dieselben für böse Geister hielten. Deswegen ließ der damalige Kurfürst Joachim der Andere, die vornehmsten Prediger in der Mark versammeln, von ihnen zu erfahren, was durch solches Gesicht bedeutet würde; diese aber hielten dafür, daß dadurch göttliche Strafe der Pestilenz sollte angezeigt werden.",
    "kurztext": "Es wurden plötzlich viel Mannspersonen auf dem Felde gesehen, erstlich funfzehn, danach noch zwölfe, und waren die letzten noch gräßlicher und abscheulicher anzusehen, als die ersten, denn sie waren ganz ohne Häupter.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "titel": "Der Teufel zu Spandow",
    "ort": "Spandow",
    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "II. Das Havelland und die Grafschaft Ruppin.\n\n124. Der Teufel zu Spandow. Mündlich. Kehrberg: histor. chron. Abriß der Stadt Königsberg i.d.N.M.I. S. 193.\n\nWenn die Spandower und Pichelsdorfer Fischweiber an den Markttagen mit ihren schmalen Fahrzeugen auf der Spree dahin rudern, so rufen ihnen wohl die Knaben in ihrem Uebermuth zu: »Hule, hule, hule! Watt macht der Deibel in Spandow?« worüber sie gar böse werden können, und dem Spötter, wenn es ihnen möglich ist, ihn zu erreichen, seine Worte damit vergelten, daß sie ihn tüchtig naß machen. Ueber den gleichen Zuruf müssen sich auch die Kiezer aus Köpenick ärgern, und daß sie's eben thun, zeigt, daß sie wohl Grund dazu haben mögen. Diesen kennt man jedoch nicht, indeß hat vielleicht zum Gespött über die Spandower dies den Grund gegeben.\n\nIm Jahre 1595 zeigten sich zu Spandow, Friedeberg und andren Orten gar viele Besessene, weshalb auf Kurfürstlichen Befehl allgemein im Lande Betstunden gehalten wurden. Zu Spandow besonders war die Anzahl derer, welche vom Teufel geplagt wurden, gar groß, und hatten diese es sich wohl selber zuzuschreiben. Denn es war dort ein gemeiner Gebrauch, wenn jemand etwas bestätigen wollen, daß er gesagt, sei's nicht wahr, so solle ihn der Teufel holen, und wenn man einem etwas Uebels gewünschet, man gesprochen, daß ihm ganze Fässer und Scheffel voll Teufel in den Leib fahren möchten. Darauf sind denn bereits im Jahre 1594 viele Bürger, jung und alt, leiblich besessen und von den Teufeln gequälet worden, welche geschrieen: »Ihr habt uns gerufen, wir haben einmal kommen müssen!« Aber auch früher schon hatte es dem Teufel in Spandow gar wohl gefallen, denn bereits im Jahre 1584 war er vor die Stadt gekommen, und hatte dort als ein reicher Krämer mit großem Kragen feil gestanden und großen Zulauf gehabt, die Käufer aber waren nachher alle besessen worden, bis Buße erfolgt.",
    "kurztext": "Das Havelland und die Grafschaft Ruppin. Wenn die Spandower und Pichelsdorfer Fischweiber an den Markttagen mit ihren schmalen Fahrzeugen auf der Spree dahin rudern, so rufen ihnen wohl die Knaben in ihrem Uebermuth zu: »Hule, hule, hule!",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "titel": "Der Sackpfeifer und der Wolf",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als man um das Ende des siebzehnten Jahrhunderts in der Nähe von Spandow, um die Wölfe zu fangen, Wolfsgruben gemacht hatte, welche unten weit, oben aber etwas enge und mit glatten Brettern ausgelegt waren, trug sich's zu, daß ein Sackpfeifer, der in Spandow von seinem Gewerbe sich einen Trunk zu Gute gethan, des Weges gekommen und in eine solche Grube hineingefallen ist, sich aber sehr verwundert hat, als er gewahr worden, daß die Stelle schon mit einem Wolf besetzt gewesen, welcher dazu über diese hastige Zusprache etwas beunruhigt worden, und sein Mißfallen mit Weisung seiner Zähne zu verstehen gegeben hat. Hierüber hätte der verirrte Musikus sich nun wohl einige verlegene Gedanken machen sollen: allein der noch frische Rausch hat ihm einen so guten Muth zugesprochen, daß er seine Sackpfeife zur Hand nimmt und dem Wolf eins vorspielet, der auch nicht faul gewesen und mit seiner durchdringenden Stimme, dem Concert einen guten Nachdruck gegeben und der Sackpfeife accompagniret. Wobei jedoch der Sackpfeifer nach seinen Pausen von der Instrumental- zur Vocalmusik geschritten und bald ein Adagio, bald ein Presto, endlich auch ein Lamento angestimmet, und die Jäger solchergestalt herzugebracht, welche ihn von dem gefährlichen Bassisten befreiet.",
    "kurztext": "Als man um das Ende des siebzehnten Jahrhunderts in der Nähe von Spandow, um die Wölfe zu fangen, Wolfsgruben gemacht hatte, welche unten weit, oben aber etwas enge und mit glatten Brettern ausgelegt waren, trug sich's zu, daß ein Sackpfeifer, der in Spandow von seinem Gewerbe sich einen Trunk zu Gute gethan, des Weges gekommen und in eine solche Grube hineingefallen ist, sich aber sehr verwundert hat, als er gewahr worden, daß die Stelle schon mit einem Wolf besetzt gewesen, welcher dazu über diese hastige Zusprache etwas beunruhigt worden, und sein Mißfallen mit Weisung seiner Zähne zu verstehen gegeben hat.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "126",
    "titel": "Jazco von Köpnick",
    "ort": "Köpnick",
    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dicht am Einfluß in den genannten See bildet die Havel mit demselben eine sich ziemlich weit hin erstreckende Landzunge, die an ihrem äußersten Ende steil zum Wasser abfällt. Bis zu diesem Punkte soll einmal in alten Kriegszeiten ein Ritter, von seinen Feinden verfolgt, gekommen sein; bei seiner eiligen Flucht hatte er aber nicht bemerkt, daß ihm hier kein Ausweg sich darbiete, und die Feinde riefen daher bereits triumphirend: »Nun haben wir ihn wie in einem Sack«, woher auch dies Stück Landes den Namen »der Sack« erhalten hat. Aber der Ritter ließ den Muth nicht sinken und versuchte noch das letzte Mittel der Rettung; er gab seinem Rosse die Sporen und stürzte sich mit ihm in den See; das kräftige Thier strengte alle Kraft an und brachte seinen Herrn glücklich an eine drüben in den See hineinragende Spitze. Da hing der Ritter zum ewigen Andenken an den gefahrvollen Ritt Schild und Speer an einer Eiche auf und darum heißt die Landzunge bis auf den heutigen Tag das Schildhorn. –\n\nEinige sagen, der Vorfall habe sich im dreißigjährigen Kriege zugetragen, noch Andere erzählen, es sei der alte Fritz gewesen, der sich so gerettet. Die Gelehrten aber meinen: das sei der Fürst Jacze oder Jazco von Köpenick gewesen. Als nämlich der letzte Wendenfürst zu Brandenburg, Pribislav, (sein christlicher Name war Heinrich) im J. 1141 gestorben war und Markgraf Albrecht der Bär die Stadt und das dazu gehörige Land, vermöge des mit Pribislav geschlossenen Erbvertrages, in Besitz nahm, blieb er in diesem ungestört bis zum Jahre 1156, wo der genannte Jacze, der Oheim Pribislav's, nachdem er ein starkes Heer gesammelt und die Besatzung von Brandenburg, die zum Theil aus Slaven bestand, bestochen hatte, auch Albrecht grade von seinen Landen entfernt war, sich plötzlich Brandenburgs bemächtigte, und von hier aus den Christen vielen Schaden zufügte. Da ließ sich Albrecht die Brandenburgische Erbschaft von neuem durch Kaiser Friedrich Barbarossa bestätigen, sammelte schnell ein Heer, bot seine nächsten Nachbarn, besonders den Erzbischof Wiger von Magdeburg zur Hülfe auf, und rückte nun eiligst vor Brandenburg, das er auf drei Seiten, namentlich auch zu Schiffe angriff. Da wurde zwar sein Schwestersohn Werner der junge von Veltheim (oder von Osterburg) von den Wenden erschlagen, und viele biderbe Leute, aber er gewann doch endlich im J. 1157 die Stadt wieder. Jazco soll geflohen, bei Spandow noch einmal geschlagen und in Folge seiner glücklichen Flucht über die Havel Christ geworden sein.",
    "kurztext": "Dicht am Einfluß in den genannten See bildet die Havel mit demselben eine sich ziemlich weit hin erstreckende Landzunge, die an ihrem äußersten Ende steil zum Wasser abfällt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "127",
    "titel": "Die Römerschanze und der Kirchberg bei Potsdam",
    "ort": "Potsdam",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.3906,
    "lng": 13.0645,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Es soll nämlich hier, als die christliche Lehre in diesen Landen sich verbreitete, die erste christliche Kirche gestanden haben und später zerstört sein.",
    "kurztext": "Etwa eine halbe Meile von Potsdam, der Netlitzer Fähre gegenüber am Krampnitzsee, liegt auf einer Anhöhe, die sehr steil zum Wasser abfällt, nach der Landseite zu aber flacher ist, jedoch hier ehemals durch einen Graben, der jetzt halb verfallen ist,.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "128",
    "titel": "Die gestohlene Katze",
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    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als dies geschehen war, spannte er seine Pferde aus und brachte sie wie gewöhnlich in den Stall eines ihm bekannten Brauers. Hier bemerkte er eine große schwarze Katze, die ihm sehr gefiel, und da man dergleichen Thiere zu nehmen nicht für Diebstahl hält, so lockte er sie an sich, fing sie und nahm sie mit nach Hause, damit sie seine Stallkatze würde. Als er hier ankam, brachte er sie in die Stube des Bauern, damit sie sich erst an die Hausbewohner gewöhne, setzte ihr Milch vor und streichelte ihr den Rücken, so daß sie einen krummen Buckel machte und es ihr bereits ganz wohl zu werden anfing. Drauf legte sie sich hinter die Hölle und schlief ein. Mitten in der Nacht, es war grade zwischen zwölf und eins, wacht der Bauer auf, denn er hört, daß es von der Hölle her ganz laut ruft: »Watt sall ick denn brengen? Watt sall ick denn brengen?« »I, sagt der Bauer, einen halben Scheffel Waizen!« und schläft wieder ein. Nicht lange, so hört er's wieder rufen, und sagt diesmal einen halben Scheffel Gerste, darauf verlangt er noch andres, bis es endlich im Thurm eins schlägt, die Stimme nicht mehr fragt und er wieder in Schlaf fällt. Früh Morgens, als er aufwacht, findet er Waizen, Gerste und alles übrige Verlangte vor der Thür stehn, und will sich eben recht über die prächtige Katze freuen, als der Brauer, dem einer gesagt haben mußte, daß sie der Knecht mitgenommen, sie ihm abfordern und zugleich dem Knecht verkündigen läßt, daß er sich nie wieder unterstehen solle, irgend etwas von seinem Hofe mit wegzunehmen. Die Katze war nämlich ein Kobold und darum konnte auch der Brauer über ihren Raub mit Recht erzürnt sein.",
    "kurztext": "Als dies geschehen war, spannte er seine Pferde aus und brachte sie wie gewöhnlich in den Stall eines ihm bekannten Brauers.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 129,
    "nr": "129",
    "titel": "Die Todtenfahrt",
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    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Då is mål ens to Göttin en Fischer west, dee hett siin goot Broot hatt, wiil hee Dach unn Nacht up de Beine west is; dee hett ook mål noch späte uppen Åmnd siin Tüüch an de Hårel drööcht (am Abend seine Netze an der Havel getrocknet) unn as hee eemnd (eben) dåmett färig (fertig) is, höört hee, dett eener von de änner Siit (Seite), då wo de Röverbarch liggt, roopt: »Hål aar (Hol' über)«. Wiil ett nu åver all (schon) späte was, verwunnert hee sick unn frågt: »Wer is denn då?« åver dee uppen Röverbarch sett (sagt) wiier nist as: »Hål man aar«, unn då hett hee siinen Kån losmåkt unn is aarfüürt. As hee nu upp de aenner Siie (Seite) ankåmen deee (ankommen that), stund då sonnen grooten schwarten Keerel, dee sett: »Füür mii aar!« unn dunn nåm de Fischer siin Rüüel (Ruder) unn füürt emm aar. Åver hee hadde knapp vonnet Land afstooten (abgestoßen), då sunk dat Enge (Ende), wo de Schwarte satt (saß) ganz deep int Wåter unn de Fischer kåm ganz hoch in de Höcht to sitten, so datt hee in siinen Sinn dachte, »wenn de doch man eerscht nå Huus wäärscht (wärest)!« Dunn rüüelt hee mett alle siine Kraft unn brengt ook tolest den Kån glücklich aar. As se nu ant Land weeren, sprung de Schwarte ruut unn sett: »det Fehrgeld liggt int Enge!« unn as de Fischer henngeit unn tookiekt, liggt då en grooten mechtigen Haufen Gold. De Schwarte stund åver noch ant Wåter, und seede dunn toon Fischer: »Nu müchteste ook woll weeten, wen de aarfüürt hest?« »Jå« sett de Fischer. »Na de hesten Doot aarfüürt, sett de Schwarte, unn wiil de datt dån hast, saste (sollst du) an Leewen bliewen, åver et ganze öövrige (übrige) Dörp mütt uutsterwen!« unn as hee dat sedd hadde, is hee furtgegån. Unn so wo (wie) de Doot dat den Fischer vertellt (erzählt) hett, isset (ist es) ook ekåmen; dat ganze Dörp is uutstorven, man de Fischer is aarbliiwen unn issen riiken riiken Mann wåren (worden), unn siene Kinger leewen noch bett upp dissen Dach in Göttin unn sinn riike Lüüe.\n\nAennere vertellen dat leste en bitschen ängers: As nu de Schwarte aar is, hett hee secht: »Nu müchtste ook woll weeten, wen de aarfüürt hest?« »Jå«, sett de Fischer. »Na een Düüwel (Teufel) hetten ängern (andern) aarfüürt«, sett de Schwarte, denn den Fischer siin Nåme was Düüwel. As de Schwarte nu furt was, fund Düüwel int Enge en grooten Klumpen glööende Kålen (glühende Kohlen) unn nåm siine Wåterschippe unn schippt se immer too int Wåter, åver ett wulle går keen Enge nehmen, so datt hee se tolest liggen låten deee; as hee nu en ängern Morgen weer nå siinen Kån kåm, fund hee statt de Kålen en Klumpen puret Gold, äver von dee, weck hee int Wåter smeeten hadde, kunge (konnte) hee nist weerfingen (wiederfinden).",
    "kurztext": "Då is mål ens to Göttin en Fischer west, dee hett siin goot Broot hatt, wiil hee Dach unn Nacht up de Beine west is; dee hett ook mål noch späte uppen Åmnd siin Tüüch an de Hårel drööcht (am Abend seine Netze an der Havel getrocknet) unn as hee eemnd (eben) dåmett färig (fertig) is, höört hee, dett eener von de änner Siit (Seite), då wo de Röverbarch liggt, roopt: »Hål aar (Hol' über)«.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 130,
    "nr": "130",
    "titel": "Der Kohldieb im Monde",
    "ort": "Monde",
    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieser wollte gern am Christabend Kohl essen; und weil es nun einmal so Sitte ist und das ganze Jahr über Glück bringt, stahl er ihn, obgleich es der liebe Gott ausdrücklich verboten hatte. Zur Strafe dafür ward er nach seinem Tode in die Sonne gesetzt, aber da war es doch gar zu heiß, so daß er es gar nicht aushalten konnte, und er bat daher den lieben Gott, er möge ihn doch da fortnehmen. Das geschah auch, und nun kam er in den Mond, wo ihr ihn bei Vollmond noch mit seinem Kohlstrauch in der Hand sehen könnt.",
    "kurztext": "Dieser wollte gern am Christabend Kohl essen; und weil es nun einmal so Sitte ist und das ganze Jahr über Glück bringt, stahl er ihn, obgleich es der liebe Gott ausdrücklich verboten hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "131",
    "titel": "Das untergegangene Dorf Thure",
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    "region": "Mittelmark",
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    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "An der Stelle des Berges, wo sich jetzt die Lehm- und Sandgruben befinden, soll ehmals ein Dorf Namens Thure oder Thüre gestanden haben, das in schweren Kriegszeiten verwüstet wurde. Daher findet man denn noch oft beim Graben des Sandes oder Lehms ganze Schichten von menschlichen Gebeinen und Holzkohlen, dabei aber auch Spuren von Wirthschaftsgeräthe, namentlich Eisenwerkzeuge. Unweit von dieser Stelle kann man auch noch die Spuren der alten Kirche finden, deren Fundamente sich noch unter dem Boden dahin ziehn. Andere leugnen das Alles und sagen, das Dorf Thure sei ja in den Berg gesunken und zwar tief, tief hinein, und daher rührt ja auch das tiefe Loch, was sich bei den Sandgruben befindet. Die Glocken der Kirche sind aber in den am Fuße des Berges liegenden kleinen Teich gefallen, der davon der Glockenteich heißt, und der beste Beweis dafür ist, daß sie da unten noch hin und wieder, namentlich Mittags im Sommer, wenn's so recht still ist, mit dumpfen Ton anklingen. Wäre das Dorf Thüre auf gewöhnliche Weise verwüstet worden und nicht in den Berg gesunken, würde man dann wohl den mit Schimmeln bespannten Wagen aus dem Berge hervorfahren sehen, der sich schon seit undenklichen Zeiten zeigt? Und dazu kommt er grade an der Stelle, wo das Dorf untergegangen sein soll, in den Sandgruben, zum Vorschein. Denn da hat ihn noch vor wenigen Jahren ein Bauer gesehen, der eben Sand holte, und das war grade am Johannistage und Mittags um 12 Uhr.",
    "kurztext": "An der Stelle des Berges, wo sich jetzt die Lehm- und Sandgruben befinden, soll ehmals ein Dorf Namens Thure oder Thüre gestanden haben, das in schweren Kriegszeiten verwüstet wurde.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 132,
    "nr": "132",
    "titel": "Die Riesenhügel",
    "ort": "Jerichow",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.4958,
    "lng": 12.0239,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Diese Umwallung ist ziemlich kreisrund, in der Mitte jedoch nur sehr wenig vertieft, und es scheint ein Damm sich in der Quere mitten hindurchgezogen zu haben. Zu diesem Burgwalle haben die Riesen die Erde zusammengetragen, aber einer von ihnen ist bei der gewaltigen Arbeit gestorben, der liegt in der Mitte des Walls begraben. Andere erzählen, es sei hier keiner begraben, sondern ein Riese habe nur einmal vor alten Zeiten hier drei Schürzen voll Erde hingeworfen, davon sei die ganze Erhöhung entstanden.\n\nAuch zwischen Wachow und Tremmen liegt ein solcher Hügel, der dadurch entstand, daß einem Hünenmädchen, die Erde in ihrer Schürze daher trug, das Schürzenband riß, da ist nun das bischen Erde liegen geblieben.",
    "kurztext": "Ein Halbbauer zu Milow, etwa eine Meile von Rathenow, an der Havel, hatte einen Kobold, das war ein dreibeiniger Hase, der so vertraut mit allen Hausgenossen war, daß er mit ihnen an einem Tische saß und dort die Speisen, die er sich ausgemacht hatte, erhielt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 133,
    "nr": "133",
    "titel": "Der Markgrafenberg",
    "ort": "Bad Freienwalde",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7917,
    "lng": 14.0317,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Angelus Annales Marchiae ad ann. 1322.\n\nBei der Stadt Rathenow liegt ein Hügel, welcher der Markgrafenberg heißt, diesen Namen hat er davon bekommen, daß einst, es soll im Anfang des vierzehnten Jahrhunderts gewesen sein, als der Markgrafen sehr viel geworden waren, ihrer neunzehn auf diesem Berge zu einer Landschauung zusammenkamen, und einer dem andern ihr Unvermögen klagten wegen der großen Landzersplitterung; das hat aber Gott schnell gewendet und hat's also geschickt, daß sie innerhalb wenig Jahren, nämlich in zweien, alle starben und der Stamm auf diese Weise verdorrete.\n\nSeit dieser Zeit mag es wohl kommen, daß es am Markgrafenberg nicht recht geheuer ist, denn oft läßt sich dort ein Pferd sehen, dem Feuer aus Maul und Nase sprüht, und schon manchen, der dort in der Nacht vorüberging, hat es in Furcht und Schrecken gesetzt.",
    "kurztext": "Als dieser Stein noch an seiner alten Stelle lag, hörte man oft ein klägliches Winseln in demselben, das rührte von einer Müllertochter, Andere sagen von einer Prinzessin, her, welche der Teufel dort gefangen hielt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 134,
    "nr": "134a",
    "titel": "Die zerschlagene Hexe",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "134a. Die zerschlagene Hexe. Mündlich.\n\nAm letzten April war einst ein Müllergesell noch spät Abends in einer Mühle bei Rathenow beschäftigt, da kommt eine schwarze Katze zur Mühle hinein; er jagt sie mehrmals hinaus, aber sie kam immer wieder, so daß er ihr endlich einen Schlag auf den Vorderfuß versetzte, daß sie schreiend davon lief. Als er darauf die Räder geschmiert und alles in Ordnung gebracht hatte, ging er zu Bett. Andern Morgens, als er in das Haus des Müllers zum Frühstück kommt, bemerkt er, daß dessen Frau mit gequetschtem Arm im Bett liegt, und erfährt, daß sie das seit gestern Abend habe, niemand wisse aber woher. Da hat er denn gemerkt, daß die Müllerfrau eine Hexe war und daß sie am vorigen Abend als Katze zum Blocksberg gewesen sein müsse.",
    "kurztext": "Am letzten April war einst ein Müllergesell noch spät Abends in einer Mühle bei Rathenow beschäftigt, da kommt eine schwarze Katze zur Mühle hinein; er jagt sie mehrmals hinaus, aber sie kam immer wieder, so daß er ihr endlich einen Schlag auf den Vorderfuß versetzte, daß sie schreiend davon lief.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 135,
    "nr": "134b",
    "titel": "Der Schatz und der Hund",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schatzsage",
    "volltext": "134b. Der Schatz und der Hund. Mündlich.\n\nAuf dem Hofe eines Brauers in der Altstadt zu Rathenow, schlug vor mehreren Jahren eines Tages eine Flamme aus der Erde hervor, und die Leute behaupteten, dort brenne Geld. Man grub daher um Mitternacht nach und fand auch einen ganzen Kessel voll; während man aber beschäftigt war, ihn herauszuziehen, bellte ein Hund unausgesetzt an der Thür der Stube, in welcher des Brauers alte Mutter saß. Da sie nun glaubte, er gehöre ins Haus, geht sie hinaus und erblickt zu ihrem großen Schrecken einen großen Hund mit feurigen Augen, weshalb sie die Thür schnell wieder schloß. Aengstlich eilte sie nun aus einer andern Thür zur Stube hinaus zu ihrem Sohne und rief ihm schon von weitem zu: »Habt ihr ihn noch nicht?« aber kaum waren ihr die Worte entschlüpft, so gab es einen lauten Klang und der Schatz versank vor aller Augen.",
    "kurztext": "Auf dem Hofe eines Brauers in der Altstadt zu Rathenow, schlug vor mehreren Jahren eines Tages eine Flamme aus der Erde hervor, und die Leute behaupteten, dort brenne Geld.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 136,
    "nr": "135",
    "titel": "Der Name des Dorfes Gülpe",
    "ort": "Gülpe",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7167,
    "lng": 12.2667,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Zwischen den Städten Rathenow und Havelberg bildet die Havel einen großen See, der heißt der Gülpsee und an ihm liegt ein Dorf, welches ebenfalls Gülpe heißt, früherhin aber einen andern Namen, nämlich Arensee oder Gransee, gehabt haben soll. Den jetzigen hat es davon erhalten, daß die Bauern einst in einem Jahre neun und neunzig Tonnen Bier ausgegülpt haben; wären es hundert gewesen, wird hinzugesetzt, so hätten sie Dienstfreiheit erlangt.",
    "kurztext": "Das Dorf Gülpe bei Rhinow soll seinen sonderbaren Namen von einer Burg erhalten haben, die einst an dieser Stelle stand und in der Erde versank. Als sie verschwand, rief ein Hirte erstaunt aus und der Ruf blieb als Ortsname.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 137,
    "nr": "136",
    "titel": "Der gefangene Dachs",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In Spåtz is mål en Buur west, dee hett Ernst Koppe heeten; de deee mett aennere van siine Früntschop (Freundschaft) to hoope uppen Dachsfang gån, unn asse (als sie) nu all lang då rümwertschapt hedden, kreech (kriegte) hee en Sack her, heel (hielt) den vöört Dachsloch und fung den Dachs so. As datt åverscht dån was, hüürten se upp eemål de wilde Jagd (datt sinn åverscht Menschen dee datoo verwünscht sinn, datt se in de Luft rümtrecken mütten) metten gewaltigen Spittåkel hertrecken, unn dat Japsen van de Hunne unn dat Scheeten mangunner (dazwischen) wull går keen Enn nehmen. Unn as datt nu so ganz nå bii was, hüürt de eine, datt ein seggt: »Na sinn wii denn nu all to hoope?« »Jå, sed de aennere, bett upp de eenöögige Sau, dee hett Ernst Koppe innen Sack efangen.« Unn as se dunn nå Huus keemen, unn Koppe siinen Sack nåkeeken deee, fund hee richtig ne olle eenöögige Sau un keenen Dachs drin.",
    "kurztext": "In Spåtz is mål en Buur west, dee hett Ernst Koppe heeten; de deee mett aennere van siine Früntschop (Freundschaft) to hoope uppen Dachsfang gån, unn asse (als sie) nu all lang då rümwertschapt hedden, kreech (kriegte) hee en Sack her, heel (hielt) den vöört Dachsloch und fung den Dachs so.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 138,
    "nr": "137",
    "titel": "Die alte Stadt und die Berge bei Rhinow",
    "ort": "Rhinow",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7667,
    "lng": 12.3167,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier soll vor Zeiten eine große Stadt gestanden haben, und das kann man auch sehen, denn es finden sich noch beim Pflügen Mauerreste, und es ist auch ein großer Raum. Andre sagen bestimmter, die Stadt Rhinow hätte ehmals auf dieser Stelle gelegen.\n\nDie bei Rhinow sich an die Stöllenschen Berge anschließenden Höhen sollen die Riesen in ihren Schürzen zusammen getragen haben.",
    "kurztext": "Die bei Rhinow sich an die Stöllenschen Berge anschließenden Höhen sollen die Riesen in ihren Schürzen zusammen getragen haben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 139,
    "nr": "138",
    "titel": "Frau Harke und der Dom zu Havelberg",
    "ort": "Havelberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.825,
    "lng": 12.0742,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Vöor ollen Tiijen hett upp de Stoellensche Barge ene grootmächtige Riesenfruu wånt, dee hett Fruu Harke, ännere seggen ook Fruu Harfe, geheeten; dee hett mål enen grooten Steen her to fåten kreegen und hett dåmett den Hårelbarchschen Dom innen Klump schmeeten wullen. Disse Steen is äär äverscht uut de Haenne uutglipscht (entglitten) unn is upp de Stoellensche Feldmark dål (nieder) fållen, wo hee noch lange leegen hett. Man hett ook orntlich künn'n de Löcker seien (sehen), wo se mett de Fingern rinpackt hett, unn et sinn ook noch ne Menge lange Streepen (Streifen) drin west, dee süllen dåher kåmen sinn, dat Fruu Harke, as äär nu de Steen uutglipscht is, so wüütig wåren (wüthend geworden) is, datt se en grooten Strål uppen Steen pissen deede, dee so stark was, datt dåvon alle de Streepen innen Steen keemen.\n\nAndere erzählen auch, Frau Harke hätte den Stein wirklich nach Havelberg hin geworfen, doch wäre der Wurf etwas zu kurz gewesen, und der Stein daher vor dem Dom nieder gefallen, wo er noch lange nachher gelegen. Da hätte der Havelberger Bischof einen andern Stein genommen und den nach den Stoellenschen Bergen geworfen; seit der Zeit sei dann Frau Harke, die eine gewaltige Zauberin gewesen, und dort auf dem Berge gewohnt, verschwunden.",
    "kurztext": "Vöor ollen Tiijen hett upp de Stoellensche Barge ene grootmächtige Riesenfruu wånt, dee hett Fruu Harke, ännere seggen ook Fruu Harfe, geheeten; dee hett mål enen grooten Steen her to fåten kreegen und hett dåmett den Hårelbarchschen Dom innen Klump schmeeten wullen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 140,
    "nr": "139",
    "titel": "Das alte Dorf Dreetz",
    "ort": "Dreetz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.75,
    "lng": 12.6833,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier hat vor uralter Zeit ein Riese Namens Seger gewohnt, dem die Wiese gehörte; diese hat er, wenn die Zeit der Heumahd kam, mit neun Schwatt abgemäht, aber er hat auch zwischen jedem Schwatt eine Tonne Bier ausgetrunken, denn es mag doch keine ganz leichte Arbeit gewesen sein. Vor mehreren Jahren war nicht weit von diesem Orte noch sein Grab sichtbar, aber jetzt weiß es keiner mehr zu finden; zu erzählen weiß jedoch noch mancher von Segers Wische und Segers Grab, denn es soll dort auch ein Schatz verborgen liegen, den ein Paar Dreetzer Tagelöhner einst heben wollten. Es war Mitternacht und sie legten an der Stelle, wo sie graben wollten, einen großen Kreis von neunerlei Kräutern, worauf sie ihre Arbeit begannen; aber noch nicht lange waren sie dabei, so kam eine ganz schwarze Kutsche daher gefahren, vor die Feuer speiende Rosse gespannt waren. Aus derselben stiegen drei schwarze Gestalten, die in den Wald gingen und bald darauf mit gewaltigen Bäumen zurückkamen, aus denen sie einen hohen Galgen zimmerten. Als der fertig war, stiegen sie herunter und kamen grade auf die Schatzgräber los, sagend: »Nun wollen wir sie nur gleich aufhängen!« Aber kaum hatten die beiden das gehört, als sie eilig die Flucht ergriffen und ihren Schatz in Stich ließen.",
    "kurztext": "Auf dem Wege vom Dorfe Dreetz zu dem in der Heide an der Hamburger Chaussee gelegenen Kruge, den die Fuhrleute unter dem Namen der lahmen Ente kennen, liegt in dem Fichtenwalde mitten in dünenartigen Sandbergen eine ziemlich große Wiese, die den Namen »Segers.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 141,
    "nr": "140",
    "titel": "Segers Wische",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier hat vor uralter Zeit ein Riese Namens Seger gewohnt, dem die Wiese gehörte; diese hat er, wenn die Zeit der Heumahd kam, mit neun Schwatt abgemäht, aber er hat auch zwischen jedem Schwatt eine Tonne Bier ausgetrunken, denn es mag doch keine ganz leichte Arbeit gewesen sein. Vor mehreren Jahren war nicht weit von diesem Orte noch sein Grab sichtbar, aber jetzt weiß es keiner mehr zu finden; zu erzählen weiß jedoch noch mancher von Segers Wische und Segers Grab, denn es soll dort auch ein Schatz verborgen liegen, den ein Paar Dreetzer Tagelöhner einst heben wollten. Es war Mitternacht und sie legten an der Stelle, wo sie graben wollten, einen großen Kreis von neunerlei Kräutern, worauf sie ihre Arbeit begannen; aber noch nicht lange waren sie dabei, so kam eine ganz schwarze Kutsche daher gefahren, vor die Feuer speiende Rosse gespannt waren. Aus derselben stiegen drei schwarze Gestalten, die in den Wald gingen und bald darauf mit gewaltigen Bäumen zurückkamen, aus denen sie einen hohen Galgen zimmerten. Als der fertig war, stiegen sie herunter und kamen grade auf die Schatzgräber los, sagend: »Nun wollen wir sie nur gleich aufhängen!« Aber kaum hatten die beiden das gehört, als sie eilig die Flucht ergriffen und ihren Schatz in Stich ließen.",
    "kurztext": "Hier hat vor uralter Zeit ein Riese Namens Seger gewohnt, dem die Wiese gehörte; diese hat er, wenn die Zeit der Heumahd kam, mit neun Schwatt abgemäht, aber er hat auch zwischen jedem Schwatt eine Tonne Bier ausgetrunken, denn es mag doch keine ganz leichte Arbeit gewesen sein.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 142,
    "nr": "141",
    "titel": "Der Riesenberg bei Kotzen",
    "ort": "Kotzen (Havelland)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6333,
    "lng": 12.55,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ein Riese wollte einst einen in der Nähe befindlichen kleinen See zu dämmen, der ihm unbequem war, und trug zu dem Zwecke Erde in seiner Schürze herbei. Als er aber zwischen die beiden Dörfer kommt, reißt ihm unglücklicher Weise das Band seiner Schürze und alle Erde stürzt zu Boden. Er raffte jedoch, was er konnte wieder zusammen, und nur ein kleines Häuflein, das seinen Fingern zu klein war, so daß ers nicht zwischen die Spitzen nehmen konnte, blieb liegen; das ist der Riesenberg.",
    "kurztext": "Der Riesenberg bei Kotzen. Zwischen den Dörfern Kotzen und Landin im Havellande liegt ein kleiner Hügel, welcher der Riesenberg heißt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 143,
    "nr": "142",
    "titel": "Die Salzquellen bei Peßin",
    "ort": "Peßin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6425,
    "lng": 12.6637,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Im Dorfe selber geht die Sage, daß unter einem Hause, in dem ehemals ein Herr v. Murlach gewohnt haben soll, eine solche sei, die aber schon vor langen Jahren durch zwei eiserne Thüren verschlossen worden. Eine andre soll in dem Gehölz, die Lutsche genannt, gewesen und ebenfalls durch eine eiserne Thür verschlossen sein. Von dieser berichtete ein Herr v.K., wie er von seinem Vater gehört, daß, als vor langer Zeit einmal Nachsuchungen danach angestellt worden, ein Herr von K. auf den Kirchthurm gestiegen sei, um diese aus der Ferne mit anzusehen, daß er aber bald wieder herunter gekommen, sagend, man habe den rechten Ort verfehlt und solle ihn auch nun gewiß nicht finden. – Endlich soll in dem blachen Luch bei Peßin vor langen Jahren von einem Schäfer aus dem Dorfe eine Salzquelle gefunden sein. Er hatte sich zu seinem Abendbrode Wasser von hier mitgenommen und es gekocht, am Morgen darauf aber lauter Salz im Topfe gefunden. Seine Entdeckung theilte er dem Grundherrn mit, der ihm Stillschweigen gebot. Noch am nämlichen Tage aber, sagt man, ward der Schäfer erschlagen gefunden, seine Wittwe jedoch hätte der Grundherr lebenslänglich erhalten. Nachher soll dann über der Stelle ein Haus gebaut worden sein.",
    "kurztext": "Im Dorfe selber geht die Sage, daß unter einem Hause, in dem ehemals ein Herr v. Murlach gewohnt haben soll, eine solche sei, die aber schon vor langen Jahren durch zwei eiserne Thüren verschlossen worden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 144,
    "nr": "143",
    "titel": "Der Blutfleck im Schloßthurm zu Wagenitz",
    "ort": "Wagenitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6833,
    "lng": 12.6,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Endlich zog er sich noch auf ein kleines Zimmer in demselben zurück, aber sie folgten ihm auch hierhin, und er fiel ein Opfer ihrer, durch so langen Widerstand nur vermehrten, Wuth. Die Stelle, wo er sein Leben ausgehaucht, bezeichnet ein großer Blutfleck, und diesen vermag nichts hinwegwaschen.",
    "kurztext": "Der Blutfleck im Schloßthurm zu Wagenitz. Ueber die Altmark. Seit langen langen Jahren schon findet man durch das ganze Havelland die Familie der von Bredow verbreitet und im Besitz der bedeutendsten Landgüter.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 145,
    "nr": "144",
    "titel": "Nippel von Bredow und der Teufel",
    "ort": "Friesack",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7333,
    "lng": 12.5833,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "So lebte nun Nippel wie zuvor, bis endlich die Zeit kam, daß der Vertrag zu Ende ging; nun gings ihm doch etwas im Kopfe herum, daß er schon sterben und gar gleich in die Hölle gehen solle, und er ging deshalb tiefsinnig umher und war wie umgewandelt. Das fiel seinem Schäfer auf und er fragte ihn, da er Mitleid mit seinem Herrn fühlte, eines Tages um die Ursache seiner Trauer, und Nippel erzählte ihm ohne Rückhalt, wie er mit dem Teufel den Bund geschlossen und jetzt, da die Zeit des Vertrages bald um sei, demselben seine Seele lassen müsse. Da rieth ihm nun der Schäfer, er solle, da ihm ja der Teufel noch dienen müsse, die Forderung an denselben stellen, ihm einen Scheffel bis zum Rande mit Geld zu füllen, diesen solle er dann, nachdem er ein tiefes tiefes Loch in den Teufelsberg gegraben, so über dem Loche anbringen, daß er, so wie man etwas hineinschütte, umschlage, dann würde sich der Teufel vergeblich abmühen, ihn zu füllen und dadurch der Vertrag gelöst sein. Ueber diesen Rath war Nippel hoch erfreut, that Alles was ihm der Schäfer gesagt hatte, und ging in der folgenden Nacht zum Teufel, der auch gleich bereit war, seine Forderung zu erfüllen. Da schleppte er denn einen großen Sack mit Geld heran, aber er schüttete und schüttete und es nahm kein Ende, denn der Scheffel ward nicht voll. Er nahm einen zweiten und dritten Sack, aber auch damit wollte es nicht gelingen. Da ward er endlich unmuthig und rief:\n\nNippel Nappel Neepel,\n\nWat hest vöörn grooten Scheepel!\n\nUnd mit diesen Worten nahm er den Vertrag, welchen er mit Napel geschlossen, warf ihn demselben vor die Füße und flog ärgerlich davon.",
    "kurztext": "Zu Landin wohnte vor langen Jahren einmal einer aus dem Geschlechte derer von Bredow, der hieß mit Vornamen Nippel oder Napel, und war ein gar großer Verschwender, so daß er bald sein väterliches Erbtheil verpraßt hatte und nun in die äußerste Bedrängniß.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 146,
    "nr": "145",
    "titel": "Die Herkunft der von Bredow",
    "ort": "Friesack",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7333,
    "lng": 12.5833,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Das sind aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels für diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie nun die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Frie-Sack, und von hier haben sie sich dann über das ganze Havelland verbreitet, wo bekanntlich eine große Menge von Rittergütern in ihrem Besitz sind. Die Namen derselben haben sie ihnen ebenfalls gegeben, und zwar meist nach der Richtung des Weges, den sie nahmen; der älteste der Brüder nämlich, der in Friesack blieb, sagte zum zweiten: »gå beß (besser) hin«, da nannte der den Ort, wo er sich niederließ, Beßhin, woraus nach her Peßin wurde; ein dritter ging von Friesack, das am Rande des mächtigen havelländischen Luchs liegt, Land einwärts, darum nannte er seine Ansiedlung »Land in« oder Landin; ein vierter ging denselben Weg entlang wie der zweite, und baute Selbelang; ein fünfter ging von dort aus rechts zu (rechts too) und baute Retzow, ein sechster endlich nannte sein Dorf nach seinen eigenen Namen Bredow.",
    "kurztext": "Die Herkunft der von Bredow. Der Teufel hat einmal Musterung auf der Erde gehalten, und alle die Edelleute, die nicht mehr gut thun wollten, in einen großen Sack gesteckt, den auf den Rücken gethan und ist lustig damit zur Hölle geflogen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 147,
    "nr": "146",
    "titel": "Der Bruutkolk bei Friesack",
    "ort": "Friesack",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7333,
    "lng": 12.5833,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Etwa eine halbe Meile von Friesack findet sich in der Gegend der Zootzenmeierei, in dem Bette eines ehemaligen Baches, der seit der Entwässerung des großen Luchs ausgetrocknet ist, eine ziemlich große Vertiefung, in der, als sie noch mit Wasser gefüllt war, einmal zwei Brautleute, warum? weiß man nicht, ihr Leben geendet haben sollen; seit der Zeit hat diese Stelle den Namen »der Bruutkolk« erhalten.",
    "kurztext": "Der Bruutkolk bei Friesack ist ein tiefer Tümpel, in den einst eine Braut mit Pferd und Wagen versunken sein soll. An ihrem Hochzeitstag war sie gottlos gewesen und zur Strafe verschluckte die Erde sie mit allem, was ihr gehörte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 148,
    "nr": "147",
    "titel": "Der Dankelsberg bei Friesack",
    "ort": "Friesack",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7395,
    "lng": 12.5783,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Endlich, als der Vertrag um war, hat der Teufel diesen Herrn von Dankel geholt und ist mit ihm über die Eichen hin fortgetanzt.",
    "kurztext": "Endlich, als der Vertrag um war, hat der Teufel diesen Herrn von Dankel geholt und ist mit ihm über die Eichen hin fortgetanzt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 149,
    "nr": "148",
    "titel": "Der Ursprung derer von Ziethen",
    "ort": "Ziethen",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Dieser Hügel heißt der Schloßberg, und es soll hier ein Schloß der Grafen von Ruppin gestanden haben; in demselben wurde einer von ihnen einst von einem überlegenen feindlichen Heere belagert, und wurde schon so muthlos, daß er sich ergeben wollte. Bei dem Rathe, den er aber noch zum letzten Male hielt, war auch sein Koch zugegen, der ihm tüchtig Muth einsprach und zuredete, er solle doch noch einen Ausfall wagen, und wenn der Graf selber nicht mitziehen könne, so wolle er die Reisigen anführen und sei überzeugt, sie würden die Feinde besiegen. Der Graf glaubte zwar nicht an einen solchen Erfolg, indeß wollte er doch das Letzte noch versuchen und gab dem Koch die Erlaubniß zu dem Ausfall mit den Worten: »Zieht hen!« Da ging er mit seiner Mannschaft muthig auf den Feind, der bei Lüchfeld stand, los und in wenigen Stunden war die Schlacht gewonnen und sie kehrten triumphirend in die Burg zurück. Da schlug der Graf von Ruppin seinen treuen Koch aus Dankbarkeit zum Ritter und gab ihm, wegen der Worte mit denen er ihn entlassen, den Namen Ziethen, und gebot ihm fortan als ein Zeichen seines ehemaligen Standes einen Kesselhaken im Wappen zu führen.\n\nAndere erzählen, der Koch habe gerathen, viele Kessel mit Brei zu kochen und diesen so heiß wie möglich den Feinden beim nächsten Sturm auf den Kopf zu schütten: der Graf habe an dem Erfolge dieses Mittels zwar gezweifelt, aber doch endlich in den Worten »Zieht hen« seine Zustimmung gegeben; worauf der Feind wirklich vertrieben und der Koch mit dem Namen Ziethen in den Ritterstand erhoben sei.",
    "kurztext": "Dieser Hügel heißt der Schloßberg, und es soll hier ein Schloß der Grafen von Ruppin gestanden haben; in demselben wurde einer von ihnen einst von einem überlegenen feindlichen Heere belagert, und wurde schon so muthlos, daß er sich ergeben wollte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 150,
    "nr": "149",
    "titel": "Die Riesenschlacht bei Netzeband",
    "ort": "Netzeband",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Riesensage",
    "volltext": "Der Netzebandsche besteht aus einer dreifachen Umwallung mit tiefem Graben, und links und rechts von derselben ziehn sich noch andre niedrigere Wälle dahin, so wie auch noch näher dem Dorfe zu ein dritter Hünenwall, der sogenannte alte, sich findet, der ganz viereckig ist, an der Temnitz liegt und mit dem andern Ufer ehmals durch eine Zugbrücke verbunden gewesen sein soll, von der man noch Spuren haben will. In den erstgenannten beiden Wällen haben nun, wie man sagt, vor uralter Zeit einmal Riesen gewohnt, die miteinander in einen harten Kampf geriethen, und sich mit den großen Feldsteinen warfen, die ehmals beim Netzebandschen Wall lagen, seitdem er aber beackert wird, fortgebracht sind. Die Bertikowschen haben zuletzt die Netzebandschen besiegt und vernichtet, und diese liegen unweit des Walles in den drei langen und beras'ten Hünenbetten, andre aber auch am Saum des wenige Schritte entfernten Fichtenwaldes in den runden Grabhügeln, in denen man schon einmal einen goldenen Armring gefunden hat. Die Riesen von Bertikow haben aber auch viele Todten gehabt und diese liegen dort begraben in dem Hügel, welcher dicht bei Bertikow an der Temnitz liegt, wo man auch schon alte Schwerter und andre Waffen gefunden. Einige sagen zwar dieser Hügel sei dadurch entstanden, daß einem Hünenmädchen, welches einst die Temnitz zudämmen wollte, und zu diesem Zweck Erde in ihrer Schürze herbeitrug, das Band derselben gerissen und die Erde niedergestürzt sei, Andre aber bestreiten es und sagen, dort lägen die Hünen begraben.",
    "kurztext": "Der Netzebandsche besteht aus einer dreifachen Umwallung mit tiefem Graben, und links und rechts von derselben ziehn sich noch andre niedrigere Wälle dahin, so wie auch noch näher dem Dorfe zu ein dritter Hünenwall, der sogenannte alte, sich findet, der ganz viereckig ist, an der Temnitz liegt und mit dem andern Ufer ehmals durch eine Zugbrücke verbunden gewesen sein soll, von der man noch Spuren haben will.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 151,
    "nr": "150",
    "titel": "Die Burg bei Krenzlin",
    "ort": "Krenzlin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 53.2167,
    "lng": 11.7,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Hier soll ehmals ein Herr von Fratz, der ein gefürchteter Räuber war, seine Burg gehabt und die vorbeiführende Landstraße gar unsicher gemacht haben; denn, damit er auch des Nachts von der Vorüberkunft der Reisenden benachrichtigt werde, hatte er unter einer Brücke, welche über einen die Straße kreuzenden Graben führte, einen Draht befestigt, der zu einer Glocke in der Burg führte, welche bei dem leisesten Tritt auf der Brücke tönte. Kam nun einer des Weges, so stürzte er hervor und plünderte ihn. So hatte er das Ding eine Zeit lang getrieben, als es dem Grafen von Ruppin doch endlich zu arg wurde, und er ihm drohte, daß er seine Burg anzünden würde, wenn er sich nicht bald bekehre. Aber er ließ sich das wenig kümmern und raubte nach wie vor. Da paßte der Graf einst den günstigen Augenblick ab, wo Fratz grade in Ruppin war, und schickte seine Reisigen nach Krenzlin; diese erstiegen rasch die Burg und steckten sie in Brand. Als nun die Flammen hoch emporloderten, soll der Graf ihn auf einen Thurm geführt und von dort ihm seine brennende Burg gezeigt haben, zugleich drohend, so würde es Allen ergehen, die ruhige Wanderer ihrer Habe beraubten.",
    "kurztext": "Hart vor dem Dorfe Krenzlin, wenn man von Neu-Ruppin kommt, liegt eine unbedeutende Anhöhe, welche der Räuberberg heißt; sie ist mit einem halb verschütteten Graben umgeben und das Erdreich zeigt in den in und auf demselben liegenden Mauerresten, daß hier vor ",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 152,
    "nr": "151",
    "titel": "Die Ruppiner Kobolde",
    "ort": "Neuruppin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.9275,
    "lng": 12.8008,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als die Stadt Neu-Ruppin am Ende des vorigen Jahrhunderts abbrannte und schon die Kirche in Flammen stand, sah man hoch oben auf dem Thurme einen kleinen rothen Kobold, der bald hier bald da aus den Luken herausschaute, und die unten stehenden Leute, denn der Kirchhof war ganz mit Menschen angefüllt, auslachte. Wie er aber hinaufgekommen, wußte sich niemand zu erklären, denn die Thüren der Kirche und des Thurms waren alle fest verschlossen.\n\nEin anderer Kobold hält sich am Ufer des Sees auf, und oft hören die Fischer Abends jemanden mit lauter Stimme rufen: »Hol ööwer!« Fahren sie dann nach der andern Seite des Sees hinüber, so ist niemand da und sie erkennen zu spät, daß der Kobold sie gefoppt, dessen lautes Hohngelächter auch alsbald aus dem Dickicht des Rohrs erschallt.",
    "kurztext": "Ein anderer Kobold hält sich am Ufer des Sees auf, und oft hören die Fischer Abends jemanden mit lauter Stimme rufen: »Hol ööwer!« Fahren sie dann nach der andern Seite des Sees hinüber, so ist niemand da und sie erkennen zu spät, daß der Kobold sie gefoppt,.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 153,
    "nr": "152",
    "titel": "Doktor Faust",
    "ort": "Neuruppin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.9275,
    "lng": 12.8008,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Der Doktor Faust soll ehmals auch zu Neu-Ruppin gelebt haben, und man erzählt namentlich, daß er gewöhnlich des Abends mit einigen Bürgern Karten spielte und sehr viel gewann. Eines Abends nun fiel einem seiner Mitspieler eine Karte unter den Tisch, und als er sie aufhob, bemerkte er, daß der Doktor Pferdefüße habe; da ist denn Allen sogleich klar gewesen, warum er immer so viel gewinne. – Lange Zeit nach seinem Tode hat man ihn noch öfter in einem Dickicht am See mit mehreren Leuten am Tisch sitzen und Karten spielen sehen, und da soll er noch jetzt sein Wesen treiben.",
    "kurztext": "Der Doktor Faust soll ehmals auch zu Neu-Ruppin gelebt haben, und man erzählt namentlich, daß er gewöhnlich des Abends mit einigen Bürgern Karten spielte und sehr viel gewann.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 154,
    "nr": "153",
    "titel": "Die Wunderthaten des Priors Wichmann",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So befand er sich eines Tages in seinem hohen Alter zur Besorgung von Geschäften seines Convents jenseits des Ruppiner See's, und war durch die Anstrengung des Weges, den er zurückgelegt hatte, sehr hungrig geworden, zumal da es ihm überhaupt sehr schwer erträglich war, über die gewohnte Zeit des Essens hinaus nüchtern zu bleiben. Während er nun auf entgegengesetzter Seite des Sees die Klosterglocke bereits das Zeichen zum Mittagsmahle geben hört, fühlt er sich vor Hunger und Durst schon zu entkräftet, um den langen Umweg um den See noch zurücklegen zu können. In dieser Verlegenheit stärkte er sich mit dem Zeichen des Kreuzes, rief seinem Begleiter zu: »Mein Sohn, folge mir muthig!« und ging gradezu über den See, und siehe! Gott schickte es, daß das Wasser fest und gangbar wurde und er glücklich und wohlbehalten im Kloster ankam, und die Brüder in den Speisesaal führte, während sein Begleiter, den sichrern Landweg vorziehend, erst eine gute Stunde nach ihm eintraf.\n\nEin andres Mal kehrten mehrere Klosterbrüder aus entfernten Orten im Kloster zu Neu-Ruppin ein, und ihre Zahl war so groß, daß es an Speise gebrach. Da klagte der Bruder Nicolaus, welcher die Küche besorgte, dem Prior seine Noth, und dieser gebot ihm, zum See hinabzugehn und dort den Fischen in seinem Namen zu gebieten, daß einer von ihnen herauskäme und den Brüdern zur Sättigung diente. Bruder Nikolaus that, wie ihm geheißen war, und siehe! alsobald kam ein großer Wels ans Ufer geschwommen, der ließ sich von dem Mönch greifen, und diente nun der hungrigen Menge zur reichlichen Speise. – Ein Bild mit der Unterschrift: »Frater Nicolaus de Ruppino« welches diesen, einen großen Wels in der Hand haltend, darstellte, hing noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts im Speisesaal des Dominikanerklosters zu Kölln am Rhein.",
    "kurztext": "So befand er sich eines Tages in seinem hohen Alter zur Besorgung von Geschäften seines Convents jenseits des Ruppiner See's, und war durch die Anstrengung des Weges, den er zurückgelegt hatte, sehr hungrig geworden, zumal da es ihm überhaupt sehr schwer erträglich war, über die gewohnte Zeit des Essens hinaus nüchtern zu bleiben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 155,
    "nr": "154",
    "titel": "Die stummen Frösche zu Schwante",
    "ort": "Schwante",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6833,
    "lng": 13.0167,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Wenn auch schon einer sich etwas verlauten läßt, so krieget er doch keine Zustimmung, und das hat diese Ursache: Ein Herr von Redern wurde im Frühling mit einer Krankheit befallen, dabei er viel Unruhe empfand, die sich aber durch das vielfältige Geschrei der Frösche also vermehrte, daß er gar keinen Schlaf mehr hatte, den ihm auch keine Arznei wieder zu geben vermochte, so daß man allmählig an seiner Genesung zu zweifeln begann, weshalb die Frau des Hauses ihre Zeit fort und fort in bitteren Thränen hinbrachte. Da kam eines Tages ein armer Mann in das Haus, der bat um ein Almosen, und wie er so an der Thür stand, sah er den Jammer des Hauses und fragte nach der Ursache. Als er nun alles erfahren, sagte er: »O! wenn eurem Herrn damit kann geholfen werden, so sollen die Frösche bald stille schweigen.« Darauf brachte man diese Rede erst vor die Frau, danach auch vor den Herrn selber, und er gebot, daß man dem Manne einen Sack Roggen geben solle, wenn er sein Versprechen ins Werk richte. Dieser begab sich hierauf fort, umging den adlichen Hof im Kreise, soweit als ihm gedäucht, daß der Frösche Stimme verdrießlich sein könne, gebrauchet darunter seine Wissenschaft und bringet damit zu Wege, daß der Frösche Geplärre aufhört. Und in diesem Stande ist es hernach mit den Fröschen noch bis auf diesen Tag geblieben, also daß sie zwar in dem Wasser und Morast bei dem adligen Sitz gefunden werden, aber kein solch Geschrei, als außer diesem Zirkel verführen. Das würde aber hundert Jahr währen, hat der Mann gesagt, und die sind noch nicht um.",
    "kurztext": "Die stummen Frösche zu Schwante. Beckmann Beschreib. der Mark Br.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 156,
    "nr": "155",
    "titel": "Der heilige See",
    "ort": "Heiliger See (Barnim)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7167,
    "lng": 13.55,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "III. Der Barnim- und der Lebuser Kreis.\n\n155. Der heilige See. Mündlich. Beckmann Beschreib. d. Mark Br. Th. I. S. 1092.\n\nBei dem Dorfe Heiligensee liegt dicht an der Havel ein kleiner See, welcher dem Dorfe seinen Namen gegeben hat; man erzählt sich, hier habe vor Zeiten ein Schloß gestanden, in dem eine Prinzessin gewohnt, die sei aber verwünscht worden und das Schloß in den See gesunken. Beckmann sagt auch, er sei alle hundert Jahr mit einem silbernen Heiligen eingeweiht und das Wasser dann weit und breit abgeholt worden. Die Dorfbewohner dagegen erzählen, es habe vor alter Zeit im Dorfe zwischen dem Hause Schmiedes und der Kirche ein Heiligthum gestanden, das eine große Heilkraft besessen habe, und die älteren Leute können sich noch gar wohl entsinnen, daß eine große Anzahl von Krücken, welche die geheilten Lahmen zurückließen, in der jetzigen Kirche hing. Daher soll es auch kommen, daß der Küster des Orts noch bis auf diesen Tag alljährlich sieben Scheffel Roggen für Metteläuten und Beiern erhält.\n\nFerner sind in uralter Zeit alljährlich an einem bestimmten Tage, den jedoch keiner mehr weiß, zwei schwarze Stiere vor einen Wagen geschirrt worden, und, sobald dies geschehen war, sind die Thiere nicht mehr zu bändigen gewesen, sondern sind mit aller Kraft aus dem Dorfe hinaus und grade in den See hineingestürzt, aus dessen grundloser Tiefe sie nie wieder zum Vorschein gekommen.",
    "kurztext": "Ferner sind in uralter Zeit alljährlich an einem bestimmten Tage, den jedoch keiner mehr weiß, zwei schwarze Stiere vor einen Wagen geschirrt worden, und, sobald dies geschehen war, sind die Thiere nicht mehr zu bändigen gewesen, sondern sind mit aller Kraft.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 157,
    "nr": "156",
    "titel": "Die Glocken im heiligen See",
    "ort": "Heiliger See (Barnim)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7167,
    "lng": 13.55,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Tief auf dem Grunde des heiligen Sees liegen Glocken, die vor alter Zeit untergesunken sind; zuweilen kommen sie zum Vorschein, und namentlich sieht man sie dann mitten im See auf einer Untiefe, wo sie sich Mittags im Strahle der Sonne wärmen. Einige Leute haben sie auch schon sprechen hören, und zwar war's grade am Johannistag, als sie aus dem See herauskamen und die eine zur andern sagte:\n\nAnne Susanne\n\nWiste mett to Lanne?\n\nworauf die andere antwortete: »Nimmermeh!« Dann sanken sie, nachdem sie noch einmal angeschlagen, wieder in die Tiefe.",
    "kurztext": "Anne Susanne\n\nWiste mett to Lanne?\n\nworauf die andere antwortete: »Nimmermeh!« Dann sanken sie, nachdem sie noch einmal angeschlagen, wieder in die Tiefe.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 158,
    "nr": "157",
    "titel": "Die Schwanenkette",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Ein Bauer in Heiligensee grub einst in seinem Garten, der am See lag, um einen Platz zu einem neuen Backofen zu ebnen. Da stieß er plötzlich auf einen harten Gegenstand und gewahrte eine schwere eiserne Kette; froh über diesen Fund, faßt er sogleich zu, um sie herauszuziehn, aber er zieht und zieht, und es will gar kein Ende nehmen, und wie er noch ganz verwundert darüber ist, taucht auf einmal dicht neben ihm im See ein großer schwarzer Schwan empor. Da erschrickt er und läßt die Kette fahren, und im Augenblick sind Schwan und Kette verschwunden.",
    "kurztext": "Ein Bauer in Heiligensee grub einst in seinem Garten, der am See lag, um einen Platz zu einem neuen Backofen zu ebnen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 159,
    "nr": "158",
    "titel": "Der Riesenstein bei Wandelitz",
    "ort": "Wandelitz",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.75,
    "lng": 13.4667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Diese sollen von einem Riesen herrühren, der bei Wandelitz am Ufer des See's spatzieren ging, und seinen Fuß an diesem Steine stieß; da ward er unmuthig, ergriff ihn und schleuderte ihn weit über den See hin, daß er jenseit desselben niederfiel, indem er sagte:\n\nHebb ick mii stooten an miine groote Teh (Zehen),\n\nWill ick dii ook smeeten ööwer de Wandelitzsche See!\n\nVon dem gewaltigen Griff aber, den er in den Stein that, sind die Eindrücke noch bis auf diesen Tag zu sehen.\n\nEs wird auch erzählt, daß ehemals bis zu diesem Stein sich der Wandelitzer Acker erstreckte, daß aber die Stolzenhagener sich nach und nach das Feld und Bruch diesseit desselben bis zum See und Fließ angeeignet hätten.",
    "kurztext": "Hebb ick mii stooten an miine groote Teh (Zehen),\n\nWill ick dii ook smeeten ööwer de Wandelitzsche See! Von dem gewaltigen Griff aber, den er in den Stein that, sind die Eindrücke noch bis auf diesen Tag zu sehen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 160,
    "nr": "159",
    "titel": "Das versunkne Dorf Arendsee",
    "ort": "Bernau bei Berlin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6794,
    "lng": 13.5847,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Früher wurde das Kreuz, sobald es alt wurde, immer wieder erneuert, aber jetzt ist es verschwunden.",
    "kurztext": "Das versunkne Dorf Arendsee. An der Stelle der heiligen Pfüle unweit von Wandelitz, soll ehmals ein Dorf Namens Arendsee gelegen haben, das durch ein Erdbeben untergegangen ist, weshalb man auch im Wasser noch oft ganz erhaltene Bäume findet.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 161,
    "nr": "160",
    "titel": "Die gebannten Glocken",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Noch in Gedanken darüber, entkleidet sie sich zur Hälfte, legt ihr Brusttuch auf einen derselben und geht an ihr Geschäft. Nachdem sie es beendigt, kommt sie zurück und hört, wie die Glocken mit einander sprechen, und sich gegenseitig auffordern, wieder in den See hinabzugehn. Da sagt die eine derselben traurig, sie könne nicht von der Stelle, und indem das Mädchen hinzutritt, gewahrt sie, daß es die sei, auf welche sie ihr Tuch gelegt. Während deß sind die andern beiden aufgebrochen und langsam in den See hinabgewackelt, die dritte ist aber dort geblieben und das Mädchen auf diese Weise in ihren Besitz gekommen. Was sie aber damit angefangen, wird nicht erzählt.",
    "kurztext": "Noch in Gedanken darüber, entkleidet sie sich zur Hälfte, legt ihr Brusttuch auf einen derselben und geht an ihr Geschäft. Nachdem sie es beendigt, kommt sie zurück und hört, wie die Glocken mit einander sprechen, und sich gegenseitig auffordern, wieder in den See hinabzugehn.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 162,
    "nr": "161",
    "titel": "Die Erbauung von Bernau",
    "ort": "Bernau bei Berlin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6794,
    "lng": 13.5847,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Der hat ihm so herrlich gemundet, daß er sich entschlossen, an dieser Stelle eine Stadt zu bauen, welchen Entschluß er auch alsobald ausgeführt. Zu dem Ende hat er die drei Dörfer Lindow, Schmetzdorf und Lüpenitz eingehen und die Einwohner in die neue Stadt ziehen lassen; daher haben die Felder der beiden ersten noch heutzutage ihre alten Namen und besteht das Lindowsche Feld aus 84, und das Schmetzdorfsche aus 48 Hufen; Lüpenitz aber ist zu einer Heide geworden, welches jedoch ein großes Dorf muß gewesen sein, indem sich dessen Feldmark auf eine Meile erstreckt. Man sieht auch noch an allen drei Orten die Rudera der Kirchen und Kirchhöfe, zu Schmetzdorf aber hat der Magistrat ein Vorwerk angelegt. Es ist jedoch auch noch eine vierte Feldmark vorhanden mit 103 Hufen, diese heißt die Bernausche und ist daher wahrscheinlich, daß ehmals auch ein Dorf Bernau vorhanden gewesen, von dem die Stadt ihren Namen erhalten.\n\n1 Litt. F. Fach 90. R.N. 14. Aufschrift: Acta die dem usw. Beckmann zur Anfertigung einer Historie von der Mark Brandenburg (durch den Stadtschreiber Siemers in den Jahren 1711-1715) ertheilten Nachrichten und Merkwürdigkeiten zu Beschreibung der Stadt Bernau betreffend.",
    "kurztext": "Markgraf Albrecht der Bär trank an einem einsamen Krug an der Brauerstraße in Bernau und war so begeistert vom Trunk, dass er beschloss, an dieser Stelle eine Stadt zu gründen. So entstand Bernau – aus dem Wohlgefallen eines Fürsten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 163,
    "nr": "162",
    "titel": "Die Bürgerglocke zu Bernau",
    "ort": "Bernau",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als aber die Glocke vor zwei Jahrhundert einen Riß bekommen, und sie nicht mehr hat gezogen werden können, da haben sich auch die Schlangen wieder gezeigt, jedoch sind sie wieder verschwunden, als sie im J. 1649 umgegossen worden ist.",
    "kurztext": "Als aber die Glocke vor zwei Jahrhundert einen Riß bekommen, und sie nicht mehr hat gezogen werden können, da haben sich auch die Schlangen wieder gezeigt, jedoch sind sie wieder verschwunden, als sie im J. 1649 umgegossen worden ist.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 164,
    "nr": "163",
    "titel": "Die Hussitenschlacht bei Bernau",
    "ort": "Bernau bei Berlin",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.6794,
    "lng": 13.5847,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Das ist aber geschehen auf dem Felde, wo die Panke entspringt, und in so gewaltigen Strömen ist das Blut der Feinde geflossen, daß der Boden hier bis auf den heutigen Tag davon roth gefärbt worden, weshalb er den Namen das Blutfeld oder rothe Land erhalten. Der Tag der Schlacht ist aber der des heiligen Georg gewesen, welcher noch alljährlich mit einem feierlichen Dankfest begangen wird.",
    "kurztext": "Als die Hussiten 1432 Bernau belagerten, wehrten sich die Bürger mit einer List: Sie brauten ein vergiftetes Bier und ließen es den Feinden zukommen. Die Geschichte vom ›Hussitenblut‹ wird in Bernau bis heute lebendig gehalten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 165,
    "nr": "164",
    "titel": "Der Schloßberg zu Biesenthal",
    "ort": "Biesenthal",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Auf dem Schloßberge, sagt man, habe vor alter Zeit ein starkes Räuberschloß gestanden, in welchem die Herren von Arnheim oder Arnim gewohnt, die alles, was auf der hier vorüberführenden Landstraße von Neustadt-Eberswalde daherkam, überfielen und ausplünderten. War nun schon das Schloß auf dem kegelförmigen Berge und durch seine starken Feldsteinmauern, deren Reste ihn noch umkränzen, an und für sich fest, so kamen noch andre Vertheidigungsmittel hinzu, die es fast unüberwindlich machten. Es gehörte nämlich dazu die unterhalb in geringer Entfernung gelegene Wehrmühle, die davon ihren Namen erhalten hat, daß die Ritter hier, sobald das Schloß in Gefahr stand, das Wasser aufstauen ließen und dadurch die ganze Gegend rings um unter Wasser setzten. Ferner waren sie aber auch mit allem Nöthigen immer hinreichend versehen, denn außer dem eigentlichen Schloß, dessen tiefe Keller noch vorhanden sind, standen die Küche und Wirthschaftsgebäude auf dem ersten Berge, der danach auch der Küchenberg heißt, und unter dem Schlosse in den Wiesen zeigt sich ebenfalls noch eine kleine Erhebung, auf der noch andre Gebäude gestanden haben sollen, wenigstens sind auch dort nicht längst noch Fundamente sichtbar geworden. Die Brauerei und Brennerei soll dicht an der Stadt, am Abhange nördlich der Kirche, gestanden haben, und endlich soll noch eine eigne Schmiede zum Schloß gehört haben. Diese hat auf dem Reiherberg gelegen, einem runden Hügel von etwa funfzehn Fuß Höhe, der mitten im Wiesengrunde an einem kleinen See liegt. Zu demselben führt ein Damm, der beim Küchenberge anhebt, dann beim Schloßberge sich rechts wendet und in grader Linie immer mehr ansteigend und sich in der Breite ausdehnend fortgeht, bis er sich endlich wieder rechts wendet zum Reiherberge und nun dessen ganze Breite annimmt. Dieser Berg wird jetzt beackert und man findet oft beim Pflügen verrostete Eisenwerkzeuge und Schlacken, die beweisen sollen, daß hier eine Schmiede gestanden. Am Fuße desselben finden sich ebenfalls viele Schlacken, Knochen, ganze Kohlenlagen und eine große Anzahl von Scherben, die fast von alten Graburnen herzurühren scheinen.\n\nIm Schloßberg soll nun aus der Zeit, wo die Herrn von Arnheim dort haus'ten, noch ein gewaltiger Schatz vergraben liegen, den sollen nur elf Menschen heben können, der elfte aber wird dabei sterben.",
    "kurztext": "Auf dem Schloßberge, sagt man, habe vor alter Zeit ein starkes Räuberschloß gestanden, in welchem die Herren von Arnheim oder Arnim gewohnt, die alles, was auf der hier vorüberführenden Landstraße von Neustadt-Eberswalde daherkam, überfielen und ausplünderten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 166,
    "nr": "165",
    "titel": "Die verwünschte Prinzessin auf dem Schloßberge",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
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    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Auf dem Schloßberg zu Biesenthal zeigt sich gewöhnlich um Mittag, oft aber auch Mitternacht, eine verwünschte Prinzessin, die geht ganz weiß gekleidet einher und hält ein goldenes Spinnrad in der Hand. Gar manchem ist sie schon dort erschienen, und so erging es vor mehreren Jahren auch einmal einem Gärtner. Dem trat sie einst um Mitternacht, als er eben in den Schloßgarten kam, entgegen, denn dahin hatte es ihn unwiderstehlich getrieben, da er schon seit mehreren Nächten immer dieselbe Stimme vernommen hatte, die ihm zugerufen, er solle auf den Schloßberg kommen. Er erschrak zwar anfänglich über ihre Erscheinung, allein als sie ihn gar beweglich bat, er möge sie doch zur Kirche tragen, die unweit des Berges liegt, faßte er sich ein Herz und nahm sie auf den Rücken. Wie er jedoch in die Kirchhofspforte eintritt, fährt ihm plötzlich ein Wagen entgegen, der ist mit kohlschwarzen Rossen bespannt, welche Feuer aus Maul und Nase speien; da faßt ihn jäher Schrecken und er schreit laut auf; im selben Augenblick verschwindet auch der Wagen, aber auch die Princessin entflieht mit dem Jammerrufe: »wieder auf ewig verloren!«\n\nEinige sagen, die weiße Frau auf dem Schloßberge sei keine verwünschte Prinzessin, sondern ein Fräulein von Arnheim; die sei mit ihrer Schwester die letzte des Stammes gewesen, und habe daher das Schloß geerbt. Warum sie aber verwünscht worden, weiß man nicht, denn sie ist überdies ein gar frommes Fräulein gewesen, und hat den armen Biesenthalern allen Acker, den sie jetzt noch besitzen, geschenkt.",
    "kurztext": "Auf dem Schloßberg zu Biesenthal zeigt sich gewöhnlich um Mittag, oft aber auch Mitternacht, eine verwünschte Prinzessin, die geht ganz weiß gekleidet einher und hält ein goldenes Spinnrad in der Hand.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 167,
    "nr": "166",
    "titel": "Der Bau der Biesenthaler Kirche",
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    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Als die nun wieder aufgebaut wurde, ist alles so schnell von Statten gegangen, daß man hätte meinen mögen, die Steine und Balken kämen dazu nur so herbeigeflogen. In der Nacht hat man aber immer ein gewaltiges Gepolter und Geklapper darin gehört, als wenn da viele Arbeiter beschäftigt wären. Einer der Maurer hat nun einmal einen Eimer auf dem Boden stehen lassen und wollte ihn noch spät in der Nacht herabholen, aber da hat's ihn plötzlich erfaßt und so die Treppe hinunter geworfen, daß er kaum mit dem Leben davon gekommen.",
    "kurztext": "Als die nun wieder aufgebaut wurde, ist alles so schnell von Statten gegangen, daß man hätte meinen mögen, die Steine und Balken kämen dazu nur so herbeigeflogen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 168,
    "nr": "167",
    "titel": "Die Windsbraut",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In Biesenthal und der Umgegend erzählt man: Die Windsbraut war vor Zeiten ein reiches Edelfräulein, welche die Jagd über Alles liebte, aber die Aecker und Gärten der Bauern und deren sauren Schweiß für nichts achtete, und mit gewaltigem Ungestüm durch Saatfelder und Pflanzungen dahinstürmte; dafür ist sie verwünscht worden, in alle Ewigkeit mit dem Sturme dahin zu fahren, und wenn der sich nun erhebt, so eilt sie ihm voran und wird von feurigen Ungethümen, Schlangen und Drachen gejagt, die sie nirgends ruhen lassen.",
    "kurztext": "In Biesenthal und der Umgegend erzählt man: Die Windsbraut war vor Zeiten ein reiches Edelfräulein, welche die Jagd über Alles liebte, aber die Aecker und Gärten der Bauern und deren sauren Schweiß für nichts achtete, und mit gewaltigem Ungestüm durch Saatfelder und Pflanzungen dahinstürmte; dafür ist sie verwünscht worden, in alle Ewigkeit mit dem Sturme dahin zu fahren, und wenn der sich nun erhebt, so eilt sie ihm voran und wird von feurigen Ungethümen, Schlangen und Drachen gejagt, die sie nirgends ruhen lassen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 169,
    "nr": "168",
    "titel": "Der heilige Christoph in der Kirche zu Neustadt-Eberswalde",
    "ort": "Neustadt-Eberswalde",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "In einem Seitenschiffe der Stadtkirche zu Neustadt-Eberswalde sieht man ein großes Frescobild des heiligen Christoph, und es wird erzählt, daß in der Gegend der Kirche, wohin er schaue, ein großer Schatz verborgen liege; was es aber sonst damit für eine Bewandniß habe, weiß niemand. Nur sollen ehedem alljährlich zwei Mönche aus fremden Landen gekommen sein, die sollen nachgesehen haben, ob die Kirche noch stehe und das Bild noch vorhanden sei, dann aber sind sie wieder fortgegangen.",
    "kurztext": "In einem Seitenschiffe der Stadtkirche zu Neustadt-Eberswalde sieht man ein großes Frescobild des heiligen Christoph, und es wird erzählt, daß in der Gegend der Kirche, wohin er schaue, ein großer Schatz verborgen liege; was es aber sonst damit für eine Bewandniß habe, weiß niemand.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 170,
    "nr": "169",
    "titel": "Der Wunderkreis auf dem Hausberg",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier läßt sich öfter eine weiße Frau mit einem großen Bund Schlüssel sehen, die sich auch zuweilen in einen großen schwarzen Hund verwandelt und so die Gegend durchstreift.\n\nJetzt ist der Hausberg oben ganz geebnet und nur der sogenannte Wunderkreis befindet sich dort; das ist ein aus vielen Kreisen bestehender, durch Rasenstücke geschaffner Gang, der so in und durch einander läuft, daß, wenn man ihn zu Ende geht, man an derselben Stelle wieder ankommt, wo man hineingegangen ist. Früher wurde er von den Kindern zu Ostern ausgelaufen, das heißt, derjenige Knabe, der ihn am schnellsten durchlief, erhielt eine Belohnung von Ostereiern, aber jetzt wird seiner nicht mehr geachtet, da die alte Sitte nicht mehr beobachtet wird. Diesen Kreis, sagt man, habe ein alter Schäfer gemacht, der sich dadurch vom Tode gerettet, denn man hatte ihm versprochen, ihm das Leben zu schenken, unter der Bedingung, daß er einen solchen Wunderkreis schaffte, was er denn auch glücklich ausgeführt. – Andre sagen, ein Schäfer hätte sollen hingerichtet werden, und habe noch kurz vor seinem Tode gebeten, daß ihm gestattet werde, noch einmal die herrliche Aussicht auf das Thal vom Hausberge aus genießen zu dürfen. Das ward ihm gewährt, und wie er nun so auf dem Berge umherging, schleifte sein Stock hinter ihm im Sande nach und bildete so den Wunderkreis.",
    "kurztext": "Hier läßt sich öfter eine weiße Frau mit einem großen Bund Schlüssel sehen, die sich auch zuweilen in einen großen schwarzen Hund verwandelt und so die Gegend durchstreift.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 171,
    "nr": "170",
    "titel": "Das Schloß ohne Treppe",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Nachdem er nun den Bau seines Schlosses vollendet hatte, das aber ganz ohne Thüren und Treppen war, ließ er seine Tochter, die sehr schön war, dahin nachkommen, und zwar geleitete sie auf diesem Wege ein Herr von Sparr. Es war damals die ganze Gegend noch ein dichter, fast undurchdringlicher Wald, und nur ein Stückchen Landes um das Schloß war erst ausgerodet; als nun das Fräulein mit ihrem Begleiter an diese Stelle kam, da rief sie freudig aus: »Lichtes Feld!« Da sagte der Vater, als ihm nun der Herr von Sparr die Vorgänge der Reise berichtete und auch diesen Ausruf erzählte: »Nun so will ich das Schloß Lichterfelde nennen!« und diesen Namen hat es denn auch erhalten. Dem Herrn von Sparr hatte aber sein Schützling so gefallen, daß er den Alten bat, sie ihm zur Frau zu geben, aber der suchte allerhand Ausflüchte und sagte endlich, wenn er den Eingang zum Schlosse fände, so solle er sie haben. Damit mußte sich Sparr zufrieden geben und ging davon. Nun trug es sich einmal zu, daß der alte Italiener, der sonst immer seine Tochter ängstlich bewachte, nach Neustadt gefahren war, wo ein großes Fest gefeiert wurde, bei dem auch Sparr, der auf dem Schlosse zu Trampe wohnte, zugegen war. Kaum erblickte der den Alten, als er aufbrach und nach Lichterfelde fuhr. Das Fräulein, die im obern Stockwerke des Schlosses wohnte und gerade am Fenster saß, erblickte ihn alsbald und ließ sogleich einen großen Korb herab, vermittelst dessen sie den Vater immer hinaufwinden mußte, und so hatte denn der Herr von Sparr die Bedingung, welche ihm der Alte gestellt hatte, erfüllt und heiratete bald danach das Fräulein. Als ihm aber das erste Kind geboren wurde, da ließ er auch eine Treppe im Schloß anlegen und es überhaupt mehr nach der Sitte anderer Häuser einrichten.",
    "kurztext": "Nachdem er nun den Bau seines Schlosses vollendet hatte, das aber ganz ohne Thüren und Treppen war, ließ er seine Tochter, die sehr schön war, dahin nachkommen, und zwar geleitete sie auf diesem Wege ein Herr von Sparr.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 172,
    "nr": "171",
    "titel": "Die von Uchtenhagen zu Freienwalde",
    "ort": "Freienwalde",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.7875,
    "lng": 14.0301,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das Gemäuer, bei welchem man hinaufgeht, war von eitel Feldsteinen und von ungefähr fünf Fuß Stärke. Jetzt sind von all dem nur dürftige Spuren, der Berg ist zu einem schönen Spatziergang umgeschaffen, allein das Andenken an den Uchtenhagen hat sich noch frisch und lebendig erhalten.\n\nEs war nämlich einmal ein gar fehdelustiger Ritter, Namens von Hagen, der lag im Kampf mit einem des Geschlechts von Jagow; nun hatte aber der Kurfürst im ganzen Lande geboten, daß aller Streit rechtlich beigelegt werden solle, und gegen die Uebertreter dieser Verordnung harte Strafen ausgesprochen. Als er nun erfuhr, daß der von Hagen der Anstifter dieses Streits sei, erklärte er ihn in die Acht und beraubte ihn aller seiner Habe. Nun irrte dieser unstät umher, indem er sich von Räubereien ernährte, die er besonders in der Gegend von Freienwalde, wo er seine Höle hatte, ausübte. Nicht lange nach dieser Zeit aber traf sich's, daß der Kurfürst in einen Krieg verwickelt wurde, und zwar, wie einige sagen, mit den Herzögen von Mecklenburg; in diesem kam es auf dem sogenannten rothen Felde, in der Gegend der Sonnenburger Heide, zu einer blutigen Schlacht, woher das Feld auch das rothe genannt worden ist. Diese dauerte fast einen ganzen Tag, und schon wankten die Brandenburger, von dem überlegenen Feinde hart bedrängt, als plötzlich der von Hagen, in schwarzer Rüstung und mit herabgelaßnem Visier aus einem Dickicht mit seinem Häuflein treuer Knechte hervorbrach, den Feinden in den Rücken fiel und sie so in große Verwirrung brachte. Da bekamen die Brandenburger neuen Muth, drangen von neuem vor und nicht lange währte es, so warfen sie die Feinde vollständig über den Haufen. Als so die Schlacht glücklich geendet war, ließ der Kurfürst den schwarzen Ritter vor sich kommen, dankte ihm für seine Hülfe und fragte nach seinem Namen. Hagen weigerte sich jedoch, ihn zu nennen, indem er sagte, der thue nichts zur Sache. Darauf drang auch der Kurfürst, der wohl ahnen mochte, wer er sei, nicht weiter in ihn und sagte: »Damit du siehst, daß ich erkenntlich bin, so soll, was du mit deinem Rappen vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne umreiten kannst, dein sein, und weil du aus dem Haag uns zur Hülfe kamst, so sollst du forthin der Ritter von Ut dem Hagen sein!« Mit diesen Worten schlug er ihn darauf zum Ritter, und in der Folge ist der Name in Uchtenhagen umgestaltet worden.\n\nAm folgenden Morgen setzte sich der Ritter Uchtenhagen mit Sonnenaufgang auf dem Schloßberge bei Freienwalde zu Roß, und ritt nun in Begleitung einiger Gefährten weit herum um Freienwalde, bis nahe an Wriezen heran, ritt, da es Sommer war, durch die seichte Oder, und kam durch das Niederbruch hindurch gegen Abend nach Neuenhagen, das etwa eine halbe Meile von Freienwalde entfernt liegt. Hier traf er auf dem Felde einen Schäfer an, den er fragte: »Schäfer, was ist's an der Zeit?« worauf ihm dieser antwortete: »Nun die Sonne geht zur Rüste!« sogleich zog der Uchtenhagen sein Schwert, schlug dem Schäfer den Kopf ab und steckte neben dem Leichnam, mit Hülfe seiner Gefährten, einen großen Pfahl auf, zum Zeichen, daß er bis hieher auf seinem Ritt gekommen, und diesen Pfahl bewahrt man noch jetzt auf dem Amte Neuenhagen auf. Nun baute sich Uchtenhagen auf dem Freienwalder Schloßberge eine Burg, aus der eine Menge unterirdischer Gänge führten, damit, wenn er in großer Bedrängniß sei, er hier einen sichern Ausweg habe, denn die Zahl seiner Feinde, die zuvor schon groß war, wurde durch die Gnade des Kurfürsten nur vermehrt. Als nun Uchtenhagen alt wurde, übernahm sein ältester Sohn die Verwaltung seiner Besitzungen, welcher der einzige ihm von mehreren Söhnen übrig gebliebene war, allein auch dieser starb bald darauf und hinterließ nur einen einzigen Knaben. So waren nun der alte Uchtenhagen und sein Enkel allein von dem ganzen Geschlecht übrig, und seine Feinde suchten ihm auf mancherlei Weise anzukommen, aber sein Schloß war zu fest, da konnten sie ihm nichts anhaben, deshalb dangen sie dann einen feilen Knecht, der mußte beide vergiften. Der Alte fiel auch bald als ihr Opfer, und nun war der Knabe noch übrig; dem ward eines Tages eine Birne gereicht, die war vergiftet. Nun hatte er einen Hund, den er gar sehr liebte und mit dem er all seine Speise theilte, dem warf er ein Stück der Birne zu, und das treue Thier starb mit ihm. Dieser Augenblick, wie der Knabe die Birne in der Hand hält und der Hund liebkosend an ihm heraufspringt, ist auf einem Gemälde dargestellt, das sich noch jetzt in der Freienwalder Kirche über dem Altar befindet; es trägt auch eine auf die Begebenheit bezügliche Inschrift, aus der man ersieht, daß der Knabe acht und ein halbes Jahr alt war, als er starb. Der alte Uchtenhagen aber und sein Enkel ruhen in der Gruft unter dem Altar der Freienwalder Kirche, wo man vor mehreren Jahren noch ihre bereits zu Staub zerfallenen Leichen in den Särgen gefunden hat.",
    "kurztext": "Das Gemäuer, bei welchem man hinaufgeht, war von eitel Feldsteinen und von ungefähr fünf Fuß Stärke.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 173,
    "nr": "172",
    "titel": "Das alte Strombett",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die Höhe der Ufer dieser Seen ist ziemlich bedeutend und sie fallen meist steil zum Spiegel des Wassers ab, die Breite ihrer Thäler aber beträgt fast durchgehends nur einige hundert Schritt. Diese Seen sollen, wie man allgemein in der Gegend behauptet, vor Zeiten ein fahrbares Wasser, oder, wie andre sagen, ein schiffbarer Strom gewesen sein. Fischbach berichtet diese Sage ebenfalls, und zwar sagt er, es sei hier vor Alters ein Kanal gewesen, durch welchen die Oder mit der Spree verbunden worden.",
    "kurztext": "Die Höhe der Ufer dieser Seen ist ziemlich bedeutend und sie fallen meist steil zum Spiegel des Wassers ab, die Breite ihrer Thäler aber beträgt fast durchgehends nur einige hundert Schritt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 174,
    "nr": "173",
    "titel": "Die Stadt im Blumenthal",
    "ort": "Buckow (Märkische Schweiz)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5667,
    "lng": 14.0667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Noch vor wenigen Jahren war auch diese mit sehr alten Eichen bestanden, aber jetzt sind sie gefällt, und man hat westlich einen freien Blick bis zu dem etwa eine Viertelmeile entfernten Heidekrug, östlich bis zu dem unweit Prötzel gelegenen Hammelstall, nördlich und südlich ist der Blick durch Eichen- und Fichtenwald begrenzt. Jetzt wird dieser Flecken Landes, ungeachtet der Boden mit gewaltigen Massen bald kleinerer, bald größerer Steine bedeckt ist, mit Getraide bestellt, und nur, wo sich die Anhöhe nach Osten zu senkt, hat man eine größere Eiche stehen lassen, zum Andenken daran, daß hier einst eine Stadt gestanden, die untergegangen ist. Unter dieser Eiche liegt nämlich ein großer Granitblock, der von ziemlich viereckiger Gestalt und oben geebnet ist; er hat eine Breite und Länge von etwa acht Fuß, liegt aber, wie es scheint, sehr tief in der Erde. Dieser Stein soll, wie erzählt wird, die Stelle bezeichnen, wo der Marktplatz der untergegangenen Stadt lag, und in seiner Nähe erstrecken sich, in einer Höhe von etwa zwei Fuß über dem Boden und fast in der ganzen Ausdehnung des jetzigen Feldes, Steinwälle, die tief in die Erde hinabgehen. Das sollen die Fundamente der Häuser jener Stadt sein. Noch vor hundert Jahren konnte man hier, nach Beckmann's Beschreibung, die Spuren einer Hauptstraße, welche die Richtung nach Straußberg hielt, und von sechs Querstraßen finden; außerdem waren noch verschiedene Gruben als Ueberreste von Kellern oder Brunnen zu sehen, und vier ummauerte Plätze, die, wie er meint, der Nachlaß von Kirche, Rathhaus, Schloß, Kloster oder dergleichen gewesen sein mögen. Innerhalb dieses Raumes liegen auch drei runde Hügel, von denen man sagte, daß sie Begräbnißhügel seien. Das Alles ist jetzt zum größeren Theil verschwunden, aber von dieser Stadtstelle haben sich noch mannichfaltige Sagen, namentlich in Straußberg, erhalten. Eine alte 73jährige Frau erzählte darüber, wie sie von einem 83jährigen Schäfer in ihrer Jugend gehört, der es von seinem Großvater vernommen habe, daß im Blumenthal einst eine sehr schöne Stadt mit guter Nahrung gestanden habe, die durch ein Erdbeben zerstört worden sei. Sie selbst habe noch den Kirchhof und den Grabstein des Predigers gesehen, auf dem mit großen Buchstaben zu lesen gewesen: »Prediger Troschel, gebürtig aus Marienwerder«, doch können sie sich der Zahlen des Geburts- und Todesjahrs desselben nicht mehr genau entsinnen. Der Schäfer, dessen Vater schon immer in diesem Irrgarten, in dem die schönsten Mallinekens (Himbeeren), weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren, Haselnüsse gestanden, gehütet hatte, erzählte ihr einst, als er auf einem Eichenstumpf saß, auf diesem hätte sein Großvater alle Morgen einen Groschen gefunden (es war aber noch einer von den alten, von denen 24 auf einen Thaler gingen), das hätte er aber niemand sagen dürfen, sonst hätte er ihn nicht mehr bekommen. Er that daher das Geld stets heimlich in einen Sack und bewahrte den an einem sichern Ort. Einst mußte er ihn aber da fortnehmen, nachdem er 9 Jahre lang alle Tage seinen Groschen erhalten hatte, und versteckte ihn deshalb in seinem Strohsack. Als nun seine Frau das Bett macht, findet sie den Sack und schilt nun auf ihren Mann los, sie habe so lange geglaubt einen ehrlichen Mann zu haben, und sehe nun, daß er ein Spitzbube sei. Da erzählte ihr der Mann, um sich vom Verdacht zu reinigen, woher er das Geld habe, aber des andern Morgens war auch kein Groschen mehr auf dem Eichenstumpf, und nie hat er wieder einen bekommen.\n\nSeltsam ist auch, was dem Vater des Schäfers dort mit seinem Hunde begegnet, so lange er den nämlich gehabt, ist der Hund, der den ganzen Tag über nichts fraß, Mittags in ein kleines Loch auf der Stadtstelle gekrochen, und wenn er auch noch so dünn hineinging, kam er doch immer wohlgenährt heraus, und hatte sich oft so rund gefressen, daß ihm die Wampe bis auf die Erde hing. Der Schäfer behauptete aber steif und fest, »då mütten Lüüde in west sinn, dee den Hund föddert hebben!«\n\nEinige sagen auch, auf der Stadtstelle zeige sich öfters eine weiße Frau, welche ein verwünschtes Fräulein sei, und auf dem Marktsteine sei noch eine Menschen- und Pferdetrappe sichtbar, woran man sehn könne, daß auch der Teufel dort sein Wesen getrieben.",
    "kurztext": "Im Blumenthal bei Buckow in der Märkischen Schweiz liegt eine versunkene Stadt auf dem Seegrund. An Johanni spiegeln sich ihre Türme im stillen Wasser – und Kinder, die am Ufer spielen, hören bisweilen Glockentöne aus der Tiefe.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 175,
    "nr": "174",
    "titel": "Der Blumenthalsche See",
    "ort": "Buckow (Märkische Schweiz)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5667,
    "lng": 14.0667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Es muß aber recht etwas Wunderschönes darin sein, denn am zweiten Adventstage hört man den ganzen Tag über eine herrliche Musik, wie von Pauken und Trompeten und auch Gesang, und die kommt aus dem Koffer. Ein Schäfer war einst grade an diesem Tage mit einem alten Fischer und noch andern dort in der Nähe, und es war ihnen allen schon den ganzen Tag wie Musik in den Ohren; als sie nun dem See näher kamen, wurde diese immer deutlicher, und wie sie endlich am Ufer anlangten, sahen sie den Koffer und hörten die Musik in ihrer ganzen Schönheit.\n\nWunderbareres kann man aber noch am Neujahrstage dort erleben, denn da sieht man Leinen quer über den ganzen See gezogen, darauf hängt die allerfeinste Wäsche, und zwar so schöne Hemden, Ueberzüge, Handtücher, Laken und dergleichen mehr, daß sie wohl jeder gern haben möchte. Zum See führen dann ordentliche, von Rasen gemachte Stufen hinab, und es scheint so recht einladend gemacht, daß einer die Wäsche holen solle. Eine Frau kam nun auch einmal am Neujahrstage des Weges, und da der See immer an dem Tage zugefroren ist, heute aber grade so fest war, daß man noch die Spuren der schweren Holzwagen sah, die darüber gefahren waren, konnte sie dem Gelüste nicht widerstehn und wollte eins der schönsten Stücke holen, aber wie sie hingeht und faßt nur kaum die erste Klammer an, giebts ein fürchterliches Krachen, das Eis bricht unter ihr zusammen, und sie hätte unfehlbar ertrinken müssen, wenn ihr nicht noch die Fischer, die grade auf dem See fischen wollten, zur rechten Zeit zu Hülfe gekommen wären. – Wie Einige erzählen, soll sich dies Alles nicht auf dem Blumenthal-, sondern auf dem Straußsee zutragen.",
    "kurztext": "Wunderbareres kann man aber noch am Neujahrstage dort erleben, denn da sieht man Leinen quer über den ganzen See gezogen, darauf hängt die allerfeinste Wäsche, und zwar so schöne Hemden, Ueberzüge, Handtücher, Laken und dergleichen mehr, daß sie wohl jeder.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 176,
    "nr": "175",
    "titel": "Der wilde Jäger im Blumenthal",
    "ort": "Buckow (Märkische Schweiz)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5667,
    "lng": 14.0667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Es soll dies aber ein alter Oberförster sein, der zur Strafe, daß er die armen Leute, die Holz aus dem Walde holten, arg mißhandelte, und namentlich weil er einem den Arm zerschlagen, verdammt ist dort ewig zu jagen.\n\nEine Frau war einst noch spät Abends mit anderen im Walde, wo sie Beeren gesucht hatten, da hören sie von fern ein lautes »hoho«, Peitschengeknall und Hundegebell. Da ihr nun ein so arger Lärmen im Walde noch nie vorgekommen, fragte sie die übrigen, was das wäre, und erfuhr, daß es die wilde Jagd sei, wurde aber auch zugleich gewarnt, nicht zu nahe heranzugehen. Sie aber war neugierig und wollte doch den Zug, von dem sie schon so viel hatte erzählen hören, gern sehen; als sie nun wenige Schritte vorgegangen, wird der Lärm immer gewaltiger, und indem sie sich umblickt, sieht sie das Pferd des wilden Jägers dicht an ihrer Schulter; in demselben Augenblick ist sie aber auch schon zu Boden gerannt, und der Topf mit all den schönen Beeren liegt zerbrochen an der Erde. – Unweit von der Stelle, wo sie den wilden Jäger gesehen, giebts auch einen Weg, welcher der Hans-Mertenweg heißt, und seinen Namen von einem alten Manne haben soll, der vor Zeiten im Walde sein Brot durch Ausroden der Eichenstubben verdiente, und den Weg gemacht haben soll.\n\nAndere erzählen, dieser wilde Jäger sei darum verdammt, ewig zu jagen, weil er sich gegen Gott versündigt habe. Er hat nämlich einstens am ersten Weihnachtsfeiertage gejagt, und da sich kein Wildbrät hat wollen sehen lassen, so hat er gesagt, »und sollte ich bis zum jüngsten Tage jagen, so muß ich heut einen Hasen haben«, aber er hat keinen bekommen und jagt dafür noch bis auf den heutigen Tag.",
    "kurztext": "Eine Frau war einst noch spät Abends mit anderen im Walde, wo sie Beeren gesucht hatten, da hören sie von fern ein lautes »hoho«, Peitschengeknall und Hundegebell.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 177,
    "nr": "176",
    "titel": "Der Name von Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Die Stadt Straußberg soll ihren Namen von dem Straußsee, an dem sie liegt, haben, und der heißt so, weil er ganz die Gestalt wie der Vogel des Namens hat. Man möchte zwar meinen, daß die langen Beine fehlen, aber auch die sind da, wenn man nämlich die beiden alten Gräben ansieht, welche an der Stadt sind.\n\nWie nun auch der Name der Stadt entstanden sei, vom Vogel Strauß soll er, wie alle Straußberger sagen, bestimmt herstammen. Denn auch Angelus, der daher gebürtig war, erzählt in seinen märkischen Annalen beim Jahre 1254: »Etliche haltens dafür, daß Straußberg den nahmen habe von dem großen vngehewren vogel Straus, vnd sagen, daß an dem ort der Stad, den man eine lange zeit biß nun hero den Buchhorst genennet, viel grose gewaltige büchbävme gestanden, darin sich der vogel Straus gehalten habe.«",
    "kurztext": "Wie nun auch der Name der Stadt entstanden sei, vom Vogel Strauß soll er, wie alle Straußberger sagen, bestimmt herstammen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 178,
    "nr": "177",
    "titel": "Der Lindwurmknochen in Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Von dem sagen einige, daß er von einem Riesen herstamme, andere aber erzählen, daß er einem Lindwurm angehört, der einst im dortigen Walde gehaust habe.",
    "kurztext": "In der kleinen Kapelle vor dem Landsberger Tor zu Strausberg ist ein gewaltiger Knochen zu sehen, der mit einer großen eisernen Kette angeschlossen ist. Die Bürger behaupten, es sei der Knochen eines Lindwurms, der einst die Gegend verwüstete, bis ihn ein mutiger Ritter erlegte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 179,
    "nr": "178",
    "titel": "Der hohle Marienberg bei Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Marienberg aber ist inwendig hohl, und die Ritter sollen dort in alten Zeiten ihre Schätze verborgen haben; daß er aber inwendig hohl sei, kann man noch heute sehen, denn ganz oben auf demselben ist ein kleines Loch, kaum drei Hände breit, in dem kann man mit wohl zwanzig an einander gebundenen langen Stangen doch noch nicht auf festen Grund kommen.",
    "kurztext": "Der hohle Marienberg bei Straußberg. Von dem Berge, auf welchem jetzt das Landarmenhaus zu Straußberg steht, soll ein unterirdischer Gang am See entlang bis zum Marienberg führen, den aber bis jetzt noch keiner hat entdecken können.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 180,
    "nr": "179",
    "titel": "Die drei vermauerten Thore zu Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Während er nun da war, schickt der Blumenthaler seine Leute nach Straußberg und läßt es einnehmen; das erfährt jedoch der Straußberger noch zur rechten Zeit, macht sich auf und nimmt die Stadt wieder. Da ließ er denn am andern Tage die alten Thore zumauern, und dicht neben denselben neue durchbrechen, weil, wie er sagte, kein ehrlicher Mann mehr durch die alten gehen könnte, seitdem Spitzbuben durch sie eingezogen wären.",
    "kurztext": "Die drei vermauerten Thore zu Straußberg. Neben den drei Thoren zu Straußberg sah man sonst drei andere, welche zugemauert sind, und über diesen waren auch Thürme.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 181,
    "nr": "180",
    "titel": "Von Kobolden in Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Gleich kam ihr ein kleines rothes Männchen entgegen, machte sich über die Milch her und trank sie bis auf den letzten Tropfen aus. Da sah denn das Mädchen ein, warum die Frau ihr verboten auf den Boden zu gehen, denn das rothe Männchen war ein Kobold.\n\nDa war auch mal ein Mann in Straußberg, der hieß Prinzlow, und weil ihrer viele des Namens dort waren, und dieser einen Kobold hatte, nannte man ihn zum Unterschiede den Koboldprinzlow. Er war aber so reich, daß er sagte, er könne den Weg von seinem Hause bis zur Kirche mit lauter harten Thalern pflastern, und das war ein tüchtiges Stück. All diesen Reichthum hatte ihm aber sein Kobold gebracht, den man oft genug in seinen Schornstein hineinfliegen sah, und zwar war er roth, wenn er Geld, aber blau, wenn er Korn brachte. Wie er nun Geld genug hatte, ward er des Kobolds überdrüssig, setzte ihn in eine Küpe, trug ihn über einen Kreuzweg fort, wo er ihn ausschüttete und ging dann ruhig seiner Wege. Tags darauf kam ein Straußberger Schuhmacher des Wegs, der wenig Arbeit und kein Geld hatte, und wie der an den Kreuzweg kommt, sieht er da einen Vogel sitzen, etwa so groß wie eine Elster und mit rothen und schwarzen Federn, der ruft immer »ich bin herrenlos, ich bin herrenlos«. Da fragte ihn denn der Schuhmacher, »wer bist du denn, daß du herrenlos bist«, aber der Vogel schrie immer nur »ich bin herrenlos, ich bin herrenlos«. Da dachte denn der Schuhmacher, er könne ihn ja wohl mit sich nehmen, fing ihn und trug ihn nach Hause. Das hat denn auch nur kurze Zeit gedauert, da ist der Schuhmacher ein reicher Mann geworden, und hatte bald drauf vier Gesellen zu sitzen, die immer vollauf zu thun hatten.",
    "kurztext": "Einem anderen Mädchen war von seiner Frau verboten worden, auf den Boden zu gehen, wohin diese sich gewöhnlich selbst zu begeben pflegte; als das nun auch eines Tages geschah, konnte es seine Neugierde nicht länger zügeln, versteckte sich auf dem Boden und.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 182,
    "nr": "181",
    "titel": "Der äffende Kobold",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Koboldsage",
    "volltext": "Das vermerkte der Mann übel, nahm eine Ruthe und hieb nach dem Vogel, aber der flog auf den nächsten Zweig, der nur ganz niedrig war, und lachte wieder »hahaha«. Da dachte der Mann, »das ist ein so schöner Vogel, damit könntest du deinem Gevatter eine Freude machen, wenn du ihn fingest und mit nach Hause brächtest«, lief deshalb hin und wollte ihn fangen, aber der Vogel flog auf und zum nächsten Zweig, der Mann hinterher, und so führte er ihn eine lange Zeit an, indem er jedesmal, wenn ihn der Mann vergeblich zu greifen gesucht hatte, nur lachte »hahaha«. Da stand jener denn endlich ab von seinem Unternehmen; aber wie staunte er nun, als er sich umsah, denn er erblickte weder Weg noch Steg, und fand sich in einsamer Wildniß. Nun fing es auch an finster zu werden, und jetzt erst merkte er, daß ihn ein Kobold geäfft habe; lange irrte er umher im Walde, fand auch nicht mehr den Ort, wo er Jacke, Stiefel, Stricke und Reisbündel zurückgelassen hatte, und dankte nur Gott, als er spät in der Nacht glücklich wieder nach Straußberg kam. Aber des andern Morgens früh ging er gleich wieder in die Haide, nach seinen Habseligkeiten zu sehen, fand sie auch unversehrt, und zu seiner größten Verwunderung saß der roth und schwarze Vogel wieder da und lachte wieder »hahaha«. Nun aber ließ er sich nicht zum zweiten Male äffen, sondern schnitt sich eine starke Ruthe und führte einen kräftigen Schlag nach ihm; da flog denn der Vogel davon und hat sich nicht wieder sehn lassen.",
    "kurztext": "Das vermerkte der Mann übel, nahm eine Ruthe und hieb nach dem Vogel, aber der flog auf den nächsten Zweig, der nur ganz niedrig war, und lachte wieder »hahaha«.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 183,
    "nr": "182",
    "titel": "Der Klostersee bei Straußberg",
    "ort": "Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5775,
    "lng": 13.8792,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der Klostersee bei Straußberg ist ein gar gefährliches Wasser und schon mancher ist darin ertrunken, der nun dort umgeht. Namentlich soll das der Fall sein mit einem Jäger, den man häufig über das Wasser kommen sieht, so daß es ihm kaum die Knöchel benetzt, und er wie auf ebener Erde daherwandelt.\n\nEin anderer Jäger wurde in der Haide am Klostersee bereits vor längerer Zeit erschlagen, und einige Tage nach seinem Tode dessenungeachtet dort im Walde in seiner gewöhnlichen Tracht gesehen; aber wunderbar war, daß er nicht grade fort wie ein Mensch ging, sondern einen hüpfenden, springenden Gang hatte und plötzlich, wie er erschienen, unter einem Baume verschwand.",
    "kurztext": "Ein anderer Jäger wurde in der Haide am Klostersee bereits vor längerer Zeit erschlagen, und einige Tage nach seinem Tode dessenungeachtet dort im Walde in seiner gewöhnlichen Tracht gesehen; aber wunderbar war, daß er nicht grade fort wie ein Mensch ging,.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 184,
    "nr": "183",
    "titel": "Der dreiste Knabe",
    "ort": "Batzlow bei Strausberg",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.55,
    "lng": 13.98,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So wachte auch einmal ein Knabe bei seiner kleinen Schwester, und war ganz allein im Hause, denn Vater und Mutter waren nach der Stadt gegangen, da kommt plötzlich ein kleines Männchen hinter dem Ofen hervor, und gleich danach eine kleine Frau, beide ganz weiß gekleidet, die sagen ihm erst, er solle ihnen die Kleine geben, und als er das verweigert, treten sie zur Wiege und wollen das Kind mit Gewalt herausnehmen. Da er aber ein starker Knabe war, hat er ihnen das tapfer gewehrt und sich so lange mit ihnen herumgeschlagen, bis sie beide die Flucht nahmen, und wieder hinter dem Ofen, woher sie gekommen waren, verschwanden. Hätte er sich aber nicht so brav gehalten, so würden sie eins ihrer häßlichen Kinder untergeschoben haben.",
    "kurztext": "In Batzlow, einem Dorfe etwa anderthalb Meilen von Wrietzen und eine Meile von Friedland, pflegen die Leute noch hin und wieder bei kleinen Kindern, ehe sie getauft sind, ein Licht brennen zu lassen und zu wachen, damit sie nicht von den Unterirdisch",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 185,
    "nr": "184",
    "titel": "Das vertauschte Kind",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das beste Mittel, dasselbe vor dem Raube zu schützen, ist, daß man der Wöchnerin ein Gesangbuch unter den Kopf legt, oder im Augenblick des Vertauschens den Namen Jesu Christi ruft.\n\nEine Wöchnerin in Straußberg fühlte auch einst in der Nacht, daß plötzlich eine Hand über ihr Bett faßte, ihr Kind nahm und statt dessen ein andres hinlegte. Als es nun Tag wurde, sah sie ein Kind mit breitem dickem Kopf neben sich in der Wiege liegen, das war in schlechtes graues Linnen eingeschlagen, und das ihre war doch so schön gewickelt gewesen. Darüber war sie nun ganz untröstlich und mochte das garstige Ding gar nicht ansehen, die Nachbarinnen aber, die davon hörten und hin zukamen, sagten ihr, das Kind sei ein Untereerdschken, und sie sollte es ja recht liebreich aufziehen und nicht schlagen, sonst würde das ihre von den Unterirdischen wieder geschlagen. Das hat sie denn auch treulich befolgt, aber so rechte Liebe hat sie doch zu dem untergeschobenen Kinde nie fühlen können.",
    "kurztext": "Das beste Mittel, dasselbe vor dem Raube zu schützen, ist, daß man der Wöchnerin ein Gesangbuch unter den Kopf legt, oder im Augenblick des Vertauschens den Namen Jesu Christi ruft.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 186,
    "nr": "185",
    "titel": "Die gefangene Mahre",
    "ort": "",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das geschah denn auch, und als er des andern Morgens erwachte, sah er zu seiner Verwunderung ein Frauenzimmer an seinem Bette sitzen, dem er vor langer Zeit die Ehe versprochen, sein Wort aber nicht gehalten hatte. Da ging er denn in sich, heiratete sie und lebte glücklich und zufrieden mit ihr, sprach jedoch nie ein Wort über jene Nacht. Aber einst, als er bereits vier Kinder von ihr hatte, mochte er doch seiner Neugierde nicht widerstehen können und fragte: »Nun sage mal, wie kommt denn das, daß du eine Mahre geworden bist?« und kaum hatte er das Wort gesprochen, so ist auch seine Frau verschwunden und nie wiedergekommen.",
    "kurztext": "Das geschah denn auch, und als er des andern Morgens erwachte, sah er zu seiner Verwunderung ein Frauenzimmer an seinem Bette sitzen, dem er vor langer Zeit die Ehe versprochen, sein Wort aber nicht gehalten hatte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 187,
    "nr": "186",
    "titel": "Die verschwundene Stadt bei Bukow",
    "ort": "Buckow (Märkische Schweiz)",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5667,
    "lng": 14.0667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die beiden Becken in Tucheband.\n\nFrankfurter Matrikelbuch.1\n\n»Das Dorf Tucheband hat eine gemauerte Kirche und schönen gemauerten Thurm, welches in der Wiesen nicht leicht funden wird. An der Kirche auswärts gegen der Sonne Aufgang sind zwei messingene Becken eingemauert; wenn die Sonne darauf scheinet, geben sie einen Glanz ins Feld wie zwei Sterne; eins steht über das andere. Davon wird unterschieden erzählt, woher sie kämen. Etliche sagen, es wären zweene Brüder aus dem Dorfe entsprossen, so Balbierer worden und sich in fremden Landen sehr versucht, daß sie in Ruhm kommen und das Dorf Ehr von ihnen gehabt, sie auch selbst hätten ihr Vaterland mit diesen Becken als mit Schildereien beehret ihrer Kunst wegen. Andere meinten, daß eine Junfer von K-ll hätt ein Gestifft gemacht und dieselbe zum Denkmal dessen setzen lassen. Es scheinet, daß sie so alt seien als das Kirchengebäude und stracks bei dem Baw hinein gemacht sein, weil die beiden runden Löcher, darin sie stehen, stracks müssen also gemauert gewesen sein, wie die Mawer ist aufgeführt worden.\n\nEs sind aber vor Alters Wallfahrten dahin gewesen unter dem Babstthum.«\n\nDiese beiden Becken sind nach mündlichen Nachrichten noch bis zum Jahre 1794, wo ein Bau an der Kirche nothwendig wurde, dort befindlich gewesen, seit der Zeit aber verschwunden.\n\n1 In Frankfurt lebte vom Jahre 1648 bis 1667 ein Superintendent Heinsius, der in ein großes Buch in Folio alle Nachrichten, die er von märkischen Pfarreien, so unter ihm standen, gesammelt, aufschrieb. Dies Buch heißt das Frankfurter Matrikelbuch und befindet sich noch im dortigen Superintendenturarchive. Darin findet sich die obige Sage über Tucheband, ein Dorf unweit Küstrin im Oderbruch gelegen.",
    "kurztext": "»Das Dorf Tucheband hat eine gemauerte Kirche und schönen gemauerten Thurm, welches in der Wiesen nicht leicht funden wird.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 188,
    "nr": "187",
    "titel": "Die beiden Becken in Tucheband",
    "ort": "Tucheband",
    "region": "Mittelmark",
    "lat": 52.5372,
    "lng": 14.5118,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die beiden Becken in Tucheband.\n\nFrankfurter Matrikelbuch.1\n\n»Das Dorf Tucheband hat eine gemauerte Kirche und schönen gemauerten Thurm, welches in der Wiesen nicht leicht funden wird. An der Kirche auswärts gegen der Sonne Aufgang sind zwei messingene Becken eingemauert; wenn die Sonne darauf scheinet, geben sie einen Glanz ins Feld wie zwei Sterne; eins steht über das andere. Davon wird unterschieden erzählt, woher sie kämen. Etliche sagen, es wären zweene Brüder aus dem Dorfe entsprossen, so Balbierer worden und sich in fremden Landen sehr versucht, daß sie in Ruhm kommen und das Dorf Ehr von ihnen gehabt, sie auch selbst hätten ihr Vaterland mit diesen Becken als mit Schildereien beehret ihrer Kunst wegen. Andere meinten, daß eine Junfer von K-ll hätt ein Gestifft gemacht und dieselbe zum Denkmal dessen setzen lassen. Es scheinet, daß sie so alt seien als das Kirchengebäude und stracks bei dem Baw hinein gemacht sein, weil die beiden runden Löcher, darin sie stehen, stracks müssen also gemauert gewesen sein, wie die Mawer ist aufgeführt worden.\n\nEs sind aber vor Alters Wallfahrten dahin gewesen unter dem Babstthum.«\n\nDiese beiden Becken sind nach mündlichen Nachrichten noch bis zum Jahre 1794, wo ein Bau an der Kirche nothwendig wurde, dort befindlich gewesen, seit der Zeit aber verschwunden.\n\n1 In Frankfurt lebte vom Jahre 1648 bis 1667 ein Superintendent Heinsius, der in ein großes Buch in Folio alle Nachrichten, die er von märkischen Pfarreien, so unter ihm standen, gesammelt, aufschrieb. Dies Buch heißt das Frankfurter Matrikelbuch und befindet sich noch im dortigen Superintendenturarchive. Darin findet sich die obige Sage über Tucheband, ein Dorf unweit Küstrin im Oderbruch gelegen.",
    "kurztext": "Die beiden Becken in Tucheband. Frankfurter Matrikelbuch.1 »Das Dorf Tucheband hat eine gemauerte Kirche und schönen gemauerten Thurm, welches in der Wiesen nicht leicht funden wird.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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  {
    "id": 189,
    "nr": "188",
    "titel": "Das Kloster Chorin",
    "ort": "Chorin",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.8869,
    "lng": 13.8847,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Sagen der Ukermark.\n\n188. Das Kloster Chorin. Mündlich.\n\nDas Kloster Chorin hat nicht immer an der Stelle gestanden, wo man noch jetzt die schönen Ruinen desselben sieht, sondern es hat ehmals in der Nähe des großen Paarsteinschen Sees auf dem Rosmarinberge gestanden; warum man es aber von dort fortgebracht, weiß man nicht. Als nun das neue Kloster an dem Mariensee gebaut wurde, da haben sieben Baumeister lange lange Jahre daran gearbeitet, bis sie endlich das herrliche Werk vollendet haben; es war aber auch eine gar schwere Arbeit, indem sie auch noch einen weiten unterirdischen Gang nach dem Kloster zu Angermünde, in dem die Choriner Mönche zu den dortigen Nonnen gingen, sowie einen von da nach Greifenberg, bauten. So hat es denn lange Zeit gestanden in seiner Pracht, bis es endlich mit allen Gebäuden, die darum und daran sind, auf ewige Zeiten verwünscht worden ist. Von da an sind die Unterirdischen darin eingezogen, die kommen bald hier, bald da in ihrer grauen Kleidung und mit dreieckigem Hute zum Vorschein, aber nicht jeder kann sie sehen, sondern nur Sonntagskinder und andre Begabte.",
    "kurztext": "Das Kloster Chorin wurde der Sage nach an der Stelle gegründet, wo eine weiße Taube niederging und so den Mönchen den heiligen Ort anzeigte. Die gotische Klosterkirche gilt noch heute als eines der schönsten Zeugnisse der Backsteingotik in der Mark.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 190,
    "nr": "189",
    "titel": "Der Bötticher bei den Unterirdischen",
    "ort": "",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Der hörte auch einmal in der Nacht die Stimme, die rief ganz laut seinen Namen, als wenn jemand in der Stube wäre und gab ihm einen Ort im Kloster an, wo er sich einfinden solle, aber er that, als höre ers nicht und drehte sich um. Da rief es zum zweiten und endlich zum dritten Mal; nun stand er auf, nahm all sein Handwerkszeug, Messer, Beil, Hammer und Reifen, wie es ihm die Stimme geheißen hatte, mit sich und ging nach dem bestimmten Orte. Hier fand er ein kleines Männchen stehen, das grüßte ihn und war sehr freundlich, sagte ihm aber, er müsse sich die Augen verbinden lassen, denn anders könne er nicht mit ihm gehen, fügte auch hinzu, daß ihm kein Leides geschehen sollte. Da ließ es denn der Bötticher geschehen, und das Männlein führte ihn nun eine ganze Strecke, bis es ihm endlich die Binde abnahm und er sich in einem geräumigen Keller sah, wo er noch eine große Menge eben solcher Männlein, wie sein Begleiter war, erblickte, die mit verschiedenen Dingen beschäftigt waren, aber kein Wort sprachen. Jetzt hieß das graue Männchen den Bötticher um 12 große Fässer, welche dort standen, neue Bände legen; er führte diese Arbeit zur Zufriedenheit aus und erhielt nun die Erlaubniß von jedem der zwölf großen Goldhaufen, die bei den Fässern lagen, einen Theil für sich als Bezahlung zu nehmen. Darauf ward ihm die Binde wieder vor die Augen gelegt, dasselbe graue Männlein führte ihn zurück und er fand sich bald mit seinem Schatze allein an dem Orte, wohin ihn die Stimme zuerst gerufen hatte.",
    "kurztext": "Der hörte auch einmal in der Nacht die Stimme, die rief ganz laut seinen Namen, als wenn jemand in der Stube wäre und gab ihm einen Ort im Kloster an, wo er sich einfinden solle, aber er that, als höre ers nicht und drehte sich um.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 191,
    "nr": "190",
    "titel": "Die weiße Frau zu Chorin",
    "ort": "Chorin",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.8869,
    "lng": 13.8847,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "Jetzt sahen ihr alle sogleich nach den Füßen und bemerkten bei dem Scheine der Lampe, daß sie gelbe Pantoffeln anhabe (nach andern sollen es grüne gewesen sein). Da rief jener, der zuerst darauf aufmerksam gemacht hatte, lachend: »Hahaha! die hat ja gelbe Pantoffeln an!« und kaum hatte ers gerufen, so floh sie eiligst davon und ist nie wieder zum Vorschein gekommen.",
    "kurztext": "Im Kloster Chorin erscheint die weiße Frau mit einem gelben Pantoffel – ein Detail, das an die Schwanenfrauen der germanischen Mythologie erinnert. Sie ist die Hüterin des Klosters und erscheint, wenn dem alten Gemäuer Gefahr droht.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 192,
    "nr": "191",
    "titel": "Der unsichtbare Bauer",
    "ort": "",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So ging es auch einmal einem Bauer in der Gegend von Brodewin; der fuhr nämlich grade zu dieser Zeit mit seiner Frau nach der Stadt, um Bier zu holen, und stieg, da die Pferde im Sande nur langsam gehn konnten, vom Wagen, um ein Weilchen nebenher zu gehen. Auf einmal bemerkt seine Frau, daß er verschwunden ist, aber gleichwohl sieht sie, daß die Zügel wie vorher gehalten werden; sie ruft ihn daher, und er antwortet ganz verwundert, ob sie ihn denn nicht sehe, er sei ja dicht neben ihr am Wagen. Aber sie sah ihn nicht, und dabei wars doch, da ja Johannisnacht war, so helle, daß man hätte eine Stecknadel finden können. So gings fort bis nach der Stadt, sie sprach mehrmals mit ihm, er antwortete auch, aber blieb immer noch unsichtbar. Als sie nun nach der Stadt kamen, hörte der Wirth und alles Hausgesinde wohl den Bauer reden, aber sie sahen ihn nicht, so daß dem Bauer ganz angst wurde, weil er nicht wußte, was er daraus machen solle. Da sagte ihm der Wirth, der ein kluger Mann war, er solle doch einmal die Schuhe ausziehen; das that er auch, und augenblicklich war er wieder sichtbar, aber nun war an seiner Stelle der Wirth verschwunden. Nach einer kleinen Weile kam auch dieser wieder zum Vorschein und brachte dem Bauer seine Schuhe, und nun waren beide wieder sichtbar wie zuvor. Das war, wie der Wirth in späterer Zeit einmal erzählt hat, daher gekommen, daß der Bauer während des Gehens mit seinen Füßen die Blüthen vom Rainfarren abgestreift hatte und diese ihm in die Schuhe gefallen waren; daher hatte ihm der Wirth gerathen, er solle dieselben ausziehen und hatte in seiner Kammer die Blüthen herausgeschüttet, die er darauf zu seinem eignen Nutzen, da ja der Bauer nichts davon wußte, aufbewahrt hat.",
    "kurztext": "So ging es auch einmal einem Bauer in der Gegend von Brodewin; der fuhr nämlich grade zu dieser Zeit mit seiner Frau nach der Stadt, um Bier zu holen, und stieg, da die Pferde im Sande nur langsam gehn konnten, vom Wagen, um ein Weilchen nebenher zu gehen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 193,
    "nr": "192",
    "titel": "Die stummen Frösche zu Chorin",
    "ort": "Chorin",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.9037,
    "lng": 13.8725,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das kommt, wie einige behaupten, daher, daß, als das ganze Kloster verwünscht worden, auch die Frösche mit verwünscht und zu ewigem Schweigen verdammt wurden. Andere behaupten, einst, als noch Mönche in dem Kloster wohnten, hätten die Frösche mit gewaltigem Gequäk die Andacht derselben gestört, so daß die frommen Brüder, als es gar kein Ende hätte nehmen wollen, endlich Gott gebeten, jene auf ewig verstummen zu machen, und das sei auch augenblicklich in Erfüllung gegangen. Seit dem Augenblick sind nun die Frösche stumm bis auf den heutigen Tag.",
    "kurztext": "Das kommt, wie einige behaupten, daher, daß, als das ganze Kloster verwünscht worden, auch die Frösche mit verwünscht und zu ewigem Schweigen verdammt wurden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 194,
    "nr": "193",
    "titel": "Das Dorf Brodewin",
    "ort": "Brodewin",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.9167,
    "lng": 13.9167,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Die Stadt bei Liepe. Beckmann Beschreibung d.M.B. Th. II. K. II. S. 447. Mündlich.\n\nZwischen den Orten Oderberg, Neuendorf und Liepe trifft man im Eichwalde einen Ueberrest von Mauerwerk an, welcher von einer verwüsteten Stadt übrig geblieben sein soll. Es ist eine etwa 300 Rheinländische Ruthen lange Reihe, die an der östlichen Seite etwa 100 Ruthen und ein doppeltes Mauerwerk hat, das etliche Ruthen von einander steht; es ist aber alles mit Bäumen bewachsen, und an der östlichen Seite liegen einige Hügel mit Steinen besetzt, ingleichen auch Steinkreise von kleinen Steinen, in deren Mitte einer oder mehr große gelegen sind. Doch aus all diesen Steinen kann man nur wenig mehr auf die Herrlichkeit der alten Stadt schließen; wer diese aber sehen will, der muß an einem bestimmten Tage, den ich jedoch nicht verrathen kann, Mittags in den Wald kommen, da wird sie sich in seiner ganzen Größe vor seinem Blick entfalten.",
    "kurztext": "Die Stadt bei Liepe. Beckmann Beschreibung d.M.B. Zwischen den Orten Oderberg, Neuendorf und Liepe trifft man im Eichwalde einen Ueberrest von Mauerwerk an, welcher von einer verwüsteten Stadt übrig geblieben sein soll.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 195,
    "nr": "194",
    "titel": "Die Stadt bei Liepe",
    "ort": "Liepe",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die Stadt bei Liepe. Beckmann Beschreibung d.M.B. Th. II. K. II. S. 447. Mündlich.\n\nZwischen den Orten Oderberg, Neuendorf und Liepe trifft man im Eichwalde einen Ueberrest von Mauerwerk an, welcher von einer verwüsteten Stadt übrig geblieben sein soll. Es ist eine etwa 300 Rheinländische Ruthen lange Reihe, die an der östlichen Seite etwa 100 Ruthen und ein doppeltes Mauerwerk hat, das etliche Ruthen von einander steht; es ist aber alles mit Bäumen bewachsen, und an der östlichen Seite liegen einige Hügel mit Steinen besetzt, ingleichen auch Steinkreise von kleinen Steinen, in deren Mitte einer oder mehr große gelegen sind. Doch aus all diesen Steinen kann man nur wenig mehr auf die Herrlichkeit der alten Stadt schließen; wer diese aber sehen will, der muß an einem bestimmten Tage, den ich jedoch nicht verrathen kann, Mittags in den Wald kommen, da wird sie sich in seiner ganzen Größe vor seinem Blick entfalten.",
    "kurztext": "Die Stadt bei Liepe. Zwischen den Orten Oderberg, Neuendorf und Liepe trifft man im Eichwalde einen Ueberrest von Mauerwerk an, welcher von einer verwüsteten Stadt übrig geblieben sein soll.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 196,
    "nr": "195",
    "titel": "Die versunkene Stadt im Paarstein",
    "ort": "Paarstein",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.9167,
    "lng": 13.8,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In ihm soll eine große Stadt, und zwar durch die eigne Schuld der Bewohner untergegangen sein. Es fehlte denselben nämlich schon lange an gutem Trinkwasser, und sie hatten auch schon viele Brunnen gegraben, aber immer nicht ihren Wunsch erreicht. Da kam einst ein Zauberer und grub ihnen einen schönen tiefen Brunnen, dessen Wasser hell und klar war; aber er fügte zu seinem Geschenk zugleich die Warnung, daß sie den Brunnen jeden Abend sorgfältig verdecken sollten. Das thaten sie denn auch Jahr aus Jahr ein; aber einst, wie es kam, weiß man nicht, wurde es vergessen, da fing die Flut in dem Brunnen plötzlich an emporzuwallen und stieg immer höher und höher und verschlang die Stadt sammt allen Bewohnern; das Wasser trat aber weiter und weiter aus und bildete zuletzt den großen Paarsteinschen See. – Einige erzählen auch, die Stadt hätte sich noch über den jetzigen See hinaus und zwar bei Pälitz vorbei, in die Haide hinein, bis zum sogenannten venedischen Kirchhof erstreckt; auf dem Pälitzer Werder hat das Schloß gestanden, und man kann noch die Spuren des Gemäuers dort sehen; im Wasser erblickt man auch noch zuweilen bei hellem Wetter den Kirchthurm und hört das Läuten der Glocken, die auch hin und wieder ans Tageslicht kommen, wo man sie dann wie die andrer Seen mit einander sprechen hört.",
    "kurztext": "Die versunkene Stadt im Paarstein. Südlich von Angermünde erstreckt sich von dem Dorfe Herzsprung bis nach Brodewin und Pälitz ein großer See, der überall von mäßigen, aber meist steilen Höhen umgeben ist.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 197,
    "nr": "196",
    "titel": "Der Teufelsdamm im Paarstein",
    "ort": "Paarstein",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Der Teufel war das auch zufrieden und ging frisch ans Werk, da schritt denn die Arbeit so rasch vorwärts, daß der Bauer voraussah, der Teufel würde noch lange vor der festgesetzten Frist fertig werden. Deshalb ward ihm denn doch um seine Seele bange, und er sann auf eine List, durch die er den Teufel betrügen möchte. Er ging daher schnell in sein Haus und trat in den Hühnerstall, wo er die Hühner aufscheuchte, so daß der Hahn, der da glaubte, es sei bereits Morgen, zu krähen begann. Da war der Teufel geprellt, und kaum hörte er nur den Hahnenruf, so warf er die Steine wild durch einander und der Damm blieb nun unvollendet bis auf den heutigen Tag.",
    "kurztext": "Der Teufel war das auch zufrieden und ging frisch ans Werk, da schritt denn die Arbeit so rasch vorwärts, daß der Bauer voraussah, der Teufel würde noch lange vor der festgesetzten Frist fertig werden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 198,
    "nr": "197",
    "titel": "Die Linde auf dem Kirchhofe zu Angermünde",
    "ort": "Angermünde",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 53.0173,
    "lng": 13.9982,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Diese soll der Markgraf Johann I. gepflanzt haben, um auch von außen die Stelle des großen Schatzes zu bezeichnen, den er in einem an dieser Seite der Kirche befindlichen Gewölbe hatte einmauern lassen. Zum Hüter desselben hatte er seinen getreuen Rath Johann von Buch eingesetzt, dem er befahl, ihn nur in der äußersten Noth seinem Sohne, dem Markgrafen Otto mit dem Pfeile, auszuhändigen. Als diese nun erschien, der Markgraf nämlich in einer Fehde mit dem Erzbischof von Magdeburg gefangen wurde und dieser ein Lösegeld von 2000 Mark Silbers forderte, wurde der Schatz gehoben und der Markgraf ausgelöst. Der große Kasten aber, in dem das Geld aufbewahrt gewesen, befindet sich noch an seiner alten Stelle in dem Gewölbe der Kirche, wo man ihn noch sehen kann.",
    "kurztext": "Diese soll der Markgraf Johann I. gepflanzt haben, um auch von außen die Stelle des großen Schatzes zu bezeichnen, den er in einem an dieser Seite der Kirche befindlichen Gewölbe hatte einmauern lassen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 199,
    "nr": "198",
    "titel": "Die spukende Sau in Woltersdorf",
    "ort": "Woltersdorf",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "So ging auch einmal einer noch spät um Mitternacht durchs Dorf, da sieht er plötzlich die Sau herbeistürzen; er aber trug einen Kreuzdornstock (und wer den hat, dem können die Geister nichts anhaben), mit dem schlug er der Sau über den Rücken, daß sie taumelte und eilends davon lief. Da hatte er nun zwar Ruhe vor ihr, aber als er aus dem Dorfe hinaus kam, erhob sich ein so gewaltiger Sturm, daß er kaum weiter gekonnt hat, und er wird daher wohl die Sau künftig nicht wieder geschlagen haben.",
    "kurztext": "So ging auch einmal einer noch spät um Mitternacht durchs Dorf, da sieht er plötzlich die Sau herbeistürzen; er aber trug einen Kreuzdornstock (und wer den hat, dem können die Geister nichts anhaben), mit dem schlug er der Sau über den Rücken, daß sie taumelte und eilends davon lief.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 200,
    "nr": "199",
    "titel": "Der Blocksberg und die Schildkröte zu Hönow",
    "ort": "Hönow",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.5384,
    "lng": 13.6331,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dicht bei der Kirche, die nur wenige Schritte vom See entfernt liegt, befindet sich ein kleiner steil abschüssiger Hügel, der fast kreisrund ist, hart am See. Er hat, wie man das deutlich sehen kann, offenbar mit der angrenzenden Anhöhe, auf welcher die Kirche liegt, zusammen gehangen, ist aber jetzt durch einen tiefen Graben von ihr getrennt und auch ein ganz Theil höher als dieselbe. Dieser Hügel führt den Namen des Blocksbergs, den er davon tragen soll, daß sich zu verschiedenen Zeiten allerhand Spuk dort blicken lassen, von dem man jedoch jetzt nichts mehr weiß.\n\nIn der Kirche zu Hönow befindet sich auch eine Schildkrötenschale, die so groß ist, daß grade ein Viert Hafer hineingeht. Sie soll, wie erzählt wird, zum ewigen Andenken, daß einst so große Schildkröten in dem See waren, aufgehängt sein. Der Prediger des Orts wollte nämlich vor langen Jahren einmal des Sonntags eben nach der Kirche gehn, als er dicht bei derselben eine Schildkröte erblickt, die ebenfalls eben zur Thür hineingehn will, da ergriff er schnell einen Knüppel, der ihm grade zur Hand war, und erschlug das Ungeheuer im selben Augenblick. Seitdem hängt sie nun in der Kirche über dem Chor. Ob's da her kommt, oder eine andre Ursach habe, daß man oft des Nachts Licht in der Kirche brennen sieht, weiß man nicht, aber daß es schon oft genug stattgefunden, ist bestimmt.",
    "kurztext": "Dicht bei der Kirche, die nur wenige Schritte vom See entfernt liegt, befindet sich ein kleiner steil abschüssiger Hügel, der fast kreisrund ist, hart am See.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 201,
    "nr": "200",
    "titel": "Die alten Mühlen bei Stralow",
    "ort": "Stralow",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Mit Rudern oder Stangen kann man noch den Steindamm, der quer durch die Spree geht, fühlen, und leicht bemerken, daß sich zwei Vertiefungen in demselben finden, weshalb man in Stralow meint, daß die Mühlen zwei Gerinne gehabt haben. Daß übrigens dieser Damm ein künstlicher war, das beweisen einmal die behauenen Feldsteine, die man herausgeholt, dann aber auch die alten Eichenholzstücke, die von dem ehemaligen Gebälk der Mühle herrühren, und durch das lange Liegen im Wasser so schwer geworden sind, wie Steine, weshalb die Stralower Fischer Stücke davon statt der Steine an den Netzen befestigen.1\n\n1 Aus Versehen sind die Sagen No. 198. 199. 200., die in die Sagen der Mittelmark gehören, hieher gerathen.",
    "kurztext": "Mit Rudern oder Stangen kann man noch den Steindamm, der quer durch die Spree geht, fühlen, und leicht bemerken, daß sich zwei Vertiefungen in demselben finden, weshalb man in Stralow meint, daß die Mühlen zwei Gerinne gehabt haben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 202,
    "nr": "201",
    "titel": "Der Rabe auf dem Mittelthurm zu Prenzlau",
    "ort": "Prenzlau",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 53.3167,
    "lng": 13.8666,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Lange Zeit darauf jagte Primislav einmal in dem vor Prenzlau gelegenen Walde, und ließ sich, um sein Mittagsmahl einzunehmen, mit seinen Begleitern grade an einer Stelle nieder, wo man eben mit dem Fällen einer Eiche beschäftigt war. Der Baum fiel, und man entdeckte in seiner Spitze ein Krähennest, in welchem sich zum größten Erstaunen aller Anwesenden der vermißte Siegelring des Fürsten fand. Dieser kehrte tief ergriffen sogleich nach Prenzlau zurück, und ließ aus dem Holze der gefällten Eiche das Bild einer Krähe anfertigen, das man noch jetzt auf dem Mittelthurm der Stadt gewahrt.",
    "kurztext": "Lange Zeit darauf jagte Primislav einmal in dem vor Prenzlau gelegenen Walde, und ließ sich, um sein Mittagsmahl einzunehmen, mit seinen Begleitern grade an einer Stelle nieder, wo man eben mit dem Fällen einer Eiche beschäftigt war.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 203,
    "nr": "202",
    "titel": "Die Riesen bei Prenzlau",
    "ort": "Prenzlau",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 53.3167,
    "lng": 13.8666,
    "kategorie": "Riesensage",
    "volltext": "Diese beiden geriethen in Streit mit einander, und der Klinkower warf dem Kleptower mit einem großen Stein ein Auge aus. Dieser Stein liegt immer noch auf dem Kleptower Berge, und man sieht noch ganz deutlich die zehn Finger des Riesen, welche so, wie er den Stein angefaßt, sich in demselben abgedrückt haben.",
    "kurztext": "Diese beiden geriethen in Streit mit einander, und der Klinkower warf dem Kleptower mit einem großen Stein ein Auge aus.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 204,
    "nr": "203",
    "titel": "Der Teufelsdamm bei Galenbeck",
    "ort": "Galenbeck",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Von diesem erzählt man sich Folgendes:\n\nDer Hirt des Dorfes mußte vor alter Zeit seine Kühe immer jenseit des Sees weiden, und da blieb ihm denn nichts weiter übrig, als sie um denselben herum zu treiben. Das verdroß ihn, und als er sich mal wieder so recht darüber ärgerte, kam plötzlich der Teufel zu ihm, welcher ihm versprach, noch vor dem ersten Hahnenruf des folgenden Tages einen Damm durch den See zu bauen, auf dem er seine Kühe bequem zum andern Ufer hinübertreiben könne, doch müsse er ihm dafür seine Seele verschreiben. Das ging denn auch der Hirt in seinem Unmuth ein, und der Teufel machte sich sogleich ans Werk, und war, als es gegen Morgen kam, mit dem Damme fast fertig; da wurde denn doch dem Hirten angst und er lief in den Hühnerstall, wo er so lärmte, daß der Hahn zu krähen begann. Eben kam der Teufel grade über den See herüber und hatte die ganze Schürze voll Erde, um den Damm damit zu vollenden, da hörte er den Hahnenruf, ließ ärgerlich die Erde mitten in den See fallen und flog, ohne seine Arbeit zu vollenden, davon. Und so unbeendigt ist denn der Damm bis jetzt geblieben.",
    "kurztext": "Von diesem erzählt man sich Folgendes: Der Hirt des Dorfes mußte vor alter Zeit seine Kühe immer jenseit des Sees weiden, und da blieb ihm denn nichts weiter übrig, als sie um denselben herum zu treiben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 205,
    "nr": "204",
    "titel": "Die Strohbrücke",
    "ort": "Himmelpfort",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 53.158,
    "lng": 13.225,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Unweit der Mecklenburgischen Grenze liegen dicht bei Himmelpfort zwei kleine Seen, der Sidow und der Medersitz oder Moderwitz genannt, die nur durch die Strohbrücke von einander getrennt sind. Diesen Namen soll sie daher erhalten haben, daß ein Mönch, der einst ein Frauenzimmer, das er in ein großes Bund Stroh eingewickelt hatte, auf seinem Rücken ins Kloster tragen wollte, grade an diesem Orte seinem Abt begegnete; da er aber seine Bürde nicht sorgfältig genug verhüllt hatte, so entdeckte jener an den hervorragenden Füßen das Weib. Was weiter aus ihm geworden, erzählt die Sage nicht.",
    "kurztext": "An der Strohbrücke bei Prenzlau fand einst eine entscheidende Schlacht statt, bei der mutige Verteidiger einem weit überlegenen Feind standhielten. Die Brücke aus Stroh hielt stand gegen alle Erwartung – die Sage macht daraus ein Wunder der Tapferkeit.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 206,
    "nr": "205",
    "titel": "Bärens Kirchhof bei Grimnitz",
    "ort": "Grimnitz",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Es sollte in der Grimnitzer Forst nämlich einmal eine große Schweinsjagd gehalten werden, und der damalige Haidereuter, Namens Bärens, begab sich deshalb drei Tage vorher an den Ort, den der Kurfürst umstellen lassen, um die Schweine zu körnen und zu beobachten. Wie er sich nun hier befand, hörte er nach 12 Uhr des Nachts eine Stimme aus einem nahe gelegenen Bruche, welche fragte: »Ist der Stumpfschwanz (oder auch der Stroppschwanz) da, der den Förster Bärens zu Tode bringen soll?« Diese Stimme hörte er in der folgenden Nacht wieder, und erzählte alles dem Kurfürsten, dem er jedoch zu gleicher Zeit seine Vermuthung äußerte, daß es Hofbedienten sein möchten, die ihn furchtsam machen wollten. Der Kurfürst befahl ihm darauf, niemandem etwas zu sagen, auch die folgende Nacht zu Hause zu bleiben; statt seiner mußte aber der Büchsenspänner des Kurfürsten an der gedachten Stelle wachen und die Schweine körnen, und dieser hörte dieselbe Stimme. Am folgenden Tage ging nun die Jagd vor sich, und der Haidereuter mußte zu Hause bleiben; als aber alles geendigt war, ritt er hinaus und wurde wirklich unter den getödteten Sauen eines Stumpfschwanzes gewahr, den man eben auf einen Wagen zu laden im Begriff war. Da trat er hinzu und sagte: »Du sollst mir das Leben nehmen, und bist eher todt als ich?« hielt auch, als die Bauern beschäftigt waren, die andre Wagenleiter vorzuschieben, das Schwein während der Zeit, damit es nicht herunterfalle; aber weiß der Himmel wie's kam! der Kopf des Schweines fiel plötzlich herunter und schlitzte dem Haidereuter mit seinen Hauern den Leib auf, so daß er nach wenigen Augenblicken, nachdem er sich noch einige Mal vor Schmerz im Kreise herumgeschleppt hatte, seinen Geist aufgab. Darauf hat man ihn an dieser Stelle begraben, und an jedem Punkte, wo er im letzten Todeskampfe niedergesunken, einen Stein gesetzt, welche nun einen förmlichen Kreis bilden. Diese Stelle heißt bis auf den heutigen Tag Bärens Kirchhof, kein Mensch aber weiß zu sagen, zu welcher Zeit und unter welchem Kurfürsten dieser Bärens gelebt hat.",
    "kurztext": "Es sollte in der Grimnitzer Forst nämlich einmal eine große Schweinsjagd gehalten werden, und der damalige Haidereuter, Namens Bärens, begab sich deshalb drei Tage vorher an den Ort, den der Kurfürst umstellen lassen, um die Schweine zu körnen und zu beobachten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 207,
    "nr": "206",
    "titel": "Die weiße Frau im Rehdanzbruch",
    "ort": "Rehdanzbruch",
    "region": "Ukermark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Weisse Frau",
    "volltext": "Schon oft hat man versucht, dieselbe mit Sand und Steinen zuzuschütten, aber es hat bis jetzt noch nicht gelingen wollen, wird auch wohl nicht gelingen, da es damit seine eigne Bewandniß hat. Es sitzt nämlich, wie man sagt, eine schöne Jungfer darin, die erlöst sein will, und schon manchem ist sie erschienen. So war auch einmal ein Knecht draußen bei den Kühen, der legte sich nieder und schlief ein; wie er aber erwacht, sieht er eine weibliche Gestalt, die ist ganz weiß angekleidet und lange schwarze Haare hangen ihr vom Haupte hernieder, auf sich zukommen; es war aber Mondenschein, darum konnte er das alles so genau unterscheiden. Als sie nun näher kam, winkte sie ihm dreimal, aber er blieb sitzen, und da kehrte sie um und ging nach jener Stelle im Bruch, wo sie sogleich verschwand. Lange nachher noch hörte er aber von dort her ihr Winseln ertönen.",
    "kurztext": "Schon oft hat man versucht, dieselbe mit Sand und Steinen zuzuschütten, aber es hat bis jetzt noch nicht gelingen wollen, wird auch wohl nicht gelingen, da es damit seine eigne Bewandniß hat.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 208,
    "nr": "207",
    "titel": "Die versunkene Stadt im Werbellinsee",
    "ort": "Werbellinsee",
    "region": "Ukermark",
    "lat": 52.9833,
    "lng": 13.7333,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das that sie auch, sagte aber zu gleicher Zeit: »Ich will zurückgehn, aber du sollst untergehn!« Und das hat sie wohl wahr gemacht, denn sie wußte noch stärkeren Zauber als der Herr selber. Nun befand sich zu dieser Zeit aber ein Fremder in der Stadt, der war ein gar gottesfürchtiger Mann, weshalb sie seinen Untergang nicht auch herbeiführen wollte; sie ging daher zu ihm und sagte, er solle eilig die Stadt verlassen, denn sie würde binnen kurzer Frist untergehen. Da packte er schnell seine Sachen zusammen und ging mit sei nem Bedienten, den er bei sich hatte, davon. Als sie so eine Strecke fort waren und auf dem Berge ankamen, der unweit der Stadt lag, bemerkte er, daß sie in der Eile sein Felleisen mitzunehmen vergessen hätten. Da schickt er seinen Diener zurück, aber der kehrte nach kurzer Zeit zurück, und sagte, die Stadt und das Schloß seien spurlos verschwunden, und an ihrer Stelle sei ein großer See entstanden.\n\nIm Werbellinsee, sagt man auch, müsse alle Jahr einer ertrinken, und zwar geschehen vorher allerhand Wahrzeichen, namentlich hört es sich dann oft so an, als wenn einer laut in die Hände klatsche, und da währt's denn immer nur kurze Zeit, so ertrinkt auch einer im See.",
    "kurztext": "Im Werbellinsee versank einst eine sündhafte Stadt mit Donnergetöse. An Johannis sieht man die Kirchtürme im klaren Wasser spiegeln – und wer sein Ohr ans Ufer legt, hört die versunkenen Glocken aus der Tiefe läuten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 209,
    "nr": "208",
    "titel": "Die Stiftung des Klosters Heiligengrabe",
    "ort": "Heiligengrabe",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.1413,
    "lng": 12.3513,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Sagen der Prignitz.\n\n208. Die Stiftung des Klosters Heiligengrabe.\n\nRiedel: Codex diplomaticus Brandenb. Th. I. S. 464-466.\n\nIm J. 1287 am Freitage nach Himmelfahrt begab es sich, daß ein Jude in dem Dorfe Techow zwischen Wittstock und Pritzwalk herbergte, und wie es nun Nacht ward und er meinte, daß günstige Zeit zu bösem Vornehmen sei, ging er hin zur Kirche des Dorfes, erbrach die Thür und stahl dort das heilige Sakrament. Darauf lief er eilends mit demselben davon nach Pritzwalk, um es einigen seiner dortigen Glaubensgenossen zu bringen, aber er war noch nicht weit fort, als er plötzlich, denn dem Allwältigen behagete nicht sein bösliches Vornehmen, mit einer großen Schwere befallen wurde, daß er nicht fürder kommen konnte, sondern unter einer Eiche (die noch heutigen Tages – 1516 – in dem Wege steht) ruhen mußte. Als er aber darnach wieder zu sich selbst kam, und nur kaum einen Steinwurf weiter gegangen war, kam er an einen See, an welchem ein Galgen stand; an dem hing ein Mann, und oberwärts davon war ein Rad, auf welches derselbe gestoßen und gelegt war; zwischen diesen beiden in der Mitte machte der Jude eine Hölung, rieb das heilige Sakrament in Stücke, legte es da hinein und schüttete es darauf mit Erde zu. Drauf lief er in großer Furcht und mit blutigen Händen nach Pritzwalk. Als nun die Leute andern Tages zur Kirche kamen und alles erschauten, auch erfuhren, daß in der vergangenen Nacht ein Jude im Kruge geherbergt hatte, der mit blutigen Händen nach Pritzwalk geflohen sei; da säumten sie nicht lange, sondern liefen und folgten ihm eilends in großem Zorne, so lange daß sie ihn funden zu Pritzwalk mit andern Juden sitzend und Sprache haltend. Da fragten ihn die Bauern und baten ihn, die Geschichte zu offenbaren und bekennen, aber sie vermochten ihn nicht dazu zu bringen. Da gingen sie zu Rathe und waren alle eines Sinnes, den Missethäter mit Fleiß zu erforschen; und es war ein Bürger da, andächtigen guten Lebens, der versprach ihnen, daß er sich wolle eine Platte scheeren lassen und ganz zubereiten als ein Priester, um so die Wahrheit an den Tag zu bringen. Der kam nun dem Juden mit süßen Worten an »un bath em, doch (l. dorch) den oversten Gott, de loef unde Graß geschapen hedde, ock dorch leve der Oltvädere des Jödesken Volcks, dat he emme doch mochte de Warheit seggen, denn he möchte dat ane allen forchten dhoen, he seghe jo woll, dat hee ehn Preester were, de jümmers dat jene, wat in de Bycht gesegt, by Straffe lives unde Godes vermöge der Geestliken Rechte nich melden moste. De Jöde wart dorch de söten Worde des falsken Preesters beweget, unde gyngk mit em an den Ort, dar he dat hillige Sakrament begraben hädde, doch wolde he em dat nich met synen Vynghern edder hövede wysen, edder süß etliken maten antögen, sondern met synen luchtern Vothe flott he darupp unde sprak: ›Hie ligt jouwe God!‹«1 da kamen die Bauern, die sich im Busche verborgen hatten, griffen ihn an, er ward ins Gefängniß geführt und mußte den Tod durchs Rad erleiden. Darauf wurden die größeren Stücke des zerriebenen heiligen Sakraments vom Blute rothgefärbt in einem Federkiele aufbewahrt, die kleinsten aber wickelte man in ein rothes seidenes Tuch. So kam es zuerst nach Pritzwalk, wohin es der dortige Kirchherr, Namens Werner, mit Gewalt entführte, aber es that dort keine Wunder, sondern allein zu Techow. Nicht lange danach kam auch Bischof Heinrich von Havelberg, der von diesem Wunder hörte, nach Pritzwalk; da er nun nicht allzu viel an die neue Mähr glaubte, ward er hier plötzlich mit schwerer und großer Krankheit befallen, weshalb er gelobte, das heilige Sakrament zu besuchen und von Stund an gesund ward. Als er nun aber auch dem Volk, das ungefährlich da war, die Mirakel von dem Predigtstuhl verkündigen wollte, so ward ihm vom Himmel gezeiget die Heiligkeit der Stätte, denn oberhalb des Grabes sah er den Himmel offen, wodurch er mit so vielen innigen Thränen begossen ward, daß er kein Wort sprechen konnte, sondern seinem Kapellan befahl alles, was ihm begegnet sei, dem Volk zu offenbaren. Darauf gebot er dem Werner von Pritzwalk das Sakrament nicht länger zu behalten, sondern es an seinen alten Ort zurückzubringen, was auch geschah. Als der Markgraf Otto von Brandenburg von diesen Wundern hörte, war er Willens, indem ihm seine Hofleute und Ritter dazu riethen, ein Schloß an derselben Stelle zu bauen; er kam daher in die dortige Gegend und befahl seinen Dienern, die ihm seinen Tisch zu besorgen pflegten, all die Opfer, welche sie dort fänden, zu nehmen und davon eine gute Mahlzeit zu bereiten in einem Dorfe, Namens Mankmus. Aber als er sich zu Tische setzte, geschah es, daß alle Speise so gesotten als gebraten zu Blut ward, und als zum zweiten Male angerichtet wurde, geschah es ebenso. Da erschrak der fromme Fürst gar sehr, fiel mit den Seinen auf die Knie und betete zum Allmächtigen um Gnade; darauf gelobte er bei seiner Treue, so ihm der Allmächtige gesund von dannen hülfe, wollte er selbst die Stätte mit Innigkeit besuchen und daselbst ein Kloster bauen. Als er nun mit großer Angst in einer Nacht betrachtete, wie er das Kloster bauen wollte, so kam eine Stimme vom Himmel die sagte, daß er sich unnütz bekümmere, denn es wäre von Anbeginn der Welt geordnet und ausersehen, daß ein Jungfrauen-Kloster an dem Orte stehen sollte, Cistercienser-Ordens, mit grauen Kappen gekleidet, wie Sankt Bernhard getragen hatte, unter der Regel S. Benedicti. Als nun der Fürst durch solche Verkündigung an die Stiftung des Klosters erinnert ward, so bat er die Aebtissin zu Neuendorf, daß sie ihm zwölf Jungfrauen aus ihrem Kloster schicken wolle, und wiewohl sie dies selbe dem Fürsten nicht weigern wollte oder mochte, so gedachte sie ihm doch zwölf der allerunnützesten zu schicken, weshalb sie in der folgenden Nacht gar schwerlich durch göttliches Geschick gestrafet ward, wodurch sie denn beweget wurde, daß sie selbst mit elf Jungfrauen an den Ort zog, und dem allwältigen Gott daselbst mit ihren innigen Gebeten und Werken die Tage ihres Lebens diente. – So entstand das Kloster zum heiligen Grabe bei dem Dorfe Techow, und das blutige heilige Sakrament in einem Krystall und feinem Tuche ist noch bis auf die Zeit Kurfürst Joachims des Ersten viele Jahre lang durch großen Zulauf vieler Pilgrimme geehrt worden und hat große Wunderthaten verrichtet.\n\n1 und bat ihn bei dem obersten Gott, der Laub und Gras geschaffen hätte, und bei der Liebe zu den Allvätern des jüdischen Volkes, daß er ihm doch möchte die Wahrheit sagen, denn er könne das ohne alle Furcht thun, er sähe ja wohl, daß er ein Priester wäre, der nimmermehr das, was in der Beichte gesagt werde, bei Strafe Leibes und Gutes, vermöge der geistlichen Rechte, verrathen dürfe. Der Jude ward durch die süßen Worte des falschen Priesters beweget und ging mit ihm an den Ort, wo er das heilige Sakrament begraben hatte, doch wollte er es ihm nicht mit seinen Fingern oder Haupte weisen, oder sonst in irgend einer Weise anzeigen, sondern stieß mit seinem linken Fuße darauf und sprach: »Da liegt euer Gott!«",
    "kurztext": "Im Jahr 1287 stahl ein Jude das heilige Sakrament aus einer Dorfkirche und warf es auf ein Feld. Das Sakrament wurde durch ein Wunder von Lichtern gefunden – Markgraf Otto stiftete zum Dank das Kloster Heiligengrabe, das bis heute besteht.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 210,
    "nr": "209",
    "titel": "Das Grab des Riesenkönigs bei Kemnitz",
    "ort": "Neustadt (Dosse)",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 52.8453,
    "lng": 12.4444,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Etwa eine halbe Meile von Pritzwalk liegt das Dorf Kemnitz, dessen Feldmark mit großen Steinmassen bedeckt ist, die zum Theil in größeren oder kleineren Hügeln zusammengetragen sind, aber so regelmäßig, daß unten die großen, oben die kleineren Steine liegen. Einer dieser Hügel ragt vor den andern weit hervor, denn er ist wohl über 20 Fuß hoch und hat 120 Schritt im Umkreis; auch besteht er durchweg aus Feldsteinen, zwischen denen sich nur wenig Erde angesetzt hat. Man erzählt, unter ihm sei der Riesenkönig begraben, und seine Gebeine ruhten in einem goldenen Sarge, den ein silberner und eiserner umschlössen. Doch hats mit dem letztern nicht ganz seine Richtigkeit, denn die Kemnitzer, die besonders gern den silbernen und goldenen Sarg haben möchten, haben vor einigen Jahren drei Tage lang die Steine hinweggeräumt, aber nur einige thönerne Urnen mit Asche und verbrannten Knochen gefunden.",
    "kurztext": "Bei Neustadt an der Dosse liegt ein grosser Hügel, den die Umgebung das Grab des Riesenkönigs nennt. Man sagt, hier liege ein mächtiger Riesenkönig begraben, der einst über das ganze Land herrschte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 211,
    "nr": "210",
    "titel": "Der Name von Pritzwalk",
    "ort": "Pritzwalk",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.1542,
    "lng": 12.1825,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Beckmann: Beschreibung d.M. Br. Th. V. B. II. K. III. S. 89.\n\nVor Alters war da, wo jetzt die Stadt Pritzwalk liegt, ein großer Wald, bis endlich einmal mehrere Handwerker und Landleute, zur Zeit, als in hiesiger Gegend noch Wenden wohnten, Lust bekamen, sich hier niederzulassen. Wie sie nun den Anfang damit machen wollten, die Bäume auszuroden, da fanden sie einen Wolf unter einer Linde liegen, den schrieen sie an: »Priz wolk oder Prizfouk!« das heißt zu deutsch »fort Wolf!« Und wie sie nun bald darauf die Stadt an diesem Orte erbauten, da nannten sie dieselbe Prizwalk, und diesen Namen hat sie bis heute behalten. Zum Andenken hat man auch einen Wolf, der unter einer Linde fortflieht, ins Stadtwappen gesetzt.",
    "kurztext": "Der Name von Pritzwalk. Beckmann: Beschreibung d.M.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 212,
    "nr": "211",
    "titel": "Heine Clemen",
    "ort": "",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als nun das Mädchen in die Stadt zurückkehrte, bemühte man sich vielfältig, von ihr zu erfahren, wo der Schlupfwinkel des Räubers sei, aber man war nicht im Stande, sie in ihrem Eide wankend zu machen; doch beredete man sie endlich, alles einem Ofen zu offenbaren, denn der sei ja kein Mensch und sie dadurch ihrem Eide nicht untreu; das that sie nun, in dem Ofen verbargen sich einige Leute, welche alles mit anhörten, und so bemächtigte man sich denn des Räubers, der nach Pritzwalk gebracht und dort auf öffentlichem Markte hingerichtet wurde.",
    "kurztext": "Als nun das Mädchen in die Stadt zurückkehrte, bemühte man sich vielfältig, von ihr zu erfahren, wo der Schlupfwinkel des Räubers sei, aber man war nicht im Stande, sie in ihrem Eide wankend zu machen; doch beredete man sie endlich, alles einem Ofen zu offenbaren, denn der sei ja kein Mensch und sie dadurch ihrem Eide nicht untreu; das that sie nun, in dem Ofen verbargen sich einige Leute, welche alles mit anhörten, und so bemächtigte man sich denn des Räubers, der nach Pritzwalk gebracht und dort auf öffentlichem Markte hingerichtet wurde.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 213,
    "nr": "212",
    "titel": "Der steinerne Stuhl im Schloß zu Eldenburg",
    "ort": "Eldenburg",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "In einem alten verfallenen Thurme desselben zeigt man noch einen steinernen Stuhl, der ist vorn mit einer quer liegenden Eisenstange verschlossen, und ober- und unterhalb desselben befinden sich eiserne Ringe, so daß, wenn ein Mensch auf diesem Stuhle angeschlossen worden, er nicht ein Glied seines Leibes hat rühren können. Auf diesem Stuhle soll einer der Quitzows seinen Bruder haben verhungern lassen.",
    "kurztext": "In einem alten verfallenen Thurme desselben zeigt man noch einen steinernen Stuhl, der ist vorn mit einer quer liegenden Eisenstange verschlossen, und ober- und unterhalb desselben befinden sich eiserne Ringe, so daß, wenn ein Mensch auf diesem Stuhle angeschlossen worden, er nicht ein Glied seines Leibes hat rühren können.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 214,
    "nr": "213",
    "titel": "Die Niederländer an der Elbe",
    "ort": "Elbe",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 51.8676,
    "lng": 12.5786,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Th. I. S. 20.\n\nAn der Stelle des jetzigen Dorfes Seedorf soll ehmals ein großer, von der Elbe gebildeter See gewesen sein, der nachmals von den in der Mark angesiedelten Niederländern abgelassen wurde, die nachher auf dem Boden desselben das Dorf Seedorf bauten, und noch lange besondre Rechte und eigne Gewohnheiten bewahrten. Ebenso sollen die Einwohner von Mödlich ursprünglich niederländischen Herkommens sein.",
    "kurztext": "An der Stelle des jetzigen Dorfes Seedorf soll ehmals ein großer, von der Elbe gebildeter See gewesen sein, der nachmals von den in der Mark angesiedelten Niederländern abgelassen wurde, die nachher auf dem Boden desselben das Dorf Seedorf bauten, und noch lange besondre Rechte und eigne Gewohnheiten bewahrten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 215,
    "nr": "214",
    "titel": "Die Wendenschlacht bei Lenzen",
    "ort": "Lenzen (Elbe)",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.0914,
    "lng": 11.4797,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Die einen sagen, das Schlachtfeld sei auf dem Marienberge vor Lenzen gewesen, andre, es sei bei Mohr, bei Seedorf und endlich auch bei Möllen gewesen, wo sich überall noch die Spuren des vergossenen Blutes am Boden zeigen, der davon ganz roth gefärbt ist. An allen diesen Orten lassen sich auch noch oft die Geister der Erschlagenen sehen und spuken dort kopflos umher, oder tragen ihre Köpfe unter dem Arme. Bei Seedorf insbesondre wird erzählt, daß eine von der Löcknitz gebildete Breite, welche der Wennensee heißt, davon ihren Namen habe, daß einstmals ein ganzes Wendenheer darin seinen Untergang fand.",
    "kurztext": "An vielen Orten der Umgegend von Lenzen und in der Stadt selber erzählt man sich von einer großen Schlacht mit den Wenden, die einst hier Statt gefunden. Die einen sagen, das Schlachtfeld sei auf dem Marienberge vor Lenzen gewesen, andre, es sei bei Mohr, bei.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 216,
    "nr": "215",
    "titel": "Das Grab des Riesenkönigs bei Möllen",
    "ort": "Möllen (Prignitz)",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.1333,
    "lng": 11.3,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Hier soll, wie man sich erzählt, der Riesenkönig begraben liegen; welcher es aber gewesen und wie er geheißen, weiß man nicht. Doch muß er, da das Grab so groß ist, wohl ein gewaltiger Herr gewesen sein, zumal auch viele Grabhügel und Steinkreise umherliegen, in denen wohl seine Helden begraben liegen.",
    "kurztext": "Das Grab des Riesenkönigs bei Möllen. Beckmann Beschreibung d.M.B.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 217,
    "nr": "216",
    "titel": "Die Kapelle auf dem Marienberge bei Lenzen",
    "ort": "Lenzen",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Th. II. S. 67. 68.\n\nVor alten Zeiten soll auf dem Marienberge bei Lenzen eine Kapelle gestanden haben, in welcher die Bilder der zwölf Apostel aus gediegenem Silber vergraben liegen sollen. Einige erzählen auch, daß Lenzen ehemals nicht an seiner jetzigen Stelle stand, sondern zuerst auf dem Marienberge gebaut war, wo es jedoch in schwerer Kriegszeit zerstört wurde.",
    "kurztext": "Vor alten Zeiten soll auf dem Marienberge bei Lenzen eine Kapelle gestanden haben, in welcher die Bilder der zwölf Apostel aus gediegenem Silber vergraben liegen sollen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 218,
    "nr": "217",
    "titel": "Frau Gode",
    "ort": "Prignitz",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.05,
    "lng": 12,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In der ganzen Prignitz erzählt man, es sei einmal eine Edelfrau gewesen, die habe Frau Gode geheißen, die sei, da sie gar böse mit ihren Mägden umgegangen, verwünscht worden, ewig durch die Luft zu jagen. Namentlich zieht sie in den Zwölften dahin, und da hat sie auch einmal eine Frau eines Sylvesterabends gehört. Sie ging noch spät des Abends aus dem Hause, und der Mond schien grade recht hell, da hört sie auf einmal ein Lärmen und Gebrause, als wenn eine ganze Jagd daher käme, das kam immer näher und näher, so daß sie zuletzt sogar die Schellen der kleinen Hunde in dem Getöse unterscheiden konnte, aber sehen konnte sie gleichwohl nichts, obgleich es fast so hell wie am Tage war.",
    "kurztext": "In der ganzen Prignitz erzählt man, es sei einmal eine Edelfrau gewesen, die habe Frau Gode geheißen, die sei, da sie gar böse mit ihren Mägden umgegangen, verwünscht worden, ewig durch die Luft zu jagen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 219,
    "nr": "218",
    "titel": "Die alte Stadt Wittenberge",
    "ort": "Wittenberge",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.0014,
    "lng": 11.7514,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Nicht lange hernach aber hätte sie den Ritter aus den Gedanken gesetzet und einem andern vornehmen Herrn die Ehe zugesagt, sich auch wirklich bald darauf mit ihm verbunden. Als das der erste Bräutigam erfahren, hat er Stadt und Burg mit Heeresmacht angegriffen und erobert und darauf beide zerstöret; dadurch sind denn die Einwohner veranlaßt worden, sich einen andern in der Nähe gelegenen bequemen Platz aufzusuchen, um daselbst eine neue Stadt anzulegen, und so ist denn das jetzige Wittenberge entstanden.",
    "kurztext": "Die alte Stadt Wittenberge. Beckmann Besch. d.M.B. Die Stadt Wittenberge hat ehmals nicht an ihrer jetzigen Stelle gelegen, sondern an einem Orte in der Nähe derselben, der jetzt ein beackertes Feld ist und den Namen der alten Stadt trägt.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 220,
    "nr": "219",
    "titel": "Der Hildebrand bei Wittenberge",
    "ort": "Wittenberge",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 53.0014,
    "lng": 11.7514,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Bei dem einen derselben war noch ein Gefängniß, der Hildebrand genannt, von einem Fährmann des Namens, welcher oft darin in Haft gewesen, auch zuletzt darin gestorben. Nachher ist ein Haus darauf gebaut, in welchem aber der Hildebrand noch immer gewaltig herumtoben und lärmen soll.",
    "kurztext": "Der Hildebrand bei Wittenberge. Nahe bei der Stadt Wittenberge waren vor Zeiten noch zwei freiherrliche Häuser auf zwei besondern Bergen befindlich, welche man die freiherrlichen Häuser oder die Freieburg nannte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 221,
    "nr": "220",
    "titel": "Die Nixen bei Havelberg",
    "ort": "Havelberg",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 52.825,
    "lng": 12.0742,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Bei der Fähre, die oberhalb der Stadt Havelberg befindlich ist, zeigen sich gewöhnlich allerhand wunderbare Zeichen, wenn jemand ertrinken soll; bald scheint es, als schlage ein großer Fisch auf, und doch ist keiner zu sehen, bald als ob man einen Menschen höre, oft lacht es auch ordentlich im Wasser, oder es läßt sich ein heller Schimmer darin sehen, und das sind die Nixen, die da umherschwimmen. Einige erzählen auch, daß diese zuweilen singend neben der Fähre einherziehn, aber dann ertrinkt auch in ganz kurzer Zeit jemand.",
    "kurztext": "Bei der Fähre, die oberhalb der Stadt Havelberg befindlich ist, zeigen sich gewöhnlich allerhand wunderbare Zeichen, wenn jemand ertrinken soll; bald scheint es, als schlage ein großer Fisch auf, und doch ist keiner zu sehen, bald als ob man einen Menschen höre, oft lacht es auch ordentlich im Wasser, oder es läßt sich ein heller Schimmer darin sehen, und das sind die Nixen, die da umherschwimmen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 222,
    "nr": "221",
    "titel": "Die zwölf Apostel im Havelberger Dom",
    "ort": "Havelberger Dom",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "In früheren Zeiten hat man geglaubt, es lägen Schätze da unten, und hat mehrmals Verbrecher hinabgeschickt, den Gang zu untersuchen, aber alle sind darin umgekommen. Nur einer ist zurückgekehrt, der hat berichtet, daß dort unten die Bildsäulen der zwölf Apostel aus purem Golde lägen, ob sie aber noch da sind, weiß ich nicht.",
    "kurztext": "In früheren Zeiten hat man geglaubt, es lägen Schätze da unten, und hat mehrmals Verbrecher hinabgeschickt, den Gang zu untersuchen, aber alle sind darin umgekommen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 223,
    "nr": "222",
    "titel": "Der Mönchsthurm und die Mönchsstube im Havelberger Dom",
    "ort": "Havelberg",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 52.8233,
    "lng": 12.0736,
    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Oben im Thurm befindet sich grade über der Treppe ein großer Mühlstein mit einem tüchtigen Loche in der Mitte. Durch dies sollen die frommen Brüder, wenn sie in der äußersten Noth waren, ihren Vorrath von großen Feldsteinen, der zu diesem Zweck immer bereit lag, auf die heraufstürmenden Feinde herabgewälzt und sie so vertrieben haben.",
    "kurztext": "Der Mönchsthurm und die Mönchsstube im Havelberger Dom.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 224,
    "nr": "223",
    "titel": "Bischof Wepelitz",
    "ort": "",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieser Bischof hat auch das Vorwerk Wepelitz angelegt und sich gern dort aufgehalten; da geschah es einst, daß er sich zum Schlummer im dortigen Gebüsch hinlegte, als plötzlich ein Lindwurm daherstürzte, und ihn in den Kopf stach, worauf er seinen Geist aufgeben mußte. Dieses Ungethüm hat man daher an dem Bilde im Dom zu seinen Füßen abgebildet, und an seinem Kopfe gewahrt man auch das von dem Stiche des Thieres herrührende Loch.\n\nBischof Wepelitz soll auch die nach dem Vorwerk seines Namens führende Eichenallee angelegt haben, welche den Namen der Brautallee führt. Diesen soll sie daher haben, daß er verordnete, jede Braut solle, ehe sie zum Altare ginge, dort eine Eiche pflanzen.",
    "kurztext": "Dieser Bischof hat auch das Vorwerk Wepelitz angelegt und sich gern dort aufgehalten; da geschah es einst, daß er sich zum Schlummer im dortigen Gebüsch hinlegte, als plötzlich ein Lindwurm daherstürzte, und ihn in den Kopf stach, worauf er seinen Geist aufgeben mußte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 225,
    "nr": "224",
    "titel": "Der Wendberg bei Havelberg",
    "ort": "Havelberg",
    "region": "Prignitz",
    "lat": 52.825,
    "lng": 12.0742,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Diese haben auch, wie man erzählt, ihre Todten nicht in Havelberg begraben dürfen, sondern haben sie weithin bis zum nächsten Dorfe Vehlgast führen müssen.",
    "kurztext": "Diese haben auch, wie man erzählt, ihre Todten nicht in Havelberg begraben dürfen, sondern haben sie weithin bis zum nächsten Dorfe Vehlgast führen müssen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 226,
    "nr": "225",
    "titel": "Kurt von Bassewitz",
    "ort": "Bassewitz",
    "region": "Prignitz",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Die Kyritzer vertheidigten sich aber tapfer, und so konnte er ihnen nichts anhaben, weshalb er sann, wie er die Stadt mit List nähme. Er ließ deshalb einen unterirdischen Gang graben, durch welchen er in die Stadt eindringen wollte. Nun geschah es aber, daß die Kyritzer damals einen schweren Verbrecher im Thurm sitzen hatten, der hörte das Wühlen und Klopfen unter der Erde, und da er von der Belagerung wußte, ließ er dem Bürgermeister melden, daß er ihm wichtige Entdeckungen machen wolle, wenn man ihm das Leben schenke. Das ward ihm zugestanden, und nun erzählte er, was er gehört hatte. Nun verfolgte man den Gang der unterirdischen Arbeit, ließ die ganze Bürgerschaft sich bereit halten, und nicht lange währte es, so kam Bassewitz plötzlich auf dem Markte aus der Erde hervor. Nach einigen soll er hier durch heißen Brei, den man ihm auf den Kopf stürzte, wehrlos gemacht sein, nach andern nach hartem Kampfe gefangen und nachher mit seinem eigenen Schwerte enthauptet worden sein. Das Schwert nebst dem Panzer des Ritters wird noch auf dem Rathhause aufbewahrt; zum Andenken an die Befreiung der Stadt aus dieser Noth feiert man aber noch alljährlich das Bassewitzfest am Montage nach Invocavit mit zweimaligem Gottesdienst und Gabenvertheilung unter die Armen und Schulkinder. Bei dieser Gelegenheit war es früher Sitte, daß der Bürgermeister mit einem Messer einen Schnitt in das Kriegskleid des Ritters thun mußte, weshalb von diesem fast nichts mehr übrig geblieben ist.",
    "kurztext": "Die Kyritzer vertheidigten sich aber tapfer, und so konnte er ihnen nichts anhaben, weshalb er sann, wie er die Stadt mit List nähme. Er ließ deshalb einen unterirdischen Gang graben, durch welchen er in die Stadt eindringen wollte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 227,
    "nr": "226",
    "titel": "Der Name von Krebsjauche",
    "ort": "Krebsjauche (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.2833,
    "lng": 14.7667,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "Sagen der Neumark.\n\n226. Der Name von Krebsjauche. Mündlich.\n\nIn der Nähe von Frankfurt liegt ein Dorf, Namens Krebsjauche; hier trafen einmal ein Fuchs und Krebs zusammen, die wetteten miteinander, wer am schnellsten laufen könnte. Da machten sich denn beide auf und der Fuchs, der doch seiner Sache gewiß war, ging ganz langsam voraus, der Krebs aber kniff sich ganz leise und ohne daß es der Fuchs merkte, in die Haare der Ruthe desselben, und ließ sich auf solche Weise nachschleifen. Wie sie nun dicht am Ziele waren, kroch der Krebs tiefer in die Haare hinein und kniff den Fuchs mit den Scheeren so an der Ruthe, daß dieser wüthend mit ihr um sich schlug, wobei der Krebs den richtigen Augenblick wahr nahm, los ließ und so mit aller Macht ans Ziel geschleudert wurde. Da rief er vor Freuden »Krebsjuchhe!« und als nachmals an dieser Stelle ein Dorf gebaut wurde, nannte man es zum Andenken an die List des Krebses »Krebsjuchhe«, woraus später der jetzige Name entstanden ist.",
    "kurztext": "Das Dorf Krebsjauche bei Frankfurt an der Oder trägt einen ungewöhnlichen Namen. Als die ersten Siedler hier einen Krebs im Wasser sahen und ihn jauchzend zeigten, blieb der Ruf als Name des Ortes hängen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 228,
    "nr": "227",
    "titel": "Der Name von Küstrin",
    "ort": "Küstrin (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.5833,
    "lng": 14.65,
    "kategorie": "Gründungssage",
    "volltext": "So geschah's denn auch, und der weise Rath setzte sich ans Thor und harrte; da kam auch bald eine Bauerdirne des Weges, und als man sie fragte, wer sie sei, antwortete sie, sie sei Küsters Trin', das hat man denn zusammengezogen und der Stadt den Namen Küstrin gegeben.",
    "kurztext": "Als die Stadt Küstrin gebaut war, wußten die Ratsherren nicht, wie sie die Stadt nennen sollten. Da kam der Bürgermeister auf die Idee, den Namen des ersten Mannes zu nehmen, dem sie begegneten. Das war ein alter Küster – und so wurde aus dem Küster der Name Küstrin.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 229,
    "nr": "228",
    "titel": "Die Bärenstäker",
    "ort": "",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das ist aber so gekommen:\n\nEinem Manne, der mit Aufladen von Erbsstroh beschäftigt war, fiel ein großes Bund desselben vom Wagen, und da es grade sehr windig war, nahms der Wind auf und triebs weit fort, bis nach Mohrin. Als das aber die Mohriner sahen, wurden sie in Angst und Schrecken versetzt, denn sie glaubten, es sei ein Bär, welcher daher käme, und wußten gar nicht, was sie thun sollten. Doch waren einige unter ihnen, welche beherzter waren, die kamen mit Forken, Stangen und Knüppeln herzugelaufen, um das Ungeheuer zu tödten; da erkannten sie denn ihren Irrthum, aber zum Spott nennt man sie nun bis auf den heutigen Tag die Bärenstäker.",
    "kurztext": "Das ist aber so gekommen: Einem Manne, der mit Aufladen von Erbsstroh beschäftigt war, fiel ein großes Bund desselben vom Wagen, und da es grade sehr windig war, nahms der Wind auf und triebs weit fort, bis nach Mohrin.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 230,
    "nr": "229",
    "titel": "Das alte Schloß bei Mohrin",
    "ort": "Mohrin (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.7833,
    "lng": 14.8667,
    "kategorie": "Schlosssage",
    "volltext": "Lange haben das die Mohriner ruhig mit angesehen, aber als zuletzt auch sie mancherlei Schaden litten, haben sie sich aufgemacht, das Raubnest eng umlagert und den Ritter dort oben verhungern lassen, worauf sie dann das ganze Schloß zerstört, so daß nur noch die wenigen Reste, welche jetzt sichtbar sind, überblieben.\n\nAndere sagen, der letzte Besitzer des Schlosses habe es, als er alt und schwach wurde und ohne Nachkommen war, an einen Herrn zu Güstebiese für ein Kalb verpfändet. Er soll auch, da jene davon Besitz nahmen, wegen seiner Schwäche im Lehnstuhl herunter getragen worden sein.\n\nMit dem ebenfalls am Mohriner See gelegenen Dorfe Butterfelde sollen die Ritter übrigens auch noch besondre Verbindungen unterhalten haben, und namentlich sagt man, daß ein unterirdischer Gang vom Schlosse nach der ehemaligen katholischen Kirche des Dorfes, die jetzt in ein Wirthschaftsgebäude verwandelt sei, geführt habe.",
    "kurztext": "Andere sagen, der letzte Besitzer des Schlosses habe es, als er alt und schwach wurde und ohne Nachkommen war, an einen Herrn zu Güstebiese für ein Kalb verpfändet.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 231,
    "nr": "230",
    "titel": "Der Mohriner See",
    "ort": "Mohrin (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.7833,
    "lng": 14.8667,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Oft genug hat man deshalb schon in Angst geschwebt, denn wenn der See heult, wie die Leute sagen, so tobt da unten der Krebs und will sich lösen.\n\nIm See muß auch alle Jahr einer ertrinken, und wenn das ja einmal in einem Jahre nicht zutrifft, so müssen sicherlich im nächsten Jahre zwei dafür büßen. Man sieht auch oft einen Schimmel aus dem Wasser hervorkommen, besonders während der Nacht, der geht ruhig neben dem Wandrer her, der noch spät des Weges kommt, und begleitet ihn ein Stück Weges. Am Marientage aber zeigt sich auch eine weiße Gestalt, die lockt die Leute auf allerlei Weise herabzukommen, und wer sie einmal erblickt hat, der muß hinunter, mag er wollen oder nicht.",
    "kurztext": "Im See muß auch alle Jahr einer ertrinken, und wenn das ja einmal in einem Jahre nicht zutrifft, so müssen sicherlich im nächsten Jahre zwei dafür büßen.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 232,
    "nr": "231",
    "titel": "Das vermauerte Thor",
    "ort": "",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Das kam aber so:\n\nVor Zeiten war einmal ein Spitzbube, der sah dem König sehr ähnlich, und hatte ihm auch seinen Siegelring und Scepter gestohlen, und zeigte sich nun aller Wegen, sagend, er sei der König selber. Der war auch grade verreiset und alle Welt glaubte dem Betrüger eine Zeit lang; doch endlich kam heraus, wer er sei, und er wurde nun fortgejagt; das Thor aber, zu dem er eingezogen, ward von Stund an vermauert, damit kein ehrlicher Mann mehr hindurchzugehn brauche.",
    "kurztext": "Das kam aber so: Vor Zeiten war einmal ein Spitzbube, der sah dem König sehr ähnlich, und hatte ihm auch seinen Siegelring und Scepter gestohlen, und zeigte sich nun aller Wegen, sagend, er sei der König selber.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 233,
    "nr": "232",
    "titel": "Der Stein am Wubieser Wege",
    "ort": "Wubieser Wege",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Bei der Mühle, die am Wubieser Wege dicht vor den Thoren von Mohrin liegt, war noch vor einigen Jahren ein Granitblock befindlich, der war so groß, wie ein einstöckiges Haus, so daß man, nachdem er zersprengt war, das neue Spritzenhaus hat ganz davon bauen können. War nun gleich der Stein wegen seiner auffallenden Größe merkwürdig, so hatte er doch sonst keine besonderen Abzeichen, wie etwa Eindrücke oder dergleichen; aber unten an seiner Sohle war ein Graben befindlich, der war mit Wasser gefüllt, und aus diesem holten sich die Mohriner ehmals in der heiligen Osternacht Osterwasser, um damit allerlei Gebrechen und Fehler zu heilen.",
    "kurztext": "Bei der Mühle, die am Wubieser Wege dicht vor den Thoren von Mohrin liegt, war noch vor einigen Jahren ein Granitblock befindlich, der war so groß, wie ein einstöckiges Haus, so daß man, nachdem er zersprengt war, das neue Spritzenhaus hat ganz davon bauen können.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 234,
    "nr": "233",
    "titel": "Die verwandelten Knaben",
    "ort": "",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Als die Sonne nun höher heraufkam, öffneten sie ihre Kober, um das Frühstück einzunehmen; der eine von ihnen hatte aber einen Käse, und mochten sie nun satt sein, oder war es bloßer Uebermuth, sie nahmen ihre großen Viehpeitschen hervor, und hieben damit so lange auf denselben los, bis Blut daraus hervorkam. Dafür sind sie denn zur Strafe auf der Stelle in Steine verwandelt worden, und diese sieben Steine haben dort gestanden, bis vor wenigen Jahren der Zellinsche Weg verlegt wurde.\n\nVergl. Beckmann's Beschreibung der Mark Brandenburg Th. I. S. 362, welcher sagt, die sieben jungen Bursche hätten ihren Käse und Brot auf unanständige Weise benetzt.",
    "kurztext": "Als die Sonne nun höher heraufkam, öffneten sie ihre Kober, um das Frühstück einzunehmen; der eine von ihnen hatte aber einen Käse, und mochten sie nun satt sein, oder war es bloßer Uebermuth, sie nahmen ihre großen Viehpeitschen hervor, und hieben damit so lange auf denselben los, bis Blut daraus hervorkam.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 235,
    "nr": "234",
    "titel": "Die Teufelssteine bei Mohrin",
    "ort": "Mohrin (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.7833,
    "lng": 14.8667,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Dieser Stein heißt Etzel- oder Achselstein, und hat seinen Namen daher bekommen, daß die Großmutter des Teufels diesem hier einst kein Essen kochen wollte; da wurde er denn so wüthend, daß er sie bei der Kehle packte und mit solcher Gewalt gegen den Stein drückte, daß die Form der Achsel darin sichtbar blieb. Auch die große Nasenspitze derselben hat sich abgedrückt, denn das ist das über der Achsel befindliche runde Loch. Seit der Zeit ist des Teufels Großmutter nicht mehr so widerspenstig gewesen, und man kann sie alltäglich dort auf dem Steine in dem kleinen Näpfchen das Mittagessen bereiten sehen.\n\nUeberhaupt scheint diese Gegend des Mohriner Sees des Teufels Lieblingsaufenthaltsort gewesen zu sein, und mancherlei Spuren sind noch davon da. Im sogenannten Kugelgrunde am See lag sonst eine ganze Reihe großer Granitsteine, unter andern auch einer, an dem ein vollständiger Sattel mit zwei Steigbügeln sichtbar war; auf diesem ist der Teufel jedesmal in der Walpurgisnacht zum Blocksberg geritten. Ein andrer Stein hat die Form eines Lehnstuhls, der mit der Vorderseite dicht am See steht, auf dem soll der Teufel noch oft in warmen Sommernächten sitzen und Fische angeln. Und solcher Steine waren sonst noch mehrere da, die aber jetzt fortgeführt sind.\n\nAndere Steine, an denen der Teufel sein Wesen getrieben, liegen weit umher in der Gegend zwischen Mohrin und Zehden. So liegt ein sehr bedeutender Block mit glatter Oberfläche auf der Grenze von Dürren-Selchow und Grüneberg; auf diesem befindet sich eine große Anzahl von etwa einem bis anderthalb Zoll tiefen meist runden Löchern, die ziemlich nah bei einander stehen. Diese Eindrücke sollen daher rühren, daß der Teufel einst auf ihm Kegel gespielt. – Ein andrer Stein von geringerer Größe befindet sich auf der Selchower Feldmark, und zeigt den Eindruck einer Kuhtrappe. – Ebenso befindet sich am Wege von Zehden nach Zachow ein Stein, welcher die Fußstapfen eines Löwen, eines Hundes und einer Kuh zeigt. Alle drei sollen einmal, als der Stein noch weich war, zu gleicher Zeit darauf getreten sein.",
    "kurztext": "Ueberhaupt scheint diese Gegend des Mohriner Sees des Teufels Lieblingsaufenthaltsort gewesen zu sein, und mancherlei Spuren sind noch davon da.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 236,
    "nr": "235",
    "titel": "Die Theerbutte am Thurm",
    "ort": "Thurm",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Vor Zorn und Unmuth darüber rief er: »I so möge doch gleich der Teufel kommen und den Wagen fortbringen!« Allein kaum war auch nur das letzte Wort verhallt, so kam der Böse daher, nahm den Wagen auf und flog mit ihm durch die Luft davon. Da saß nun die arme Tochter des Bauern und wußte in ihrer Noth nicht, was sie anfangen sollte; doch fiel ihr noch zuletzt ein gutes Mittel bei, sie fing nämlich aus Leibeskräften an zu beten, sich zu bekreuzen und Gott anzurufen, so daß der Teufel endlich alle seine Macht über den Wagen und sie verlor, und sie zulegt sanft auf die Erde niedersetzte. Aus Zorn über die verlorene Beute nahm er aber die Theerbutte des Wagens und stülpte sie umgekehrt auf dem Kirchthurm des Dorfes; dort könnt ihr sie noch heute sehn, doch müßt ihr das Dorf erst suchen.",
    "kurztext": "Vor Zorn und Unmuth darüber rief er: »I so möge doch gleich der Teufel kommen und den Wagen fortbringen!« Allein kaum war auch nur das letzte Wort verhallt, so kam der Böse daher, nahm den Wagen auf und flog mit ihm durch die Luft davon.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 237,
    "nr": "236",
    "titel": "Der Adamstanz bei Wirchow",
    "ort": "Wirchow",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Es sind aber auch eigentlich gar keine Steine, sondern verwandelte Menschen, die zur Strafe zu Stein wurden. Es geschah nämlich einmal vor vielen hundert Jahren, daß ihrer mehrere hier am heiligen Pfingsttage einen Tanz ausführten und dabei ganz nacket waren; aber kaum hatten sie ihn begonnen, so blieben sie auch stehen, wie sie grade standen, und so kann man sie noch sehen. In der Mitte stehen die beiden Bierschänker, außerhalb des Kreises die beiden Spielleute, und um jene herum sieht man die vierzehn Tänzer stehen. Das ist der Adamstanz oder der Steintanz, und so leicht wird's wohl keinem einfallen, ihn nachzutanzen.",
    "kurztext": "Es sind aber auch eigentlich gar keine Steine, sondern verwandelte Menschen, die zur Strafe zu Stein wurden.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 238,
    "nr": "237",
    "titel": "Der Teufelsstein bei Reetz",
    "ort": "Reetz (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.6333,
    "lng": 14.6167,
    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Der nahm sie aber und fuhr mit ihr durch die Luft davon bis zu einem großen Steine, der in der Gegend zwischen Reetz und Rietzig liegt, und um den noch eine Anzahl kleinerer Steine herumliegt. Hier ruhte er mit ihr aus, und wie sie so saßen, da kamen die Höllengeister mit Pferde- und Bocksfüßen an und tanzten um sie herum. Von der Höllenglut mag der Stein aber wohl so weich geworden sein, daß sich die Zeichen von den Händen und Füßen derselben darin abgedrückt haben. Das alles währte eine ganze Weile, da kamen ein Paar Kinder des Weges, die setzten sich ebenfalls auf dem Steine nieder; aber im Augenblick verschwand auch alles, und als Denkmal sind nur die Spuren der Hände und Füße im Steine verblieben, und man kann namentlich die Füße eines Frauenzimmers und eines Kindes, sowie ein Hufeisen und eine Hand noch ganz deutlich sehen.",
    "kurztext": "Der Teufelsstein bei Reetz. Beckmann Beschreibung d.M.B. In der Gegend von Reetz, das nördlich von Arnswalde in der Neumark liegt, da war einmal eine Krügerin, die betrog die Bauern auf jede Weise, so daß sie endlich der Teufel holte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
  },
  {
    "id": 239,
    "nr": "238",
    "titel": "Die Ketzer-Dörfer und Ketzer-Berge in der Neumark",
    "ort": "",
    "region": "Neumark",
    "lat": null,
    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "In diesen sollen sich noch vor etwa zweihundert Jahren in den Kellern einige Altäre gefunden haben, in denen sie nach Art der ersten Christen während ihrer Verfolgung ihren Gottesdienst verrichteten, und man nennt diese Dörfer daher die Ketzerdörfer, und werden als solche besonders Wubieser, Zäkerick, Rüdenitz, Gabow genannt; ferner nennt man auch die Berge zwischen Wrechow und Zehden die Ketter- oder Ketzerberge, und mögen diese ihren Namen wohl aus einem ähnlichen Grunde haben.",
    "kurztext": "In diesen sollen sich noch vor etwa zweihundert Jahren in den Kellern einige Altäre gefunden haben, in denen sie nach Art der ersten Christen während ihrer Verfolgung ihren Gottesdienst verrichteten, und man nennt diese Dörfer daher die Ketzerdörfer, und werden als solche besonders Wubieser, Zäkerick, Rüdenitz, Gabow genannt; ferner nennt man auch die Berge zwischen Wrechow und Zehden die Ketter- oder Ketzerberge, und mögen diese ihren Namen wohl aus einem ähnlichen Grunde haben.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 240,
    "nr": "239",
    "titel": "Die Raben am Rathhause zu Königsberg",
    "ort": "Königsberg (Neumark)",
    "region": "Neumark",
    "lat": 52.8833,
    "lng": 14.9167,
    "kategorie": "Heldensage",
    "volltext": "Im Herbst des Jahres 1588 sowie im März des folgenden Jahres erschienen an verschiedenen Tagen auf dem Rathhause und der Kirche zu Königsberg große Massen von Krähen, Dohlen und Raben, die in heftigen Kampf mit einander geriethen, worauf auch in einer folgenden Nacht ein unversehenes plötzliches Licht in allen Gassen, das aber bald wieder verschwand, gesehen wurde. Zum Andenken dessen sind über der Thüre des Rathhauses zwei gegeneinander sitzende Dohlen oder Raben gemalt, die aber kaum noch zu sehen sind; auf dem untersten Rathhausgiebel befand sich auch ehmals ein eiserner Rabe, der aber bereits vor langen Jahren abgenommen ist.\n\nDieser Rabenkrieg war aber um so denkwürdiger, als er ein Vorzeichen des Kampfs war, der bald darauf im J. 1589 zwischen dem Rath und der Bürgerschaft wegen eines Stück Landes unweit des Pimpinellenberges ausbrach; darüber entstand ein so gewaltiger Lärm in der Stadt, daß Kurfürst Johann George endlich die Stadt berennen ließ und über die Hauptunruhestifter schwere Strafen verhängte. Seitdem führt jenes Land den Namen des Streitlandes.",
    "kurztext": "Dieser Rabenkrieg war aber um so denkwürdiger, als er ein Vorzeichen des Kampfs war, der bald darauf im J. 1589 zwischen dem Rath und der Bürgerschaft wegen eines Stück Landes unweit des Pimpinellenberges ausbrach; darüber entstand ein so gewaltiger Lärm in.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 241,
    "nr": "240",
    "titel": "Das schwarze Pferd",
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    "region": "Neumark",
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    "lng": null,
    "kategorie": "Natursage",
    "volltext": "Dieses Pferd ist vielleicht der Satan selber gewesen, denn an demselben Tage Abends gegen 10 Uhr brach in einem Hause der Stadt Feuer aus, welches er vielleicht angeblasen, um der Stadt eine große Feuersbrunst anzurichten.",
    "kurztext": "Dieses Pferd ist vielleicht der Satan selber gewesen, denn an demselben Tage Abends gegen 10 Uhr brach in einem Hause der Stadt Feuer aus, welches er vielleicht angeblasen, um der Stadt eine große Feuersbrunst anzurichten.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "241",
    "titel": "Die keusche Nonne",
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    "kategorie": "Kirchensage",
    "volltext": "Diese Worte verstund jener nicht, sondern meinte, es wären die starken unverständlichen Zauberwörter, worauf die ganze Kunst beruhte. Da sprach die Jungfrau ferner mit ausgestrecktem Halse, er sollte nun getrost zuhauen, so würde er die sicherste Probe der Kunst erhalten; dies that er auch, hieb ihr das Haupt mit einem Streich herunter, und sah nun erst, daß ihr ihre Ehre lieber als ihr Leben gewesen sei.",
    "kurztext": "Diese Worte verstund jener nicht, sondern meinte, es wären die starken unverständlichen Zauberwörter, worauf die ganze Kunst beruhte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "nr": "242",
    "titel": "Der Landsknecht und der Teufel",
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    "kategorie": "Teufelssage",
    "volltext": "Dieser erzürnte sich nun gewaltig über das Weib und warf ihr ihre Untreue vor, und da dies der Mann hörte, kam er herbei, sein Weib zu vertheidigen, und warf ihn zur Thür hinaus. Da zog der Landsknecht vom Leder und hieb in die Thür, und als das der Wirth vernahm, schrie er die Nachbarsleute an, was ihm für Gewalt geschehen, diese griffen den Landsknecht und führten ihn vor die Obrigkeit, worauf er ins Gefängniß geworfen wurde. Als man nun den Fall im Gericht berieth und für Recht erkannte, daß er wegen Gewaltthat durchs Schwert zu richten sei, kam der Teufel zu ihm ins Gefängniß, zeigte ihm an, wie seine Sache stände, und verhieß ihm, wo er sich ihm ergeben möchte, so wolle er ihm davon helfen. Aber der Landsknecht antwortete, daß er eher zehnmal sterben als auf solche Weise loskommen wolle, konnte auch auf keine Weise bewogen werden, so listig der Teufel es auch anfing, auf den Bund einzugehn. Da versprach ihm endlich der Teufel, ihn ohn einigen Gegendienst frei zu machen, sagend: »Wenn du für Gericht geführt wirst, so sage, du seist zuvor mit Rechtssachen nicht umbgegangen, kannst dich auch selbst mit Reden nicht verwahren, und bitte umb einen Advocaten, der für dich rede, da will ich bei dich treten in einem blauen Hut mit weißen Federn und will dein Advocat sein!« Dies Erbieten nahm der Landsknecht an, da er dafür hielt, daß es nicht wider Gott sei.\n\nFolgenden Tags nun wurde der Landsknecht vor Gericht geführt, und da er um einen Advocaten bat, der ihn vertheidigen möchte, dieses ihm auch gewährt wurde, trat der Teufel daher im blauen Hut mit weißer Feder, repetirte den ganzen Handel, sagte, wie der Diebstahl geschehen, wo das Geld liege und wieviel desselben sei, alles bis aufs allerkleinste. Da verschwur sich der Wirth hoch und theuer und rief: »Wenn ich's habe, so führe mich der Teufel weg!« aber kaum hatte er das gesagt, so ergreift der im blauen Hut mit weißer Feder den Wirth, führt ihn über den Markt durch die Lüfte hinweg, und hat niemand jemals erfahren, wo er mit ihm hingekommen sei.",
    "kurztext": "Dieser erzürnte sich nun gewaltig über das Weib und warf ihr ihre Untreue vor, und da dies der Mann hörte, kam er herbei, sein Weib zu vertheidigen, und warf ihn zur Thür hinaus.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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    "id": 244,
    "nr": "243",
    "titel": "Der Werwolf",
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    "kategorie": "Sagenwesen",
    "volltext": "Lange Zeit hatte keiner gewußt, daß er ein so gefährlicher Nachbar sei, aber endlich kam es folgendermaßen heraus.\n\nEs lagen mehrere Knechte beisammen in den Koppeln ihre Pferde zu hüten, und machten sich da ein Feuer an, bei dem immer einer wachen mußte. Als nun die Reihe an den Werwolf kam und er meinte, daß die andern alle fest schliefen, warf er schnell seinen Gürtel über und stürzte sich als Wolf auf die Pferde, und verzehrte ein Fohlen mit Haut und Haaren. Das alles sah einer der Knechte, der sich nur schlafend gestellt hatte, mit an, sagte jedoch den andern kein Wort davon: nicht lange danach kehrte der Werwolf zurück, und die andern erwachten. Als sie nun bei dem Feuer lagen, da schauderte es dem Werwolf so und er sagte: »Ich weiß nicht, wie mir heute so schuddrig ist!« »Na, sagte der Knecht, welcher nicht geschlafen hatte, da soll einem wohl nicht schuddrig sein, wenn man ein ganzes Fohlen im Leibe hat!« »Dein Glück, rief jener, daß du mir das nicht vorher gesagt hast!« und mit diesen Worten streifte er seinen Gürtel über, ward sogleich zum Wolf, sprang in den Wald und nie haben ihn seine Gefährten wieder gesehen.",
    "kurztext": "Lange Zeit hatte keiner gewußt, daß er ein so gefährlicher Nachbar sei, aber endlich kam es folgendermaßen heraus. Es lagen mehrere Knechte beisammen in den Koppeln ihre Pferde zu hüten, und machten sich da ein Feuer an, bei dem immer einer wachen mußte.",
    "quelle": "Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843"
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